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Alltagsdrogen

Experten-Interview: Rauchen in der Schwangerschaft

Wie gefährlich ist Rauchen in der Schwangerschaft? Und bekommt das Baby im Bauch Entzugserscheinungen, wenn man auf Zigaretten verzichtet? Antworten darauf gibt der Gynäkologe Rolf Englisch im Interview.

Interview Rauchen in der Schwangerschaft

Ines Mickler hat viele Jahre Zigaretten geraucht. Als sie wusste, dass sie schwanger war, hörte sie sofort damit auf. Wie schwer ihr das fiel, wie sie es schaffte und warum das so wichtig ist, erläutern sie und der Gynäkologe Rolf Englisch. 

In welchem Alter haben Sie mit dem Rauchen angefangen?

Ines Mickler: Mit 16. Zwischendurch gab es zwar auch mal Zeiten, in denen ich aufgehört habe. Wirklich losgekommen bin ich aber nie vom Nikotin. Die Verlockungen auf Partys oder in sehr stressigen Phasen waren einfach zu groß. Ich bin immer wieder rückfällig geworden.

Wie viele Zigaretten haben Sie durchschnittlich geraucht?

Ines Mickler: Das waren zwischen zehn und 15 am Tag. Manchmal auch mehr.

Und dann wurden Sie schwanger ...

Ines Mickler: Ich habe den Test gemacht und ein paar Tage später hatte ich die Bestätigung vom Frauenarzt. Daraufhin habe ich sofort mit dem Rauchen aufgehört und während Schwangerschaft und Stillzeit auch nicht mehr angefangen

Wie waren die ersten Tage?

Ines Mickler: Ich habe mehrmals täglich ans Rauchen gedacht. Gerade zu Beginn der Schwangerschaft war das hart, weil ich körperlich noch nichts von den Veränderungen bemerkte. Gleichzeitig wusste ich aber, dass mein Baby heranwächst. Die Vorfreude auf das Kind war einfach viel stärker als die Sucht, und ich wollte kein Risiko eingehen. So habe ich es geschafft, rauchfrei durchzuhalten. Auch wenn es mir zwischendurch manchmal sehr schwergefallen ist.

Herr Dr. Englisch, erleben Sie diese Art der Entwöhnung im Praxisalltag öfter?

Dr. Rolf Englisch: Das kommt auf jeden Fall häufiger vor. Gerade schwangere Frauen können sehr stark sein und eine enorme Willenskraft aufbringen. Richtig und wichtig ist der konsequente Verzicht auf das Rauchen in der Schwangerschaft.

Warum ist Nikotin so gefährlich für das Ungeborene?

Dr. Rolf Englisch: Der Konsum von Nikotin führt unter anderem dazu, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen und in der Folge der Mutterkuchen nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Problemtisch ist das Rauchen besonders in den letzten Wochen einer Schwangerschaft. Hier wachsen die Babys relativ stark und nehmen Gewicht zu. Wenn dann die Versorgung mit Nährstoffen durch die mangelnde Durchblutung des Mutterkuchens beeinträchtigt ist, wird das Wachstum gehemmt. Mit jeder Zigarette wird ein Kind mickriger. Die gesunde Entwicklung wird gehemmt – das ist eine traurige Wahrheit. Und auch nach der Geburt können viele Probleme für das Kind auftreten. Das Risiko für Allergien und Asthma steigt zum Beispiel deutlich an.

Man hört häufig, dass rauchende Schwangere nicht sofort aufhören, weil sie glauben, dass ihr Baby dann von Entzugserscheinungen betroffen ist.

Dr. Rolf Englisch: Diese Sorge ist völlig unbegründet und aus meiner Sicht nur eine Rechtfertigung dafür, nicht sofort aufzuhören. Von den Entzugserscheinungen des Körpers der Mutter bekommt das Baby nichts mit. Bei rauchenden Schwangeren zeigen die Kinder nach der Geburt deutliche Entzugserscheinungen – und das ist wirklich kein schöner Start ins Leben.

Gibt es spezielle Behandlungsmethoden für Schwangere, die nicht vom blauen Dunst loskommen?

Dr. Rolf Englisch: Nein. Betroffene sollten ihren Konsum auf ein Minimum reduzieren und sich weitere Hilfen suchen – zum Beispiel in Selbsthilfegruppen.

Man hört immer wieder Sätze wie „Früher ist es doch auch gut gegangen“ oder „ein Schlückchen Sekt ist gar nicht so schlimm“...

Dr. Rolf Englisch: Dem muss ich entschieden widersprechen. Alkohol geht durch den Kreislauf der Mutter direkt in den des Kindes über und kann so verschiedene Probleme verursachen.

Welche können das sein?

Dr. Rolf Englisch: Es können geistige Defizite oder psychische Auffälligkeiten auftreten. Manchmal kommt es noch schlimmer. Dann sprechen wir von einer fetalen Alkoholspektrum-Störung (FASD).

Wodurch ist das gekennzeichnet?

Dr. Rolf Englisch: Es gibt unterschiedliche Ausprägungen. Typisch für betroffene Kinder sind Gesichtsfehlbildungen. Etwa tieferliegende Ohren, weiter auseinanderliegende Augen oder sehr breiten Nasen. Darüber hinaus spricht das kindliche Gehirn viel stärker auf Alkohol an – beim Ungeborenen sterben viel mehr Gehirnzellen ab als bei Erwachsenen. Die Folgen begleiten die Kinder ein Leben lang. Deswegen sollten alle Frauen, sobald sie von ihrer Schwangerschaft wissen, kein Nikotin und keinen Alkohol zu sich nehmen. Für beide Drogen gilt: null Toleranz.

Frau Mickler, haben Sie die Nikotin-Abstinenz durchgehalten?

Ines Mickler: Leider nein. Inzwischen rauche ich nur noch gelegentlich. Während meiner zweiten Schwangerschaft habe ich aber wieder komplett darauf verzichtet. Das zeigt: Ich kann ohne – daran muss ich nur konsequent arbeiten.

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