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Digitale Nomaden: frei von Raum und Zeit

Das Bild ist nicht neu. Menschen sitzen mit ihren Laptops auf den Knien und den Kopfhörern ihrer Smartphones im Ohr in Cafés, auf der Wiese im Park oder in Abflughallen und in Zügen – und arbeiten. Die Zeit der festen Büroräume und starren Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr scheinen für viele bereits in weite Ferne gerückt. Sie arbeiten frei, über Zeitzonen und Ländergrenzen hinweg. Ihr Arbeitsort ist dort, wo sie gerade sind. Und ihr Arbeitsmodell ist dank digitaler Medien ortsunabhängig, ihr Lebensstil eine Art Nomadentum. Denn wie einst die Nomaden in der Wüste ziehen auch die Digitalnomaden und Internet-Nomaden durch die Welt, genießen ihre Selbstständigkeit und Freiheit und arbeiten von unterwegs. Ihr Arbeitsplatz ist dort, wo sich ein Internetanschluss befindet – also in der urbanen Welt praktisch überall. Von der reinen Begrifflichkeit bedeutet Digital Native, jemand zu sein, der mit digitalen Technologien vertraut ist, weil er im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist. 
 

Digitaler Nomade: Welche Berufe eignen sich für das Arbeitsmodell eines Digital Nomad?

Oft sind es Menschen in kreativen Berufen, die als Freelancer und digitale Nomaden arbeiten: Fotografen, Autoren, Journalisten, Grafiker, freischaffende Künstler, Übersetzer, Marketing- und Kommunikationsexperten, Webworker wie Webdesigner, Softwareentwickler, Betreiber von Infoportalen und Online-Communitys, Internet-Händler. Doch durch die zunehmende Digitalisierung fast aller Branchen sind Internet-Nomaden immer häufiger anzutreffen. Projektbezogene Arbeiten und Beratertätigkeiten beispielsweise eignen sich ebenfalls als Arbeitsplatz und Arbeitsmodell für Digitalnomaden. 

 

Internet-Nomaden: Musst du dazu ein Digital Native sein?

Nein. Zwar ist der Digital Nomad häufig sehr jung und damit auch ein Digital Native, also jemand, der mit digitalen Techniken, Kanälen, Netzwerken und Plattformen sowie dem World Wide Web ganz selbstverständlich aufgewachsen ist. Doch grundsätzlich gibt es Digitalnomaden in fast jedem Alter. Die meisten sind Schätzungen zufolge zwischen 20 und 40 Jahre alt. Grundvoraussetzung ist das Interesse und die Bereitschaft, sich mit Digitaltechnik auseinanderzusetzen, sich mit ihr auszukennen und sie zu beherrschen. Denn die zusammenfassende Definition für digitale Nomaden lautet: Alle beruflichen Tätigkeiten, die via Telefon, Skype, E-Mail, Computer, Laptop, Tablet, Smartphone, soziale Kanäle und webbasierte Applikationen orts- und oft auch zeitunabhängig erledigt werden können, sind für digitale Nomaden bestens geeignet.

Für das persönliche Gespräch, die Face-to-face-Kommunikation, suchen sich Digitalnomaden häufig Coworking Spaces an. Das sind offene Räume, die sich digitale Nomaden für eine gewisse Zeit mieten und teilen. Sie nutzen die Infrastruktur gemeinsam und profitieren voneinander, weil sie sich austauschen und gemeinsame Projekte anstoßen. So bleiben sie ortsunabhängig. Denn auch die digital vernetzten Arbeitsnomaden haben durchaus das Bedürfnis, sich persönlich zu treffen und auszutauschen. Seit 2014 gibt es dafür alljährlich unter anderem DNX, eine Konferenz und ein Festival für Digitalnomaden. 
 

Was können die Nachteile im Leben eines Digital Nomad sein?

Ortsunabhängig und selbstbestimmt arbeiten, fern vom Heimatland und frei sein, reisen, seinen Feierabend selbst bestimmen, Arbeit, Freizeit, das Kennenlernen fremder Länder und Kulturen miteinander kombinieren: Das Leben der Digitalnomaden hört sich verlockend und exotisch an. Findest du nicht auch? Man sieht den Digital Nomad regelrecht vor dem geistigen Auge in einer Hängematte am Strand liegen statt in einem langweiligen Büro zu hocken. Das ist das Arbeitsmodell der Zukunft? Super, oder?

Natürlich liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte. Keinen festen Arbeitsplatz zu haben, ortsunabhängig zu sein, und als Selbstständiger zudem keinen festen Arbeitsvertrag und daher auch kein festes Einkommen zu haben – das hat durchaus auch Nachteile. Für viele Menschen ist das digitale Nomadentum nur etwas für eine begrenzte Zeit. Wer älter wird, will vielleicht sesshaft werden. Wer eine Familie gründen will, heiraten, Kinder bekommen und vielleicht ein Haus bauen möchte, der benötigt eventuell Sicherheiten wie ein festes Einkommen. Sicherheiten, die ein digitaler Nomade in der Regel, wenn er nicht außergewöhnlich erfolgreich ist, eher nicht hat. Natürlich klingt diese Flexibilität erst einmal verlockend. Die Vermischung von Arbeits- und Privatleben kann Arbeitswissenschaftlern zufolge indes aber auch eine Entgrenzung bedeuten, die nicht zwingend guttun muss.

Die Gefahr bei Internet-Nomaden besteht darin, dass sie immer online, immer einsatzbereit sind. 24/7 – das schafft niemand. Oder sollte niemand anstreben. Wer als Digital Nomad leben und arbeiten möchte, muss lernen, sich abzugrenzen, Nein zu sagen und Aufträge auch mal abzulehnen, weil es sonst einfach zu viel werden kann. Wie bei allem im Leben macht es die Dosis.


Digitalnomaden: Ihr Leben ist spannend und inspirierend

Andererseits kann das Arbeiten und Leben als digitaler Nomade interessant und inspirierend sein. Du lernst viele spannende Menschen, Tätigkeitsfelder und andere Kulturen kennen, öffnest deinen Blickwinkel und lernst, anderen Perspektiven und Ansichten wertschätzend zu begegnen – und das ist mit Sicherheit etwas, wovon du dein Leben lang, gerade auch beruflich, profitieren wirst.
 

Überall online sein ist verlockend – aber du solltest genau hinschauen, ob es zu dir passt

Laptop, Internet, Smartphone: Der digitale Wandel eröffnet neue Arbeitsmodelle. Dazu zählt auch der digitale Nomade. Internet-Nomaden arbeiten ortsunabhängig, projektbezogen und oft in anderen Ländern. Ob Webworker, Softwareentwickler, Autor oder Grafiker: Ihren Beruf können Digitalnomaden von überall aus und zu fast jeder Zeit ausüben. Sie sind flexibel und frei in ihrer Arbeitsgestaltung. Aber natürlich muss es zu einem passen. Nur weil viele Menschen diese Art zu arbeiten und zu leben mögen, muss es noch lange nichts für dich sein.
 

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