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Faszien

"Wir sollten das Verknuspern verhindern!"

Faszien sind das Bindegewebe, das unseren gesamten Körper durchzieht. Sie umhüllen jeden Muskel, jeden Nerv, jedes Organ und sind wie ein großes Netzwerk miteinander verbunden. Durch Bewegung hält man sie geschmeidig. Denn wenn sie verkleben, können Schmerzen auftreten. Interview mit Dr. Robert Schleip von der Universität Ulm, dem bekanntesten Faszien-Experten Deutschlands. Das Gespräch führte Kirsten Lehmkuhl.

Dr. Robert Schleip

Dr. Robert Schleip

Wie muss man sich die Faszien vorstellen?

Wie eine Hülle, die jeden Muskel, jedes Organ, jeden Nerv umschließt. Diese Hülle ist durchsichtig bis milchig weiß.

Eine Art „Verpackung“?

So kann man sich das vorstellen. Die Leber zum Beispiel ist das Organ, die Faszien sind der Beutel drumherum. Auch Dick- und Dünndarm sind umschlungen von glatten Muskelschichten, dazwischen und drumherum befindet sich faseriges Bindegewebe: Faszien.

Faszien haben viel mehr Aufgaben, als man früher annahm …

Genau so ist es. Nehmen wir den Ischias-Nerv.: Auch er ist von Faszien umhüllt. Wenn dieser durch mangelnde Bewegung spröde wird und verfilzt, kann der Nerv darin nicht frei gleiten. Er verhakt sich sozusagen in der Faszien-Hülle. Schmerzen sind die Folge. Wir wissen heute, dass bei Ischias-Beschwerden meist nicht der Nerv entzündet ist. Es ist vielmehr die Faszien-Hülle um den Nerv herum, die verklebt und Probleme hervorruft. Man muss wissen, dass Faszien mit Sinnesrezeptoren bestückt sind. Und zwar in einem solchen Umfang, dass sie dem Sehen oder Hören an Reichhaltigkeit und Komplexität nicht nachstehen.

Was bedeutet das konkret?

Das ist zum Beispiel sehr spannend beim Thema Rückenschmerz. 80 Prozent der Rückenschmerzen haben mit den Bandscheiben nichts zu tun. Man bekommt immer klarere Hinweise darauf, dass ein beträchtlicher Teil von unspezifischen Rückenschmerzen aus der Lenden-Faszie kommt. Die Lenden-Faszie und auch andere Faszien haben freie Nervenendigungen, die speziell darauf warten, dem Gehirn Schmerz zu signalisieren.

Stimmt es, dass sich Schlafmangel negativ auf die Faszien auswirkt?

Chronischer Schlafmangel kann zusätzlich zu einem Wachstumshormonmangel führen, der für die Faszien besonders nachteilig ist. Ein solches Wachstumshormondefizit ist für die Faszien weitaus schädlicher als zum Beispiel für die Muskulatur.

Es heißt: „Wer sich nicht bewegt, verklebt.“ Soll jetzt jeder Faszien-Training machen?

Man soll nicht nur, man muss sogar. In jungen Jahren kann man es sich vielleicht leisten, die Faszien mal ein paar Monate zu vernachlässigen, ohne dafür allzu sehr bestraft zu werden. Aber je älter man wird, um so wichtiger ist ein regelmäßiges Training. Faszien müssen elastisch gehalten werden. Nicht zuletzt, weil mit dem Alter das Bindegewebe zunehmend spröder wird.

Woran liegt das?

Der Wassergehalt in den Faszien nimmt etwas ab. Je älter man wird, um so mehr Kristalle bilden sich im Bindegewebe. Wir werden sozusagen knuspriger - und das muss man in jedem Fall verhindern, wenn man älter wird.

Gilt Ihre Empfehlung wirklich für jedes Alter?

Wir wollen jetzt nicht, dass die Leute in den Seniorenheimen anfangen, Gummitwist zu spielen. Bewegen aber sollten sie sich schon, ein paar Minuten Faszien-Training pro Woche reichen. Natürlich sollten sie vorsichtig sein, um keine Verletzungen zu riskieren.

Man braucht Geduld, um erste Ergebnisse zu sehen?

Muskeln wachsen relativ schnell, man stellt schon nach ein paar Wochen eine Veränderung fest. Faszien-Training im Allgemeinen, aber speziell auch bei älteren Menschen, wirkt sich langsam aus. Man muss Monate warten, bis man Erfolge sieht, im Schnitt drei bis sechs Monate. Das sollte aber niemanden abhalten, der beweglich bleiben will.

Fitness für die Faszien: Übungen für jedes Alter

Yoga, Hüpfen, auch Seilspringen sowie federnde Bewegungen eigen sich, um die Faszien in Schwung zu bringen. Lassen Sie sich am Anfang in einem speziellen Kurs oder von einem Trainer die richtigen Übungen zeigen.

Hier sind schon mal zwei sehr einfache:

  1. Aufrecht hinstellen, Füße stehen hüftbreit nebeneinander. Langsam, Wirbel für Wirbel, nach vorn-unten beugen – so weit es geht. Ziel ist, dass die Hände möglichst den Boden berühren. Am untersten Punkt 3 x elastisch federn. Dann langsam Wirbel für Wirbel wieder aufrichten. 10 x wiederholen.
     
  2. Auf dem Boden sitzend die Beine gerade nach vorn ausstrecken. Hände auf die Schienbeine legen. Nun Hände langsam abwechselnd sanft Richtung Fuß schieben, wobei der Oberkörper nach vorn gebeugt wird. Tut den Rücken-Faszien gut. 10 x auf jeder Seite.
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