Wissenschaftler haben in den letzten Jahren viel Neues über die Entwicklung im Mutterleib und Lebenswelt von Ungeborenen herausgefunden. Im Babybauch kommt deutlich mehr aus der Umwelt an. Der Amerikaner Dr. David Chamberlain fasst das so zusammen: „Alles deutet darauf hin, dass sich die Sinne des Babys früher entwickeln, als wir uns je vorstellen konnten.“

Lebendige Entwicklung: Baby im Bauch hautnah dabei

Früher glaubte man, die Plazenta sei eine Barriere, die gegen alles schütze. Gegen das, was in der Außenwelt vor sich geht und sogar gegen das, was in der Mutter vorgehe. Doch: „Die Plazenta ist kein Filter, der alles „Schlechte“ zurückhält und die Gebärmutter kein isolierter Raum, der den Fötus von allen äußeren Einflüssen abschirmt“, so Dr. Ludwig Janus, Psychoanalytiker und ärztlicher Psychotherapeut. Die Plazenta ist ganz im Gegenteil ein Übertragungsorgan, für wichtige Nährstoffe, aber auch prägende Gefühle während der Entwicklung im Mutterleib.

Wie sie das macht? Ganz einfach: Emotionale Ereignisse bewirken Hormonausschüttungen. Sie heißen Cortisol oder Endorphine. Erstere werden auch als „Stresshormone“ bezeichnet, die etwa bei Angst und Stress ausgeschüttet werden, letztere sind die entspannenden „Glückshormone“. Wichtig für Schwangere ist, dass beide „plazenta-gängig“ sind. Sie gelangen in den fötalen Organismus und wirken also direkt auf die Entwicklung des Kindes im Mutterleib ein.

Bildhaft gesprochen heißt das, Baby schwimmt in Biochemie und reagiert sofort auf dessen positive oder negative Veränderung, je nachdem wie es Mama geht. Es isst, trinkt und raucht also nicht nur in seiner Entwicklung im Mutterleib mit, was es am Fruchtwasser und dessen Temperatur schmecken kann. Es liebt und leidet auch mit. Wenn etwa Mamas Puls stressbedingt ansteigt, dann klopft auch sein Herz schneller.

Das ist nachvollziehbar, denn das Gehirn mit seinen Millionen Zellen entwickelt sich frühzeitig. Es kann bereits in der Embryonalphase Informationen aufnehmen und verarbeiten. Neu in der Entwicklung des Kindes im Mutterleib ab dem 25. Tag ist die Entstehung der Sinnesorgane, das zentrale Nervensystem ist in der 5. Schwangerschaftswoche zu ersten Reaktionen fähig. In der fötalen Phase reifen Motorik und Reaktionsmöglichkeit. Mama spürt das etwa ab der 19./20. Woche. Die pränatale Beziehung mit dem Bauch wird „aktiver“.

Gehör-Entwicklung: Baby im Bauch sortiert Stimmen

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Beeindruckend ist die Entwicklung des Kindes im Mutterleib bezüglich bekannter Stimmen. Denn das Baby lernt sehr schnell alltägliche Geräusche wahrzunehmen und als vertraut einzustufen. Während seiner Entwicklung im Mutterleib unterscheidet es die Stimmen der Eltern und anderer, mit denen es täglich „zu tun“ hat. Dass Babys Stimmen nach der Geburt „wiedererkennen“, gehört zu jenen vielfältigen Hörerfahrungen, die immer wieder beeindrucken. Die kanadische Wissenschaftlerin Barbara Kisilewsky konnte feststellen, dass die Stimme der Mutter die Pulsfrequenz des Ungeborenen ansteigen und die Stimme einer Unbekannten absenken ließ.

Musikalische Entwicklung: Baby im Bauch tanzt mit

Babys erkennen und mögen Musik. Molltonarten beruhigen Baby, Durtonarten beleben es. Heimlicher Föten-Charts-Stürmer ist dabei Mozart, selbst wenn Mama lieber Maffay hört. Instrumente gewinnen gegenüber Elektronik, der Takt im Herzschlag vor Hardrock-Rhythmen.

Wichtigster Lerneffekt bei der Entwicklung des Kindes im Mutterleib: Musik kann Stimmungen erzeugen und verändern, macht fröhlich oder eher gereizt. Dabei sind die ersten Stimmungen, die Baby spürt, hört und erfährt, die seiner Mutter – und das schon lange vor der Geburt. Oder wie Gerald Hüther und Inge Krens es beschreiben: „ Das ganze Leben ist eine Entdeckungsreise. Vieles (…) spricht dafür, dass wir den spannendsten und aufregendsten Teil dieser Reise bereits hinter uns haben, wenn wir auf die Welt kommen.“

Sinnes-Entwicklung von Baby im Bauch

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 Fühlen

Schon in der 6. Schwangerschaftswoche nach der Zeugung kann Baby eine Berührung der Lippen fühlen. Die Berührungsempfindlichkeit dehnt sich im Laufe seiner Entwicklung als Baby im Bauch auf seinen ganzen Körper aus. Bald kann es auch Temperaturunterschiede spüren.

Sehen

In der 16. Woche kann Baby erstmals seine Augen bewegen. Inwieweit es dann schon „sehen“ kann, ist noch nicht ganz erforscht. Untersuchungen zur Entwicklung des Kindes im Mutterleib haben aber gezeigt, dass Föten reagieren, wenn man eine Taschenlampe direkt auf den Bauch richtet. Ab der 24. Woche beginnt Baby, seine Augen zu öffnen.

Hören

Das Innenohr, angelegt Ende der 1. Woche, ist nach dem 5. Monat ausgebildet. Obgleich Geräusche von außerhalb des Mutterleibs nur sehr gedämpft ankommen; ab dem 7. Monat kann Baby bereits Tonhöhen und Sprachrhythmen unterscheiden. Auch, ob Papa mit ihm spricht!


Schmecken

Im 6. Schwangerschaftsmonat setzt der Geschmackssinn ein. Baby registriert, wie sich die Aromen und Geschmacksvarianten des Fruchtwassers im Tagesverlauf verändern. Gegen Ende der Schwangerschaft trinkt Baby fast einen halben Liter täglich – und scheidet es auch wieder aus. Mütter prägen durch das, was sie essen, die Vorlieben ihrer Kinder. Die Geschmacks-Entwicklung im Mutterleib wird später durch das Stillen weiter geprägt.

Riechen

Bei dieser Entwicklung im Mutterleib gehen Wissenschaftler davon aus, dass das Baby ab der 28. Woche in der flüssigen Umgebung zwar riechen, dies aber nicht von dem geschmeckten Eindruck unterscheiden kann. Kurz nach der Geburt ist der Geruchssinn gleich wichtig – Baby erkennt die Brustwarzen am Geruch der Muttermilch.

Expertentipp: „Fötal Programming“

„Negative Emotionen und Stress der schwangeren Frau können nachhaltig die Entwicklung des Kindes im Mutterleib und nach der Geburt ungünstig beeinflussen, was als „fötal Programming“ bezeichnet wird. Um positive Weichen für das Baby bereits im Mutterleib zu stellen, ist eine entspannende und lebensbejahende Lebensführung der Mutter wichtig. Das Erlernen von Entspannungstechniken, die Gestaltung positiver Alltagserlebnisse und ein gezieltes Genusstraining während der Schwangerschaft führen nicht nur zu glücklichen Müttern, sondern auch zu gesunden und zufriedenen Kindern.“

Professor Dr. Wolf-Dieter Gerber,
Psychotherapeut und Direktor des Instituts
für medizinische Psychologie der Univer-
sität Kiel zur „Entwicklung Baby im Bauch“

Bildnachweis: Fotos: Cathy Yeulet (2),
Adam Borkowski – 123rf

Entwicklung des Babys im Mutterleib, Professor Dr. Wolf-Dieter Gerber