Liebeskummer

Krank vor Liebeskummer: Wieso uns Herzschmerz in
jedem Alter treffen kann und was dagegen hilft

Wenn die Liebe unerwidert bleibt oder der Partner sich plötzlich trennt, ist der Schmerz groß: Liebeskummer kann jeden treffen. Das seelische Leid verursacht auch körperliche Schmerzen und ähnelt in psychologischer Hinsicht einer Depression. Schön für mich erklärt dir, was wirklich hilft, um den Liebeskummer zu überwinden und die Krise in eine neue Chance zu verwandeln. 
 

trennungsschmerz ist keine frage des alters

Liebeskummer ist ein Gefühl, das nicht nur schwärmende Teenager betrifft. Auch Erwachsene, die mitten im Leben stehen, können sich unglücklich verlieben oder unter einer Trennung so sehr leiden, dass sie sich krank, elend und antriebslos fühlen. Wenn der Liebeskummer intensiv empfunden wird, dann geraten unser Botenstoff-System und unser Hormonsystem aus dem Gleichgewicht. Gesteuert wird dies vorwiegend im Gehirn im Hypothalamus und in der Hypophyse, der psychische Stress wird hier produziert und verarbeitet.
 

wie fühlt sich trennungsschmerz an?

In solch einer Situation leidet nicht nur die Psyche, sondern der ganze Körper: Das Immunsystem ist geschwächt, wir sind anfälliger für Krankheiten, fühlen uns antriebslos, schwermütig und haben weniger Appetit. Wie lange dieser Zustand anhält, ist ganz verschieden. Eine Faustregel, die besagt, dass der Liebeskummer halb so lange anhält wie die Beziehung gedauert hat, mag für manche stimmen, verallgemeinern lässt sie sich aber nicht.
 

welche liebeskummer-phasen gibt es?

►Erste Vorahnungen
►Erstarrung
►Verhandlung oder Aktivismus
►Akzeptanz oder Verzweiflung

den verlust akzeptieren und den trennungsschmerz überwinden – das hilft dir dabei

Die gute Nachricht: Es gibt Tipps und Strategien, um den Liebeskummer hinter sich zu lassen. Auch wenn du gerade sehr leidest, es wird eine Zeit kommen, in der es dir wieder besser geht.

Diese sieben Ratschläge helfen dir dabei
 

•    Lass die Trauer zu

Trauer, Wut und der Verlust des geliebten Menschen im Alltag müssen verarbeitet werden. Dazu gehört es, die Enttäuschung und den Kummer erst einmal zuzulassen und anzunehmen. Ob Lieblingssongs in Dauerschleife hören, literweise Eiscreme löffeln oder mit der besten Freundin reden – was uns dabei hilft, kann ganz verschieden sein. Erst einmal gilt: Du darfst deine Gefühle zeigen und traurig sein. Weinen ist wichtig, der Trennungsschmerz ist real und darf sein. Eine Zurückweisung tut weh. Wer diese Verletzung verdrängt, den holt sie später vielleicht wieder ein – deshalb erlaube es dir, den Kummer zu fühlen und deinen Verlust zu betrauern. 
 

•    Brich den Kontakt ab

So schwer es dir auch fallen mag: Lösche alle Telefonnummern deines Ex-Partners oder deines unerreichbaren Schwarms aus dem Telefonspeicher. Leere deinen WhatsApp-Speicher oder ähnliche Nachrichten. Entfreunde dich mit ihm oder ihr auf Facebook, Instagram und Co. Frage Freunde und Bekannte nicht mehr, wie es ihm oder ihr geht. Ziehe einen Schlussstrich. Den Kontakt abzubrechen ist extrem schmerzhaft. Dieser Schritt macht es dir aber leichter, deinen Schmerz zu verkürzen und eine Trennung zu verarbeiten.
 

•    Nimm Abschied von Erinnerungsstücken

Fotos, Kuscheltiere, Schmuckstücke oder das Lebkuchenherz vom letzten Rummel: Alle Gegenstände, die dich an deinen Ex erinnern, gehören weggeräumt. Trenne dich von Kleidungsstücken, Geschenken und alten Liebesbriefen. Wirf die Dinge weg, wenn du kannst. Fällt dir das zu schwer, räume die Erinnerungsstücke in eine Schachtel und bitte eine gute Freundin, sie für dich aufzubewahren. Räume auch deinen Computer auf: Lösche Bildschirmschoner, Fotos und Dateien, die dich an deinen Ex erinnern. Sind Urlaubsfotos dabei, die du unbedingt behalten möchtest, speichere sie auf einem USB-Stick und lege ihn in die Schachtel, die an einen anderen Ort kommt. Auch wenn eine solche Entsorgungsaktion sehr weh tut, hilft sie dir dabei, den Kopf freizubekommen.
 

•    Lenke dich ab

Gerade wenn du meinst, vor Herzschmerz keinen klaren Gedanken fassen zu können: Ablenkung wird dir helfen. Du kannst dich zum Beispiel um dich selbst kümmern, dich pflegen, gut ernähren, Körper und Geist etwas Gutes tun. Vielen Frauen tut ein Umstyling gut, um auf andere Gedanken zu kommen. Ein neuer Haarschnitt, frisches Make-Up und neue Kleidung helfen dir dabei, auch optisch einen Schlussstrich zu ziehen. Auch eine Reise bringt dich aus dem Grübeln und dem Selbstmitleid heraus. Ob weiter weg oder übers Wochenende in eine andere Stadt ist egal, die Hauptsache ist ein Tapetenwechsel. 

•    Mache Sport

Es muss nicht gleich ein Marathon sein: Bewegung im Allgemeinen hilft uns, Abstand von rotierenden Gedanken zu bekommen. Schon ein Spaziergang an der frischen Luft wirkt Wunder. Raffe dich zu einem leichten Lauf durch den Stadtpark oder den Wald oder zu einem Besuch im Schwimmbad auf. Wenn du gerne tanzt, melde dich zu einem neuen Tanzkurs an, denn Bewegung zur Musik hat viele positive Effekte auf Körper und Geist. Vielleicht möchtest du auch lieber in einem Fitnessstudio schwitzen, beim Yoga zu dir kommen oder dich beim Radfahren oder Inlineskaten auspowern: Jede Form von sportlicher Aktivität wird deinem Körper guttun und dich dabei unterstützen, den Herzschmerz zu überwinden. Außerdem ist Sport super geeignet, um alle Wut auf den Ex-Partner herauszulassen. 
 

•    Lass dir helfen

Eine Trennung zu verarbeiten braucht Zeit und oftmals auch die Hilfe von anderen Personen. Du musst nicht alles alleine schaffen. Wenn du das Gefühl hast, dass es dir körperlich sehr schlecht geht, suche einen Arzt auf. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Liebeskummer sind medizinisch unbestritten: Der Körper steht unter großem Stress, das Immunsystem wird geschwächt. Emotionaler Stress kann zu Depressionen führen. Es gibt sogar eine Krankheit mit dem Namen „Broken Heart Syndrom“, bei der die Gefühle auf das Herz schlagen und ähnliche Symptome wie bei einem Herzinfarkt hervorrufen. Diese Art von Liebeskrankheit ist zwar selten, aber dennoch gilt: Solltest du Atemnot, ein Gefühl von Enge in der Brust und Schmerzen oder Übelkeit verspüren, lass dich lieber bei einem Allgemeinmediziner oder Kardiologen durchchecken.

•    Finde ein neues „Ich“

Denke an alte Wünsche und Träume zurück, die du als Kind hattest. Wolltest du ein bestimmtes Hobby pflegen, eine andere Sprache lernen? Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um diese Dinge auszuprobieren. Ob du Reitstunden nehmen willst, endlich Klavierspielen lernen möchtest oder einen Kochkurs belegen willst – nutze deine frei gewordene Zeit, um diese Pläne in die Tat umzusetzen. Du musst dabei nicht vor Glück strahlen, wenn du noch traurig bist. Mit der Zeit wirst du erkennen: Eine Partnerschaft ist etwas Wunderbares, das Leben hält aber noch viele andere Glücksquellen für dich bereit.

trennungsschmerz zulassen und gegebenenfalls auch hilfe holen

Liebeskummer schmerzt – im Körper geraten Botenstoff- und Hormonsysteme durcheinander. Es herrscht Verzweiflung, das Selbstwertgefühl ist verletzt. Was du jetzt auf keinen Fall tun solltest: auf dumme Gedanken kommen. Du bist jetzt in einer Ausnahmesituation und musst erst einmal wieder zur Ruhe finden, dich selbst und deine Mitte wiederfinden. Wenn du der bist, der sich trennt, versuche, es möglichst fair zu machen und bewahre danach erst einmal Abstand. Wenn du der bist, der verlassen worden ist, versuche, vor allem banale Dinge wie Essen, Schlafen, Bewegung einzuhalten. Und sei dir nicht zu schade, gegebenenfalls bei Freunden oder Psychologen Hilfe zu holen. Auch Eltern sollten bei ihren Kindern vor allem eines tun: zuhören. Und, so banal es auch ist: Es geht vorbei. Es kann eben nur manchmal verdammt lange dauern.
 

interview:
liebeskummer ist die kehrseite des „schönsten und
größten gefühls, das menschen kennen“

Elena-Katharina Sohn ist Expertin für Liebeskummer. Sie ist Therapeutin, Autorin des Bestsellers „Goodbye Herzschmerz“ und führt in Berlin ihre eigene Praxis, in der sie Menschen mit gebrochenem Herzen berät. „Die Liebeskümmerer“ heißt ihre Einrichtung mit einem Team von sieben Mitarbeitern. Schön für mich hat mit Elena-Katharina Sohn über das Phänomen Liebeskummer gesprochen, darüber, wie Männer und Frauen mit dem Schmerz umgehen und welche Schritte nötig sind, um eine traurige Trennung und das Leid von unerwiderter Liebe zu überwinden. 

Schön für mich: Wann trifft uns der Liebeskummer und warum schmerzt dieses Gefühl so sehr?
Elena-Katharina Sohn: Auslöser für Liebeskummer gibt es ganz viele. Die klassische Trennung natürlich. Aber auch eine unerwiderte Liebe, eine schwierige Partnerschaft oder die Tatsache, dass man die Affäre eines vergebenen Menschen ist oder selbst fremdgeht, machen Liebeskummer. Menschen, die sich trennen, haben außerdem auch oft Herzschmerz. Oder die, die sich eine Beziehung wünschen und keine finden. Die Liebe ist für die meisten Menschen das größte und schönste Gefühl, das sie kennen – logisch, dass dessen Kehrseite entsprechend niederschmetternd sein kann.

Schön für mich: Empfinden Männer und Frauen Liebeskummer gleich?
Elena-Katharina Sohn: Jein. Der Schmerz ist der gleiche, aber die Geschlechter gehen sehr unterschiedlich damit um. Das führt häufig zu traurigen Missverständnissen. Die typische Frau mit Liebeskummer redet zwar viel mit ihrer besten Freundin, ihrer Mutter oder einer Arbeitskollegin über den Herzschmerz. Gleichzeitig zieht sie sich aber sehr zurück. Das heißt, man findet sie abends eher zu Hause auf dem Sofa. Der Mann mit Liebeskummer macht das komplette Gegenteil: Er redet in der Regel mit niemandem darüber, stürzt sich aber in Aktivität. Das heißt, er geht mit seinen Jungs schnell wieder ein Bier trinken, er macht Sport, er arbeitet, vielleicht hat er sogar einen One-Night-Stand – doch am Ende geht es ihm genauso schlecht, wie es der Frau auch geht. Wenn aber die Frau nach einer Trennung sieht, dass ihr Ex-Partner schon wieder um die Häuser zieht oder sogar etwas mit einer neuen Frau angefangen hat, dann ist sie der Meinung, „der leidet überhaupt nicht, der hat das schon hinter sich“. Da sage ich: nein, das stimmt nicht.  

Schön für mich: Woran liegt es, dass Männer so schwer über ihren Herzschmerz reden können?
Elena-Katharina Sohn: Ich glaube, das ist die „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“-Mentalität, die immer noch stark verbreitet ist. Dazu kommt, dass Männer Liebeskummer auch als Versagen und als Schwäche empfinden. Es passiert tatsächlich nicht selten, dass ein Mann bei mir in der Praxis sitzt, der schon einige Monate mit seinem Herzschmerz durch die Gegend gelaufen ist und dann zu mir sagt: „Du bist die erste, mit der ich darüber rede.“ Dabei hilft es Männern genauso gut wie Frauen, wenn sie über ihre Erlebnisse und Gefühle reden, das zeigen auch wissenschaftliche Studien. Über den Liebeskummer sprechen hilft dabei, ein neues Selbstkonzept aufzubauen – und zwar Männern wie Frauen.  

Schön für mich: Was ist Ihr SOS-Tipp gegen Liebeskummer?
Elena-Katharina Sohn: Der allererste Tipp ist ein sehr banaler, nämlich: essen, trinken, schlafen. Tatsächlich ist es so, dass vor lauter Liebeskummer diese elementaren Grundbedürfnisse zu kurz kommen, und dann ein Teufelskreis in Gang kommt. Wenn ich aufgrund des Schmerzes nachts nicht mehr schlafen kann oder immer weniger esse, geht es mir dauernd schlechter. Die meisten Menschen denken bei Liebeskummer viel zu viel über den anderen nach – „Was macht er/sie gerade?“, „Wie geht er/sie jetzt damit um?“ sind Gedanken, die den ganzen Tag beherrschen können. Dabei führt der Weg aus dem Liebeskummer nur heraus, wenn ich danach frage, was der Schmerz eigentlich über mich selbst aussagt. „Wie kann ich damit umgehen?“ ist eine Frage, die mich weiterbringt – und nicht das ständige Grübeln über den Ex-Partner.
 
Schön für mich: Gibt es einen speziellen Typ Mensch, der am stärksten von Liebeskummer betroffen ist?
Elena-Katharina Sohn: Wenn man untersucht, welche Menschen unter sehr schwerem Liebeskummer leiden, dann sieht man, dass es diejenigen sind, die sehr viel Lebensglück in ihrem Partner suchen. Menschen, die ihr ganzes Glück nur in der Partnerschaft sehen, sind am Boden zerstört, wenn diese Beziehung in die Brüche geht. Dabei gibt es im Leben auch noch viele andere schöne Dinge: zum Beispiel eine erfüllende Arbeit, Hobbys, Freunde – alles Glücksquellen, die man noch pflegen kann. Da kommen wir dann mit unserer Praxis ins Spiel und helfen den Leuten.  

Schön für mich: Wie groß ist die Hemmschwelle, bei Liebeskummer zum Therapeuten zu gehen?
Elena-Katharina Sohn: Sehr groß! Die Scheu vor einer Therapie versuchen wir dadurch zu umschiffen, dass wir uns „Liebeskümmerer“ nennen. Ich finde es schade, dass es so wenig verbreitet ist, bei Liebeskummer professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kein Mensch würde mit einem gebrochenen Bein unversorgt durch die Gegend humpeln – warum also mit einem gebrochenen Herzen? Viele seelische Leiden, auch Depressionen, haben ihren Ursprung ihn diesen zwischenmenschlichen Themen, die für uns alle wichtig sind. Deshalb sollten wir so etwas unbedingt ernst nehmen. Das Wort Liebeskummer verniedlicht den Schmerz leider, es geht ja oftmals um eine richtige Lebenskrise. Wenn man diese Lebenskrise ernst nimmt und sich konstruktiv mit ihr auseinandersetzt, birgt sie eine Riesenchance, um sich persönlich weiterzuentwickeln.  

Schön für mich: In welchem Alter trifft uns Liebeskummer besonders häufig?
Elena-Katharina Sohn: Da gibt es keine Altersgrenze, wir können mit 14 genauso leiden wie mit 80 Jahren. Ich hatte mal einen Kunden, der war schon weit jenseits der 70. Im Alter kommt zusätzlich zum Liebeskummer noch der Gedanke hinzu: „Habe ich eigentlich die Zeit, um mich noch einmal neu zu verlieben?“

Schön für mich: Wie kann ein Profi helfen?
Elena-Katharina Sohn: Wichtig ist, dass die Betroffenen sich verstanden fühlen. Ich habe die „Liebeskümmerer“ selbst gegründet, weil ich eine sehr schmerzhafte Trennung hinter mir hatte. Insofern weiß ich genau, wie man sich fühlt und was man durchlebt. Ein Profi kann dabei helfen, ein neues Selbstkonzept zu entwickeln. Es geht darum, seine persönlichen Glücksquellen zu finden und zu pflegen.  

Schön für mich: Glauben Sie an die eine große Liebe?
Elena-Katharina Sohn: Nein, ich finde den Gedanken an die einzig wahre Liebe sogar gefährlich. Wenn zwei Menschen sich kennenlernen und mit dieser Erwartungshaltung in eine Beziehung gehen, führt das zu einer unglaublich großen Anspannung. Dann steht ganz viel auf dem Spiel und man legt alles auf die Goldwaage. Ich glaube weniger daran, dass es den einen, passenden Partner gibt, sondern daran, dass man selbst unglaublich viel dafür tun kann, ein glücklicher Partner zu sein. Dass es viel mehr mit einem selbst zu tun hat als mit der Frage, auf wen man trifft.

Schön für mich: Herzlichen Dank für das Gespräch.
 

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