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Selbstständigkeit fördern: So stärken Sie Ihr Kind

„Ich kann das schon“ – diesen Satz hören Eltern von Kleinkindern mehrmals täglich. Doch ist dies weniger ein Ausdruck von Trotz oder Überschätzung als vielmehr ein Zeichen für Selbstvertrauen. Und dazu gehört Selbsthilfe. Fördern Sie die Eigeninitiative Ihres Kindes, indem Sie ihm möglichst wenig von den Dingen abnehmen, die es allein bewerkstelligen möchte. Selbstständigkeit und Eigenverantwortung beim Kind zu fördern bedeutet für die Eltern vor allem eins: loslassen. Zu viel übermäßige Fürsorge bindet Psychologen zufolge die Kinder so eng an die Eltern, dass vor allem bei Heranwachsenden die Gefahr besteht, dass sie mit Aufgaben wie Aufräumen oder dem Erledigen von schulischen Dingen schnell überfordert sind.

tipps, mit denen sie die selbstständigkeit bei kindern fördern

Ihr Kind möchte sich zum ersten Mal morgens ganz allein anziehen? Das Erste, was Ihnen nach dieser Botschaft durch den Kopf schießt, ist wahrscheinlich, dass das jetzt aber nicht in den Zeitplan passt. Kämpft Ihr Kind erstmal mit Halsausschnitten und Reißverschlüssen, kommt es garantiert zu spät in die Kita und Sie verpassen Ihren ersten Termin im Büro. Übernehmen Sie dagegen wie immer das Ankleiden, droht ein Wutausbruch beim Nachwuchs – und das kann Ihren Zeitplan auch gehörig durcheinanderbringen. Versuchen Sie also, entspannt zu bleiben und sich darüber zu freuen, dass Ihr Kind sich zutraut, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Mit diesen Tipps schaffen Sie es, selbst geduldig zu sein und gleichzeitig Ihrem Kind bei seinem Tun den Rücken zu stärken: 
 
  • Hilfestellung: Ihr Kind hat es immerhin geschafft, sich den Pulli über den Kopf zu ziehen. Sie können das Oberteil nun so drehen, dass jeder Arm auch im richtigen Ärmel landet. 
  • Anerkennung: Ihr Kind hat sich den Pullover erstmals ganz allein angezogen – nur leider ist er verkehrt herum. Statt gleich zu sagen „das ist aber falsch“ und das Kind damit womöglich zu entmutigen, sollten Sie zunächst anerkennen, was Ihrem Kind gelungen ist. Das Ergebnis darf auch mal nicht perfekt sein. Leisten Sie Hilfestellung. 
  • Erfahrungsräume: Ihr Kind möchte nicht das anziehen, was Sie ihm herausgelegt haben? Dann lassen Sie es doch selbst mal im Kleiderschrank wühlen und eine eigene Wahl treffen. Zeit zum Entdecken (auch draußen in der Natur) bietet die Chance, eigene Erfahrungen zu sammeln. 
  • Vertrauen: Wenn Ihr Kind den Wunsch äußert, etwas allein zu machen, baut es auf Ihr Vertrauen darauf, dass es das auch schafft. Und Vertrauen gibt Selbstvertrauen. 
  • Geborgenheit: Hat sich Ihr Kind sein Ziel zu hoch gesteckt und scheitert, vermeiden Sie Äußerungen wie „ich habe doch gleich gesagt, dass du dafür noch zu klein bist“. Geben Sie ihm vielmehr das Gefühl, dass Sie auch bei einem Misserfolg hinter ihm stehen. Zuwendung und Geborgenheit stärken den Mut und das Selbstvertrauen, nicht aufzugeben und es nochmal zu probieren. Außerdem erleichtern sie den Lernprozess, auch mal um Hilfe zu bitten. 
  • Grenzen: Zu viel Freiheit schafft auch wieder Unsicherheit. Bei allem, was Ihr Kind machen möchte oder was Sie ihm zutrauen, sollten Sie Risiken abwägen und auch das Alter berücksichtigen. Möglicherweise ist das Klettergerüst doch noch zu hoch, um ganz allein bis zur Spitze zu kommen. Und vielleicht ist ein Babysitter doch besser, als das Kind abends schon allein zu Hause zu lassen. Am Ende ist alles ein Lernprozess. 

selbstständigkeit lernen: ab welchem alter ist was zumutbar? 

Der Dreijährige will allein zum Kindergarten gehen, während die 16-Jährige täglich Hol- und Bringdienste einfordert – wie viel Selbstständigkeit einem Kind zugebilligt oder auch zugemutet werden sollte, hängt nicht zuletzt auch vom Alter und Entwicklungsstand ab. 

Kindergartenkinder freuen sich und sind stolz, wenn man Ihnen zutraut, schon im Haushalt helfen zu können. Es muss ja nicht gleich Umrühren am heißen Herd sein. Aber das Tischdecken und Staubwedeln klappt sicher. Möchte Ihr Kind etwas ganz Bestimmtes tun, bei dem Sie Bedenken haben, suchen Sie nach einer Alternative oder leiten Sie es genau an. Je mehr ein Kleinkind im Alltag schon allein machen darf, desto weniger wird es trotzen – und umso geringer sind die Widerstände später in der Pubertät. Gehörte das Bettenmachen und das Ausräumen des Geschirrspülers schon immer zu den regelmäßigen Aufgaben, wird der Teenager vielleicht murren, aber sich trotzdem nicht weigern.

 Andererseits sollten Eltern bei Heranwachsenden auch wieder stärker in den Hintergrund treten und sich nicht zu sehr in schulische Belange oder die Freizeitgestaltung einmischen: Auf den Vertretungsplan schauen oder das Mensaessen bestellen können Kinder auf der weiterführenden Schule bereits selbst. Auch sollten sie sich zwischen ihrem Zuhause, der Schule, Freunden und Sport- oder Freizeiteinrichtungen selbstständig bewegen können.
 

was kann die selbstständigkeit beim kind fördern?

Ergreift Ihr Kind nicht gern Eigeninitiative, ermuntern Sie es öfter, Dinge selbst zu erledigen und nehmen Sie ihm die Angst davor, etwas falsch oder nicht perfekt zu machen. Es sollte sich Ihrer Rückendeckung stets bewusst sein, um sich sicher zu fühlen.
Eine große Hilfe beim Fördern der Selbstständigkeit sind aber vor allem andere Kinder.

Geschwister und Spielkameraden machen den Vergleich möglich: Das Kind sieht, was andere schon können und beginnt selbst damit, seine Stärken und Schwächen auszuloten. Es will sich messen. Auch das Sozialverhalten wird im Kontakt mit anderen Kindern gestärkt. In seinem Bedürfnis, einem anderen zu helfen, gelingt es Ihrem Kind vielleicht, über sich hinauszuwachsen. Auch die Anerkennung von Altersgenossen oder gar älteren Geschwistern ist einem Kind oftmals wichtiger als Lob von Erwachsenen. 
 

selbstständigkeit lernen heißt: loslassen

Kämpfen, gewinnen, selbst bestimmen – der Weg in die Selbstständigkeit eines Kindes ist lang und manchmal auch steinig. Doch nicht nur Erfolge, sondern auch Misserfolge sind gut für das Selbstvertrauen. Kinder müssen nicht nur, sie wollen auch ihre eigenen Erfahrungen machen. Eltern lernen auch etwas dabei: loszulassen. 

Ermutigen Sie Ihr Kind schon früh, Dinge selbst auszuprobieren, statt ihm ständig alles abzunehmen und geben Sie ihm das Gefühl, dass Sie helfen, wenn etwas mal nicht klappt – ganz ohne Vorwürfe und Besserwisserei. Mit Loslassen und Ermutigen fördern Sie die Selbstständigkeit Ihres Kindes. 
 

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