Selbstregulation

Selbstregulation: die wunderbaren Fähigkeiten des Babys

Wenn ein Baby schreit, ist das seine Art, sich auszudrücken. Egal, wie fürsorglich und einfühlsam Sie als Eltern auch sein mögen – Schreien gehört bei Neugeborenen einfach zum Alltag. Babys schreien, wenn sie hungrig oder müde sind, Zuwendung, Anregung oder auch eine neue Windel brauchen. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, lernt es in den ersten Lebensmonaten, sich seiner neuen Umwelt erst noch anzupassen. 

auf den rhythmus kommt es an

Der Säugling muss vom Tag seiner Geburt an lebensnotwendige Körperfunktionen wie Atmung, Kreislauf, Körpertemperatur und Verdauung nun selbst regulieren. Vor allem zwischen Schlaf- und Wachsein, Hunger und Sattsein muss das Baby seinen Rhythmus erst finden. Und es wird lernen, sich bei innerer Anspannung so zu regulieren, dass es sich wieder wohlfühlt. Manche Kinder haben diese Fähigkeit bereits als Baby sehr ausgeprägt, andere weniger. Oft klappt diese sogenannte Selbstregulation nur mit elterlicher Unterstützung – und die fordert ein Baby lautstark ein. 

eltern können bei der selbstregulation des babys unterstützen

Wenn Ihr Baby sich unwohl fühlt, schreit es. Oft ist ein Säugling so aufgewühlt, dass er aus diesem emotionalen Zustand nicht mehr alleine herausfindet.

Dann kann es helfen:
 
  • das Baby auf den Arm zu nehmen, 
  • es zu wiegen und zu schaukeln,
  • es sanft zu berühren 
  • und leise mit ihm zu sprechen. 
Erinnern Sie sich daran, was Ihr Baby gern mag. Vielleicht hilft ein Kneten der Füßchen, eine Massage, eine bestimmte Melodie oder das Lieblingsstofftier, damit sich das Kind beruhigt. 

einschlafen will gelernt sein

In den ersten beiden Monaten schläft ein Neugeborenes im Durchschnitt 16 bis 18 Stunden, die sich auf etwa sechs Schlafphasen verteilen. Dass Babys zwischen den Schlafphasen mehrmals nachts wach werden, ist also völlig normal. Im Alter von etwa drei Monaten haben die meisten einen eigenen Tag-Nacht-Rhythmus entwickelt.

Dass Babys Einschlafprobleme haben, ist nichts Außergewöhnliches. Sie müssen erst lernen, dass es einen Unterschied zwischen Tag und Nacht gibt. Damit Ihr Kind leichter einschläft, können Sie zunächst einmal dafür sorgen, dass der Tag und vor allem der Abend nicht allzu hektisch verlaufen. Beruhigen Sie Ihr Kind kurz vor dem Zubettgehen. Einschlafrituale sowie immer wiederkehrende Abläufe sorgen für Entspannung. Darüber hinaus ist ein gutes und sicheres Schlafumfeld mit einer Raumtemperatur von 16 bis 18 Grad ideal. 


jedes baby hat auch eigene beruhigungsstrategien

Wenn Kinder müde sind, senden sie oft Zeichen – auch das gehört zur Selbstregulation des Babys. Gelingt es Ihnen, Ihrem Kind zu helfen, sich selbst zu beruhigen, kann dies auch zu einer längeren Schlafphase führen.

Anzeichen für den nötigen Babyschlaf können folgende sein:
 
  • Wenn ein Baby müde ist, nicht mehr spielen möchte, wendet es sich ab und dreht den Kopf zur Seite. Manchmal starrt es dann auch ins Leere. 
  • Das Baby zieht die Beine an und führt die Füße zueinander oder stemmt die Füße gegen den Körper des Gegenübers.
  • Das Baby führt die Hände zum Mund, um daran zu saugen. 

babys trennungsangst – wie körperkontakt und geborgenheit helfen können

Insbesondere im ersten Lebensjahr leiden Kinder unter Trennungsangst und brauchen die absolute Gewissheit, dass sie nicht allein sind, sondern immer eine Bezugsperson um sich haben. Trotzdem müssen schon Säuglinge die Chance bekommen zu lernen, sich selbst zu beruhigen und von alleine einzuschlafen. Wenn das Kind allerdings laut und lange schreit, wird es nicht von selbst einschlafen – außer vor Entkräftung. Stellt sich der Babyschlaf nicht ein, braucht der Säugling Ihre Nähe, Körperkontakt schafft Geborgenheit. 

babys können so laut wie ein düsenjet sein

Wenn ein Säugling schreit, kann das kein Mensch ausblenden – erst recht nicht die Eltern. Babygeschrei kann eine Lautstärke von bis zu 120 Dezibel erreichen: Das entspricht ungefähr dem Krach, den ein Düsenjet macht. Manche Babys lassen sich einfach nicht beruhigen. Oftmals sind sie extrem sensibel, häufig unzufrieden, ihr Schlaf ist empfindlich, und sie haben ein großes Bedürfnis nach Nähe. Diese Kinder werden High-Need-Babys genannt. Sie sind völlig normal und gesund, der Begriff beschreibt also keine Diagnose, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal von Babys und Kindern, die viel fordern. 

wenn das schreien nicht enden will

Anders als bei High-Need-Babys beschreibt das Phänomen Schreikind eine Diagnose. Bei ihnen funktioniert die Selbstregulation nicht. Diese Säuglinge haben anfallsartige Episoden des Schreiens in den ersten sechs Lebensmonaten. Manche Babys können bis zu acht Stunden durchweinen.

Mögliche Ursachen könnten sein: 
 
  • Dreimonatskoliken, 
  • eine Fehlstellung der Halswirbelsäule (KISS-Syndrom), 
  • eine Lebensmittelunverträglichkeit.
  • Eine sogenannte Regulationsstörung ist der häufigste Grund. Das heißt, die Babys haben noch nicht die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen. Sie sind noch nicht in der Lage, die vielen Reize, denen sie tagtäglich ausgesetzt sind, zu verarbeiten. 

immer mit der ruhe

Eltern von Schrei-Babys brauchen starke Nerven und Entlastungsmöglichkeiten. Zunächst sollten krankheitsbedingte Ursachen ausgeschlossen werden. Ist das Baby völlig gesund und schreit trotzdem, sollten Sie sich immer wieder klar machen, dass es das nicht mit Absicht macht. Wichtig ist, dass man ihm Ruhe gibt und selbst versucht, Ruhe zu bewahren. Babysitter oder Oma und Opa können Eltern eine Auszeit verschaffen, damit sie neue Kraft tanken können. Wird die Belastung für die ganze Familie allerdings zu groß, ist es ratsam, eine Schreiambulanz aufzusuchen. Ein kleiner Trost: Die meisten Babys werden nach drei oder vier Monaten deutlich ruhiger. 

ihr baby kann schon so viel: vertrauen sie auf die selbstregulation ihres säuglings

Wer sein Baby genau beobachtet, wird feststellen, dass es schon ganz viel aus sich selbst heraus regulieren kann. Vertrauen Sie den Fähigkeiten Ihres Kindes. Sie können Ihr Baby mit viel Körperkontakt und Geborgenheit, die Sie ihm vermitteln, unterstützen. So überwindet es auch Trennungsangst und findet leichter in einen ruhigen Babyschlaf. Und wenn es dennoch weint, hilft es manchmal, dies anzunehmen und einfach nur für Ihr Kind da zu sein. 
 

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