Alleinerziehend

Eine Familie – das sind auch Alleinerziehende mit Kind

Mutter, Vater, Kind – eine klassische Familie. Doch dieses Familienmodell trägt heutzutage nicht mehr – zumindest nicht allein. Es ist eines von vielen. Es gibt Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien oder Paare, die unverheiratet sind und Kinder haben. Und dann gibt es noch etwa 1,5 Millionen Väter oder Mütter in Deutschland, die ein oder mehrere Kinder alleine aufziehen. Auch sie bilden eine Familie. Eine Familie, in der Sie als alleinerziehendes Elternteil eine besondere Verantwortung haben und vor besonderen Herausforderungen stehen. Eine Aufgabe, die meist die Frauen stemmen müssen, denn neun von zehn Alleinerziehenden sind laut aktuellen Erhebungen Frauen. 


​​​​​​​alleinerziehende stehen vor großen herausforderungen 

Ein Kind bekommt man meist als Paar. Doch viele Beziehungen halten nicht und zerbrechen aus den unterschiedlichsten Gründen. Plötzlich sind Sie alleinerziehend. Das bedeutet, dass Sie sich nun um sehr vieles kümmern und sehr vieles entscheiden müssen. Meist sind Sie die erste und wichtigste Bezugsperson für Ihr Kind.

Hieß es vorher noch, man teilt sich als Eltern Verantwortung und Aufgaben, stehen Sie plötzlich alleine in Ihrem Alltag da. Nun sind Organisation und gutes Zeitmanagement gefragt, damit Einelternfamilien überhaupt funktionieren können. Alleinerziehende müssen oftmals aus der finanziellen Not heraus Vollzeit arbeiten. Die schwierige Balance zwischen Arbeit und Zeit fürs Kind ist ein großer Zwiespalt, der auf vielen alleinerziehenden Eltern lastet.

Da hilft es wenig, wenn das Umfeld versucht, Ihnen Mut zu machen, indem es sagt: „Sei doch froh, dass dir keiner in die Erziehung hineinredet.“ Alleinerziehende wären oft froh, wenn sie die Last der tagtäglichen Verantwortung mit jemandem vernünftig teilen könnten. Haben Sie und Ihr Ex-Partner ein gemeinsames Sorgerecht, so müssen Sie zumindest in allen zentralen Entscheidungen rund ums Kind zusammen entscheiden – etwa bei einem Schulwechsel oder einer größeren Operation. In Alltagsdingen muss der alleinerziehende Elternteil dagegen nicht ständig um das Einverständnis des ehemaligen Partners bitten. 
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alleinerziehende brauchen viel unterstützung im alltag 

Höhere Kosten, höheres Krankheitsrisiko und schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt – Alleinerziehende kämpfen an vielen Fronten und sind häufig benachteiligt gegenüber Paaren. Hinzu kommt noch das schlechte Gewissen, weil sie meinen, sich nicht ausreichend ums Kind zu kümmern. Wenn es Hilfe bei den Schulaufgaben braucht, sitzen Sie vielleicht gerade im Büro oder haben andere Termine. Schnell wird klar – alleinerziehende Elternteile können jede Unterstützung gebrauchen. Nicht nur, um selbst gesund zu bleiben, sondern auch zum Wohl des Kindes: Studien zeigen, dass die Gesundheit des Kindes stark von der Gesundheit der Mutter abhängt und umgekehrt. 
 

alleinerziehende elternteile sollten sich ein gutes netzwerk aufbauen 

Was zunächst einmal jedem alleinerziehenden Elternteil hilft, ist ein gutes Netzwerk. Suchen Sie Kontakt zur Familie, zu Freunden und Nachbarn. Bleibt man im Gespräch, tun sich manchmal ungeahnte Möglichkeiten auf. Die Nachbarin unterstützt Sie bei der Kinderbetreuung, während Sie den Einkauf für sich und die Nachbarin erledigen. Suchen Sie sich andere Eltern oder Alleinerziehende in ähnlichen Situationen und bündeln Sie Ihre Kräfte, beispielsweise bei der Betreuung der Kinder. Das kann oftmals eine Win-win-Situation für alle Beteiligten sein. 
 

armutsrisiko einelternfamilie – das steht alleinerziehenden finanziell zu 

Wer ein Kind alleine aufzieht, hat häufig mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Insbesondere Müttern, die in Teilzeit arbeiten, fehlt es an Geld. So hat ein Kind, das hierzulande bei einer alleinerziehenden Mutter aufwächst, trotz Kindergeld oder Unterhaltspflicht eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, unter der Armutsgrenze zu leben als Kinder, die mit zwei Eltern groß werden. Das erhöhte Armutsrisiko beeinflusst die Kinder oft negativ, sie werden von anderen häufiger ausgegrenzt und können nicht an allem teilhaben. Studien haben gezeigt, dass Kinder aus ökonomisch benachteiligten Familien sich häufig selbst weniger zutrauen, ihre Fähigkeiten schlechter einschätzen und von Anfang an schlechtere Noten in der Schule haben als andere Kinder. 
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alleinerziehende elternteile sollten jede finanzielle hilfe annehmen 

Deshalb ist es wichtig, dass Sie als Alleinerziehende alle Finanzierungsmöglichkeiten ausschöpfen. Zunächst einmal steht Ihnen vom anderen Elternteil Unterhalt zu, der sich nach dem Verdienst des Elternteils und dem Alter des Kindes richtet. Die genaue Staffelung ist in der sogenannten Düsseldorfer Tabelle verzeichnet. Zusätzlich zum Unterhalt hat das Kind Anspruch auf Sonder- und Mehrbedarf. Der unterhaltspflichtige Elternteil muss sich an den Kosten für Operationen oder Klassenfahrten beteiligen. Mütter und Väter, die ihr Kind ohne Partner großziehen, können zunächst einmal 14 Monate Elterngeld bekommen. Wenn Alleinerziehende vor der Geburt des Kindes berufstätig waren, beträgt das Elterngeld 65 bis 67 Prozent des entfallenden Einkommens (maximal 1.800 Euro). Liegt das Netto-Einkommen unter 1.000 Euro, können das bis zu 100 Prozent sein. 

Müttern und Vätern, die Kinder unter drei Jahren versorgen und deshalb nicht arbeiten gehen können, steht ein Betreuungsunterhalt vom anderen Elternteil zu. Gibt es allerdings niemanden, der Unterhalt zahlt, oder ist die Vaterschaft ungeklärt, kann der Alleinerziehende einen Unterhaltsvorschuss für das minderjährige Kind beim Jugendamt beantragen. Neben dem vollen Kindergeld, das Sie als Alleinerziehende für die Kinder zur Verfügung haben, steht Ihnen ein spezieller Steuerfreibetrag zu, der Ihre Steuerbelastung senkt. Alleinerziehende, die Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe erhalten, können zusätzlich einen sogenannten Mehrbedarfszuschlag für ihre Kinder beantragen. Der genaue Betrag richtet sich nach Alter und Anzahl der Kinder. Alleinerziehende mit geringem Einkommen, die keine staatlichen Leistungen in Anspruch nehmen, können außerdem einen Kinderzuschlag von maximal 170 Euro pro Monat sowie Wohngeld beantragen. 
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nur geld allein hilft auch nicht weiter – angebote für alleinerziehende

Sie werden plötzlich krank. Wer kümmert sich dann um Haushalt und Kind? Im Notfall können Alleinerziehende eine Haushaltshilfe bei der zuständigen Krankenkasse beantragen. Gerade nach der Entbindung Ihres Kindes können Sie die zupackende Hand der Haushaltshilfe gut gebrauchen. Werden die Belastungen des Alltags zu groß, ist vielleicht ein Kuraufenthalt – mit oder ohne Kind – eine vernünftige Lösung. Der behandelnde Arzt muss die Notwendigkeit einer Kur bescheinigen.

​​​​​​​Bundesweit gibt es außerdem sogenannte Familienferienstätten, die von Wohlfahrtsverbänden betrieben werden und vor allem Familien, aber auch Alleinerziehenden mit geringen finanziellen Möglichkeiten einen erholsamen Urlaub bieten. Neben den Jugendämtern erhalten Alleinerziehende bei Wohlfahrtsverbänden und gemeinnützigen Vereinen wie dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Beratung und Information. Dort weiß man, wo es Fördermittel gibt. Die Mitarbeiter kennen Hilfsangebote vor Ort wie beispielsweise Notmütter, die im Fall eines Betreuungsengpasses vermittelt werden. Und auch die Mütter und Väter, die nicht das Sorgerecht haben, sind nicht aus der Pflicht. Stichwort Unterhaltspflicht oder Umgangsrecht. 
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alleinerziehende elternteile sind kein gesellschaftlicher makel mehr 

Zugegeben, es ist nicht leicht, als alleinerziehender Elternteil ein Kind großzuziehen. Insbesondere eine schwierige finanzielle Lage erschwert das Leben von Einelternfamilien ungemein. Deshalb sollten Sie sich als Alleinerziehende unbedingt ein gutes soziales Netzwerk aufbauen und wissen, wo Sie staatlich finanzierte Hilfe bekommen können. Immerhin etwas hat sich geändert: Kinder ohne Partner aufzuziehen ist in der Gesellschaft kein Makel mehr. Heutzutage bedeutet Familie so viel mehr als Vater-Mutter-Kind. 
 

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