sabbatical

Sabbatical – Auszeit vom Alltag und Reise zu dir selbst

„Ich brauche unbedingt mal eine Auszeit!“ – kommt dir das bekannt vor? So geht es jedenfalls vielen Menschen, vor allem Arbeitnehmern. Einfach mal raus aus dem Alltagstrott, etwas anderes sehen, neue Eindrücke gewinnen, reisen, etwas für sich und sein Leben tun. Inzwischen ermöglichen zahlreiche Arbeitgeber ihren Mitarbeitern ein sogenanntes Sabbatical, eine kürzere oder längere Auszeit vom Job ohne Kündigung. Ein Sabbatical bietet dir unendliche Chancen – aber auch einige Risiken, die im Vorfeld gut abgewogen werden sollten.
 

was ist ein sabbatical und wer kann es machen?

Der Begriff stammt aus dem Hebräischen šabat und bedeutet so viel wie ‚innehalten‘. Eine alternative Interpretation ist die Herkunft vom hebräischen Wort šeba, ‚sieben‘. Demnach wurde nach sechs Jahren Ackerland-Bewirtschaftung im siebten Jahr ein Ruhejahr eingelegt. Heute steht ein Sabbatjahr – oder Englisch Sabbatical – für eine drei- bis zwölfmonatige Unterbrechung vom Arbeitsleben

Theoretisch ist es jedem Arbeitnehmer möglich, ein Sabbatical oder Sabbatjahr zu machen. Laut Arbeitsrecht besteht im Allgemeinen für Arbeitnehmer kein Anspruch auf eine längere Auszeit. Einen gesetzlichen Anspruch haben nur Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Tatsächlich ist das System Sabbatical noch nicht bei jedem Arbeitgeber angekommen. Planst du diese Auszeit, stell dich darauf ein, dass du deinen Arbeitgeber als Allererstes danach fragst und er noch nie davon gehört hat. Für den Fall ist es immer gut, durchdachte Argumente parat zu haben. Idealerweise steht eine Regelung für eine längere Abwesenheit bereits im Arbeitsvertrag.
 

argumente für ein sabbatical

Wenn du deinen Chef davon überzeugen möchtest, ein Sabbatical zu genehmigen, ist es immer gut, darauf zu verweisen, dass du am Ende der Zeit mit viel mehr Kraft, Power und Kreativität zurückkehren wirst. Und auch gesünder, da so ein Jahr dich auch physisch und psychisch stärken wird.

Ein überzeugendes Argument ist natürlich auch, dass dein Arbeitgeber auch ohne eine Kündigung in dieser Zeit Kosten spart. Denn ein Sabbatical bedeutet für dich immer auch Lohnverzicht. Bei einigen Modellen kannst du deine Auszeit so gestalten, dass du nicht ganz ohne Verdienst dastehst.

Private Gründe für ein Sabbatical werden häufig auch vom Arbeitgeber anerkannt, zum Beispiel Umbauten oder Renovierungen in deinem Zuhause, wenn du dich akut um ein Familienmitglied kümmern musst oder mehr Zeit für dein Kind oder deine Kinder in einer wichtigen Entwicklungsphase brauchst.
 

diese modelle für ein sabbatjahr gibt es

Modernen Arbeitgebern ist Sabbatical kein Fremdwort. Besonders in kleinen Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern ist aber die Umsetzung schwierig. Kleine Firmen und Familienunternehmen sind auf die Arbeitskraft jedes einzelnen Mitarbeiters angewiesen und können eine lange Auszeit nicht ohne Weiteres kompensieren. Selbst bei einer unbezahlten Freistellung brauchen sie in der Regel Ersatz, um die Arbeit zu schaffen – und der ist unter Umständen nicht so schnell gefunden. Grundsätzlich gibt es diese verschiedenen Modelle für ein Sabbatical:
 
  • Ruhendes Arbeitsverhältnis: Dieses basiert auf einer unbezahlten Freistellung ohne Kündigung. Die Dauer des Sabbaticals ist variabel. Der Vorteil für deinen Arbeitgeber: Du kostest ihn während dieser Zeit nichts. Deine Vorteile: Du hast deinen Job sicher – allerdings ist ein großer Nachteil, dass du bei diesem Modell nichts verdienst und deine Kranken- und Pflegeversicherung sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung selbst zahlen musst. Das geht ins Geld.
  • Sonderurlaub: Ein bis zu vier Wochen dauerndes Sabbatical kann über eine Sonderurlaubsregelung genehmigt werden. In dieser Zeit übernimmt dein Arbeitgeber weiterhin deine Sozialversicherungsbeiträge. Auf ein Gehalt verzichtest du dafür in dieser Zeit. In Kombination mit deinem Jahresurlaub lässt sich das Sabbatical mit Sonderurlaub auf zwei Monate ausdehnen. 
  • Lohnverzicht: Diese Methode ist die häufigste, erfordert aber auch ein gewisses Maß an Planung und Vorbereitungszeit. Du kannst zum Beispiel sechs Jahre lang bei voller Arbeitszeit nur sechs Siebtel deines Gehalts beziehen, das verbleibende Siebtel wird angespart. In einem Jahr Auszeit werden dir dann die angesparten sechs Siebtel monatlich weitergezahlt. Dein Versicherungsschutz bleibt bestehen.
  • Teilzeitmodell: Etwas weniger Vorlauf erfordert dieses Modell, trotzdem braucht es eine Ansparphase. Im Vorfeld des Sabbaticals wird die Arbeitszeit auf Teilzeit umgestellt. Trotzdem arbeitest du weiterhin in Vollzeit – für das halbe Gehalt. Dieses bekommst du dann aber auch in der Freistellungsphase weitergezahlt.
  • Arbeitszeitguthaben: „Überstunden abbummeln“ – hier direkt viele auf einmal. Wenn dein Arbeitgeber es genehmigt, kannst du über mehrere Jahre Überstunden ansparen und auf einen Schlag nehmen. Voraussetzung ist eine reelle Arbeitszeiterfassung, in der die Überstunden auch nachweisbar sind. Dein Gehalt wird fortgezahlt, Versicherungen laufen wie gehabt weiter.
  • Zeitwertguthaben: Bei diesem Modell weitest du dein Überstundenkonto aus, indem du nicht genommenen Urlaub, Weihnachtsgeld oder sonstige Boni anrechnest, die du angespart hast. Dazu braucht es ein Langzeit- beziehungsweise Lebensarbeitszeitkonto, und die Variante des Ansparens sollte im Arbeitsvertrag geregelt sein. Die Sozialversicherung bleibt in diesem Zeitraum bestehen.
 

das kostet dein sabbatical

Je nachdem, welches Modell du in Absprache mit deinem Arbeitgeber wählst, musst du unter Umständen deine Kranken- und Pflegeversicherung sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung selbst zahlen. Hier landest du schnell bei einigen Hundert Euro – pro Monat! Auch deine sonstigen Kosten laufen in der Regel weiter, so wie deine Miete oder Versicherungen. Möchtest du zum Beispiel ein Jahr im Ausland verbringen, kannst du deine Wohnung in der Zwischenzeit untervermieten, wenn dein Vermieter zustimmt.

Erspartes für die laufenden Kosten zu nehmen ist eine gängige Methode. Neben Versicherungen oder Hypotheken sollten hier zum Beispiel außerplanmäßige Reparaturen oder Anschaffungen bedacht werden. Auto oder Waschmaschine gehen bekanntlich dann kaputt, wenn man es nicht gebrauchen kann. Verbringst du dein Sabbatical daheim, können deine Energie- und Telefonkosten ansteigen. Sei bei der Berechnung am besten nicht zu sparsam und plane dir am Ende einen Puffer von rund 20 Prozent ein. So gehst du auf Nummer sicher.
 

sabbatical-ideen: so kannst du deine auszeit nutzen

Du willst es wirklich tun, hast einen Schlachtplan geschmiedet, wie du deinen Arbeitgeber überzeugst und brauchst nur noch die zündende Idee? Hier sind deiner Fantasie kaum Grenzen gesetzt – natürlich immer unter Beachtung deiner persönlichen Umstände und finanziellen Möglichkeiten. Wenn du die Auszeit nicht für dich alleine nutzen willst, bezieh deine Familie oder deinen Partner mit ein.
  • Persönliche Regeneration: Enorm viel Stress, anstrengende Arbeitsbedingungen und chronische Überbelastung sind in deutschen Betrieben leider keine Seltenheit. Die Folge kann ein Burnout sein. Am besten ziehst du rechtzeitig die Reißleine und nimmst eine berufliche Auszeit, bevor dir Schaden an Körper und Geist entsteht. Es muss nicht gleich ein Jahr sein, manchmal reichen ein paar Wochen oder Monate, um zur Ruhe zu kommen.
  • Entschleunigung und Erholung: Yoga, Meditation, Kloster, Wallfahrt – oder wie wäre es mit dem Jakobsweg? Oder mal eine ganz andere Lebensweise unter Mönchen oder Nonnen ausprobieren? Das erfordert eine Menge Selbstdisziplin und in der Regel auch Verzicht. Darauf musst du dich einlassen wollen und die dortigen Regeln akzeptieren und mitleben.
  • Weiterbildung: Du wolltest schon immer eine Fremdsprache lernen, Hundetrainer/in werden oder dir Kenntnisse in einem speziellen Bereich aneignen, zum Beispiel Programmierung? Während einer Unterbrechung deines Berufsalltags kannst du dich voll auf eine neue Leidenschaft konzentrieren und mit großen Schritten vorankommen.
  • Elternzeit: Möchtet ihr euch als Paar mehr als es die Elternzeit zulässt (https://www.arbeitsrechte.de/elternzeit-gleichzeitig-nehmen) um den Familienzuwachs kümmern und diese intensive Zeit zu dritt erleben, bietet ein Sabbatical dazu die Möglichkeit.
  • Reisen oder Leben im Ausland: Vielleicht hattest du ja bislang in deinem Leben noch nicht viele Gelegenheiten zu reisen. Dann kannst du das in einem Sabbatical nachholen. Ein paar Wochen oder Monate in Thailand, Australien oder Afrika erweitern deinen persönlichen Horizont.
  • Ehrenamtliches Engagement: Tierschutz in Rumänien, freiwillige Hilfe in sozialen Einrichtungen im Ausland oder hierzulande – es gibt unzählige Möglichkeiten. Bist du ein großer Tierfreund oder berühren dich eher Schicksale von Menschen? Hilfsbedürftige und die Organisationen, die sich für sie einsetzen, werden dir deine Hilfe danken. Ob Mensch oder Tier, in Deutschland oder im Ausland.

Auszeit Sabbatical: eine tolle Chance für dich und deinen Horizont

Auch wenn immer mehr Menschen ein Sabbatical machen, ist es nicht für jeden gemacht. Lustlosigkeit oder fehlende Motivation im Job sind nicht unbedingt Gründe für ein Sabbatical – sondern vielleicht für einen Jobwechsel? Hast du aber besondere Lebensträume, die du während deiner Arbeitszeit nicht realisieren kannst oder wirst du familiär dringend gebraucht, dann kann eines der Sabbatical-Modelle genau das Richtige sein. Idealerweise planst du das Sabbatical sorgfältig und behältst vor allem den Punkt Finanzierung gut im Blick. Denn es bringt dir langfristig nichts, wenn du zwar eine Auszeit hattest, hinterher aber deinen Job los und verschuldet bist.
 

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