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Leben

Stadt oder Land – Teil eins: Eine echte Landliebe

Es ist fast schon eine Glaubensfrage: Stadt oder Land – wo möchten wir leben? Zwei Familien – eine vom Land, eine aus der Großstadt – erzählen von ihrem Leben, zeigen uns wie sie wohnen, nennen Vor- und Nachteile. Los geht´s mit Familie Strothlüke und ihren „Landkindern“.

Stadt oder Land?

Das Abenteuer beginnt direkt vor ihrer Haustür. Henri und Lotte ziehen die Gummistiefel an, rennen los. Zeigen uns den Spielplatz, der ihr Zuhause ist: ein 300 Jahre alter Backsteinhof im ostwestfälischen Bielefeld-Ummeln. Wir sehen: Weite. Natur. Kühe. Himmel. Wiesen. Felder. Ein kleines Waldstück. Einen Bachlauf. Und wir hören: nichts. Hier und da vielleicht ein sanftes „Muh“, ein Treckertuckern oder ein fröhliches Kinderlachen. Es könnte schlimmer sein. Wir sind mittendrin im Landidyll, dem Inbegriff erfüllter Kindheit, der Sehnsucht vieler Menschen. Hier leben sie, die Landkinder, die Landwirte und die Landfrauen. Kinder, die den ganzen Tag dort spielen können, wo sie möchten, die eifrig bei der Stallarbeit mithelfen und abends mit roten Wangen erschöpft einschlafen. Hier gibt es sie, die Frauen, die Apfelkuchen backen, und die Männer, die Milchkannen tragen. Alles nur Klischee? Sieht die Realität auf deutschen Höfen wirklich so aus?

Dazu später mehr. Fangen wir vorne an, bei der neuen Lust aufs Land. Fest steht: Die Hälfte der Deutschen lebt auf dem Land. Natürlich nicht alle auf einem Bauernhof wie Familie Strothlüke, aber mindestens doch in einem der 35.000 Dörfer. Hier wachsen die Landkinder mit Stallgeruch in der Nase auf, die Kirchenglocken sind die Hintergrundmusik ihres Lebens.

Eine echte Landliebe: Familie Strothlüke

Landliebe: Familie Strothlüke lebt mit drei Kindern auf dem Bauernhof

„Unsere Kinder wachsen mit der Natur und Tieren auf – etwas Schöneres gibt es doch gar nicht. Sie sind bei Wind und Wetter draußen, eigentlich jeden Tag“, bestätigt Andrea Strothlüke. Dabei hat jede Jahreszeit ihre Reize. Im Frühling beginnt die Feldarbeit mit Gras schneiden, häckseln, Mais säen und dem Weideauftrieb. Im Sommer ernten die Landwirte das erste Getreide, im Herbst dann den Mais. „Und falls im Winter Schnee liegt, hängen wir Schlitten hinter den Trecker und ziehen die Kinder übers Feld – ein großer Spaß!“, berichtet die 36-Jährige.

Andrea Strothlüke ist selbst auf dem Hof groß geworden, auf dem jetzt ihre drei Kinder herumtoben. Seit 300 Jahren ist der Betrieb in Familienbesitz. Eines Tages fragte Hermann Strothlüke seine vier Töchter, wer den Hof übernehmen möchte. Die älteste von ihnen und ihr Mann überlegten nicht lange. Der gelernte Elektroinstallateur Dennis Strothlüke kündigte und orientierte sich beruflich ganz neu, ging sogar studieren. Als staatlich geprüfter Agrar-Betriebswirt hat er sich das nötige Fachwissen angeeignet, um den Milchviehbetrieb zunächst noch gemeinsam mit seinem Schwiegervater zu führen. „Traditionell hat auch Dennis, wie mein Opa und auch Uropa, den Namen der Frau angenommen, um den Hofnamen nicht aussterben zu lassen. In unserer Familie war das weibliche Geschlecht bisher immer stärker vertreten“, sagt Andrea Strothlüke, die als lebensmitteltechnische Assistentin (in Elternzeit) in einer Molkerei arbeitet.

Das Berufsbild des Landwirtes und damit auch das Familienleben auf dem Hof hat sich in den letzten 200 Jahren enorm verändert. Vom wirtschaftlich unabhängigen Selbstversorgerbetrieb für die Großfamilie bis zum modernen spezialisierten und hochtechnisierten Wirtschaftsunternehmen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Größe landwirtschaftlicher Betriebe lag um 1800 bei vier Hektar. Die Strothlükes bewirtschaften heute das 17-fache. „Wenn ich das Landleben heute mit meiner Kindheit vergleiche, fällt natürlich auf, dass unser Hof viel größer ist: Wir haben mittlerweile doppelt so viele Kühe und auch mehr Fläche zu bewirtschaften als in der vorherigen Generation. Doch der Unterschied ist nicht so gravierend wie damals bei meinen Großeltern. Sie haben noch fast alles mit der Hand geerntet auf dem Hof musste alle – auch die Kinder – richtig mitanpacken“, sagt Andrea Strothlüke. „Unsere Eltern waren den ganzen Tag zu Hause, auch wenn sie natürlich immer viel zu tun hatten, ist uns das aber nie wirklich aufgefallen. Immer wenn wir wollten, konnten wir bei ihnen sein“, erinnert sich die dreifache Mutter. „Ich denke, dass es unseren Kindern heute genauso geht.“

Henri und Lotte helfen gerne: Kälber füttern, Kühe melken oder Trecker fahren – Hauptsache sie sind draußen. Was die Strothlükes außerdem an ihrem Hofleben schätzen, ist die Möglichkeit, alle Mahlzeiten zusammen am großen Familientisch zu sich zu nehmen. Nachfrage bei den Geschwistern: Möchtet ihr nicht lieber in der großen Stadt leben? Die beiden schütteln mit dem Kopf. Und natürlich steht für den ältesten Sohn auch schon fest, was er einmal werden will. Den Eltern gehts genauso: Wer wie Andrea Strothlüke selbst auf einem Hof aufgewachsen ist und hier nun drei glückliche, temperamentvolle Landkinder großzieht, kann sich einen Umzug in die Stadt nicht vorstellen: „Uns würde der Freiraum fehlen.“

"Wir würden uns immer wieder so entscheiden!"

Stadt oder Land: Prioritäten setzen

Natürlich ist das Leben auf dem Land im Allgemeinen und auf dem Bauernhof im Besonderen nicht immer nur schön. Kühe geben auch am Sonntag Milch, einen geregelten Feierabend oder Wochenende gibt es nicht. Und dann sind da noch die Entfernungen. Auf ein Auto sind die Landwirte immer angewiesen – sei es für den Weg zum sieben Kilometer entfernten Kindergarten, für den Einkauf, das Treffen mit einer Freundin im Café oder um die Kinder zur Krabbelgruppe oder Musikstunde zu bringen. „Trotzdem ist unser Landleben schön und auch ein Stück weit idyllisch“, fassen die Strothlükes zusammen.

Es ist eine der großen Entscheidungen im Leben: Stadt oder Land? Möchten wir in der pulsierenden Großstadt mit all den Angeboten, für die wir auf dem Land erst weit fahren müssen, wohnen? Oder auf dem Land? Dort, wo die Nähe zur Natur und die enge Gemeinschaft zu den Menschen zählt? Wie auch immer sich Familien entscheiden, sie tun es heute ganz bewusst. Sie wägen die Argumente ab, entscheiden sich auch noch mal um, probieren aus. Die Möglichkeiten sind groß, genauso wie die Mobilität und Flexibilität, die Familien heute haben. So vieles spielt rein in diese große Entscheidung: Die Nähe zu Familie und Freunden, zum Arbeitsplatz, Kindergarten und Schule, die finanziellen Möglichkeiten, die Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten, das Bedürfnis nach Sicherheit, Ruhe, Natur, aber auch nach Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten. Tradition oder Urbanität – was ist wichtiger? Warum eigentlich oder? Der Ort, an dem Kinder aufwachsen, prägt sie. Studien stellen immer wieder Zusammenhänge zwischen Gesundheit, Charakter, persönlichem Glücksempfinden und dem Wohnort her und vergleichen so Stadt- und Landkinder. Dabei gibt es kein besser oder schlechter – was zählt ist das, was jede Familie aus ihrem Leben macht.

Zurück zu den Vorurteilen: Natürlich wachsen Kinder auch in der Stadt unbeschwert auf und sind glücklich, natürlich schlafen auch sie erschöpft mit roten Wangen ein und natürlich backen auch Städterinnen Apfelkuchen. Davon überzeugen wir uns schon bald – beim Besuch einer Großstadtfamilie.

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