Geborgenheit schafft Nähe

Neun Monate im warmen Bauch der Mutter – dort fühlt sich das Baby wohl und sicher, und die Mutter-Kind-Bindung ist hier ganz wörtlich zu verstehen: Denn über die Nabelschnur steht der Körper der Mutter mit dem des Kindes in direktem Kontakt. Über diese Verbindung versorgt die Mutter ihr heranwachsendes Kind mit allem, was es braucht. Dann wird das Kind in eine neue Welt hineingeboren, und mit dem Durchtrennen der Nabelschnur wird die enge körperliche Bindung gekappt. Aber bereits ab der ersten Lebensminute beginnt der Aufbau einer neuen Mutter-Kind-Beziehung. Es entwickelt sich eine emotionale Bindung, die im Idealfall ein ganzes Leben lang hält.

Sprechen

Schon während der Schwangerschaft nimmt das ungeborene Kind gewisse Signale aus der Außenwelt wahr. So kann etwa klassische Musik einen beruhigenden Einfluss auf das Baby haben – ob es dadurch auch klüger wird, wie oft behauptet, wird von Experten unterschiedlich beantwortet.

Auch wenn sich die Mama mit dem Papa oder anderen Menschen unterhält, wirkt sich das auf das Kind im Mutterleib aus. Das Baby versteht zwar kein einziges Wort, gewöhnt sich aber dennoch bereits im Mutterleib an den Rhythmus und die Melodie der Sprache seiner Mutter. Dass die Mutter mit ihrem Sprössling spricht, und vor allem, wie sie mit ihm spricht, spielt auch in den weiteren Lebensjahren eine sehr wichtige Rolle beim Aufbau einer starken emotionalen Mutter-Kind-Bindung. Den Sinn der Worte begreifen die kleinen Erdenbürger zwar erst nach und nach, jedes Kind hat dabei sein eigenes Tempo. Viel wichtiger als der Inhalt der Worte ist aber: „Der Ton macht die Musik!“ Ist der zu laut, zu hektisch oder gar aggressiv, dann ist das kein gutes Fundament für eine gute Mutter-Kind-Beziehung. Besser ist es, die Kleinen ruhig, freundlich und in einer gemäßigten Lautstärke anzusprechen. Das schafft Vertrauen und festigt die emotionale Bindung.

Streicheln

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Stabile Vertrauensbasis: Nicht nur die Worte, auch die Hände einer Mutter spielen eine wichtige Rolle beim Aufbau der Mutter-Kind-Beziehung. Dass Mama ihr Baby nach der Geburt so früh wie möglich körperlich berührt und ihm sanft und zärtlich über den Kopf streichelt, geschieht ganz instinktiv. Das Baby empfindet diese liebevolle Zuwendung als sehr angenehm.

Auch in den weiteren Lebensjahren sind die mütterlichen Streicheleinheiten sehr wichtig für den Aufbau einer engen emotionalen Bindung. Denn die sanfte Berührung der warmen Hände der Mutter gibt dem Kind Geborgenheit und Sicherheit. Andererseits erfüllt es auch die Mutter mit Zufriedenheit, wenn sie ihr Kind durch Streicheleinheiten beruhigen kann, etwa, wenn es dann entspannt einschläft.

Stillen

Muttermilch ist in den ersten Lebensmonaten die beste Nahrung für das Kind. Aber neben der körperlichen Ernährung sollte man den Aspekt der emotionalen Bindung nicht unterschätzen: Das Nuckeln an der Mutterbrust baut eine starke Mutter-Kind-Bindung auf. Die weiche Brust, die Körperwärme und der Geruch der Mutter tragen wesentlich dazu bei, dass das Baby fühlt: „Hier gehöre ich hin, hier fühle ich mich wohl, hier bin ich geborgen und beschützt.“ So wird durch das Stillen in den ersten Lebensmonaten ein weiteres Glied in der sanften Kette der Mutter-Kind-Bindung geschmiedet.

Schmusen

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Das Stillen ist nach wenigen Monaten vorbei, aber Schmusen kann die Mutter noch viele weitere Jahre mit ihrem Kind. Wange an Wange oder Ohr auf Bauch: Der direkte Hautkontakt zwischen Mutter und Kind ist gar nicht hoch genug einzuschätzen und stärkt die Mutter-Kind-Beziehung enorm! Ob beim Waschen oder beim Baden, beim Ankleiden oder beim Ins-Bett-Bringen – eine Gelegenheit zum Schmusen findet sich immer. Später ergreift dann oft das Kind die Initiative. Wenn Mama und Papa am Wochenende ausschlafen können, krabbelt das kleine Familienmitglied morgens ins elterliche Bett, um sich dort seine Schmuseeinheiten abzuholen. Vieles Schmusen festigt die Vater- und Mutter-Kind-Bindung für später.

Blick in die Zukunft

Innige Momente sollte man nutzen, wann immer sie sich bieten. Denn irgendwann werden die Kinder flügge. Spätestens in der Pubertät erfolgt die „zweite Abnabelung“. Erst dann zeigt sich, wie stark die emotionale Bindung ist, die bereits ab dem ersten Lebenstag zwischen Mutter und Kind geknüpft wurde.

Hilfe bei Anfangsschwierigkeiten

„Sichere Bindung“ nennen Experten die frühe Erfahrung, mit der das Neugeborene von liebevollen Eltern seelisch ausgerüstet wird. Sie gibt dem Kind emotionale Sicherheit für sein ganzes Leben und stellt die Weichen für eine starke Mutter-Kind-Beziehung. Doch es ist nicht immer leicht, die Signale zu entschlüsseln: Ein exzessiv schreiendes, schlecht schlafendes oder schwierig zu fütterndes Baby kann seine Eltern an den Rand der Belastbarkeit bringen. Dann ist es gut, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, damit sich keine negativen Erfahrungen im Säuglings- und Kleinkindalter einprägen und das weitere Leben beeinflussen.

  • „Von Anfang an.“ ist eine solche Beratung, die im interdisziplinärem Team Eltern berät, bevor aus einem kleinen Problem ein großes wird, dass die Vater- oder Mutter-Kind-Beziehung negativ belastet.
  • Der gemeinnützige Verein „Von Anfang an. e.V.“ in Hamburg unterstützt durch Spenden die Beratungen, damit allen Eltern ermöglicht wird, Hilfe in Anspruch zu nehmen (Tel. 040 / 27 88 08 86).
  • Auch das Projekt „SAFE Sichere Ausbildung für Eltern“ der Münchner Kinder- und Poliklinik im Dr. Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilian-Universität ist ein Programm, das eine sichere, emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind vor und nach der Geburt fördert (Tel. 089 / 5160-3705).