Brustkrebs-ertasten

Selbstvorsorge: wie kann man Brustkrebs selbst ertasten? 

Über 70.000-mal stellen Ärzte jährlich die Diagnose „Mammakarzinom“ – Brustkrebs. Die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, auch in den Zwanzigern! Umso wichtiger ist es, dass wir die Vorsorge früh selbst in die Hand nehmen und wissen, worauf es beim Abtasten ankommt.

Frauenärzte bieten für Frauen ab 30 eine regelmäßige Brustkrebsvorsorge an. Aber reicht das? Das Risiko für eine Erkrankung ist für eine Frau in den Zwanzigern zwar geringer, aber eben nicht gleich null. Krebs kennt kein Alter! Deswegen sollten wir bei unserem Arzt das Gespräch viel früher auf das Thema Brustkrebs lenken. Im besten Fall wurden dir die Risikofaktoren für Brustkrebs bereits erklärt. Das war es dann aber bis zum 30. Geburtstag: Vom Gesetzgeber sind vorher keine Vorsorgeuntersuchungen vorgesehen. Das ändert sich, wenn deine Mutter, Tante oder Oma bereits Brustkrebs hatte. Dann zieht der Arzt das Vorsorgeprogramm vor. Denn die Chancen vollständig geheilt zu werden, sind viel höher, wenn die Diagnose früh gestellt und der Krebs schnell behandelt wird. Also nutze die Möglichkeiten zur Früherkennung und lass dich nicht vertrösten, weil du noch „zu jung“ seist.
 

lass dich auf brustkrebs abtasten 

Während der Vorsorgeuntersuchung tasten Frauenärzte Brüste und Achselhöhlen gründlich ab. Sie betrachten den Brustbereich und achten genau auf Veränderungen und Symptome, die auf Brustkrebs schließen könnten. Die Brustuntersuchung dauert bloß wenige Minuten. Wichtig ist, dass die Ärzte der Frau dabei erklären, auf welche Symptome sie achten, wie sie einen möglichen Tumor ertasten und im gleichen Zuge zeigen, wie das Selbstabtasten funktioniert.
 

selbstuntersuchung: regelmäßig abtasten

Zwischen den Untersuchungen beim Frauenarzt bleibt eine große Zeitspanne für kleinste Gewebeveränderungen und winzige Knoten. Deswegen ist regelmäßiges Selbstabtasten wichtig, um eine mögliche Erkrankung an Brustkrebs frühestmöglich zu erkennen. Idealerweise immer zum gleichen Zeitpunkt im Zyklus – z. B. nach der Periode, dann sind deine Brüste weicher. Du kannst dich beim Duschen abtasten, im Stehen mit angewinkelten Armen oder im Liegen. Wichtig ist, dass jede Frau den gesamten Brust- und Achselbereich einmal im Monat auf Brustkrebs bzw. Symptome untersucht.
 

knoten und symptome von brustkrebs erkennen

Sei nicht verwundert, wenn du gleich mehrere Knoten spürst. Die Drüsen der weiblichen Brust fühlen sich etwas knotig an. Das ist normal und kein Hinweis auf einen Tumor. Der Bereich um die Brustwarze fühlt sich etwas härter an als das umliegende Gewebe. Machst du die Selbstuntersuchung regelmäßig, lernst du deinen Körper kennen. So kannst du besser einordnen, was ganz natürlich ist.
Betrachtest du deine Brüste vor dem Spiegel, sind sie vermutlich unterschiedlich groß. Auch das ist normal. Bei kaum einer Frau sind die Brüste gleich groß. Erkennst du jedoch einseitige Veränderungen, Einziehungen, Vorwölbungen, Hautveränderungen oder spürst du einen Schmerz, teile jedes Symptom sofort deinem Frauenarzt mit. Deine Brüste sollten ganz natürlich nach oben wandern und sich nicht an einer Stelle verziehen, wenn du deine Arme über den Kopf hebst. Ertastest du eine Verhärtung, heißt das natürlich nicht gleich, dass es sich um ein Mammakarzinom, einen bösartigen Tumor handelt. Oft steckt etwas Harmloses dahinter: eine verhärtete Brustdrüse, eine Zyste oder eine andere gutartige Veränderung.
 

früherkennung von brustkrebs durch ultraschall  

Zusätzliche Sicherheit kann dir ein Brustultraschall geben. Diese Untersuchung ist komplett schmerzfrei. Dabei werden neben deiner Brust auch die Lymphknoten Richtung Achseln auf Brustkrebs untersucht. Das „Durchleuchten“ ist allerdings eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), du musst sie aus eigener Tasche bezahlen. Doch im Vergleich zum Röntgen der Brust – der Mammografie – bringt dir der Ultraschall mehr. Da das Brustgewebe einer Frau in jüngeren Jahren noch sehr dicht ist, können Veränderungen und kleinste Tumore bei der Mammografie nur schwer sichtbar gemacht werden. Außerdem ist der Ultraschall im Vergleich zum Röntgen für den Körper weder belastend noch gefährlich.
 

veranlagung zum brustkrebs?

Machst du dir Sorgen, weil deine Mutter, Tante oder Oma an Brustkrebs erkrankt ist? Lass dich zu einer genetischen Untersuchung beraten: Zentren in Berlin, Dresden, Düsseldorf und anderen Großstädten bieten die Testung auf sogenannte Brustkrebsgene an. In einem ausführlichen Beratungsgespräch wirst du gefragt, wer in deiner Familie bereits an Brustkrebs erkrankt ist. Daraus wird abgeschätzt, wie wahrscheinlich eine Genmutation ist und ob für dich ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung besteht. Die Untersuchung deiner Blutproben und nahen Verwandten gibt Aufschluss darüber, ob eines der beiden Brustkrebsgene vorhanden ist. Fällt das Ergebnis positiv aus, kannst du Vorsorgeuntersuchungen für Brustkrebs intensiviert in Anspruch nehmen, z. B. mit weiteren Verfahren wie der Magnetresonanztomografie (MRT). Trägt eine Frau das Gen für Brustkrebs nicht in sich, hat sie damit aber keinen Freifahrtschein, nicht zu erkranken. Eine Krebserkrankung hat viele Ursachen, die beiden Brustkrebsgene sind nur zwei davon. Umgekehrt bedeutet ein positives Ergebnis nicht zwangsläufig, Brustkrebs zu bekommen. Zu wissen, dass man das Gen und ein höheres Risiko zu erkranken in sich trägt, kann jedoch belasten. Setze dich vor der Untersuchung damit auseinander und lasse dich umfassend beraten. 

 

selbstuntersuchung: so tastest du deine brust auf brustkrebs ab

radiale methode

Bewege die Finger leicht tastend gegeneinander, wie beim Klavier. Fahre mit den Fingern von der Brustwarze zum Brustmuskelrand und etwas versetzt wieder zurück. Wiederhole das Abtasten, bis die Brust umrundet ist.
Brustkrebs-ertasten

spirale methode

Taste mittels sanft klopfenden Bewegungen mit deinen Fingern rund um die Brustwarze herum. Vergrößere die Kreise und erweitere den Abstand zur Brustwarze. Ziehe deine Tastkreise, bis du am Rand der Brust angelangt bist.
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vertikale methode

Klopfe vorsichtig das Gewebe deiner Brust von oben nach unten ab. Starte von einer Seite und taste dich zur anderen, indem du stückweise die Richtung – von oben nach unten oder von unten nach oben – wechselst.
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brustwarze + achsel

Taste deine Achselhöhle und streiche mit deinen Fingern hinab bis zum Rand der Brust. Befühle kreisförmig deine Brust und den Bereich um die Brustwarzen, sodass du den gesamten Achsel-Brust-Bereich abtastest.
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3 fragen an natalie

Natalie Sauermann, 31, musste selbst erfahren, wie es ist, als Frau mit der Krankheit zu leben. Sie hat den Krebs besiegt und will nun anderen betroffenen Frauen helfen und das Thema Brustkrebs-Vorsorge in den Fokus rücken. Natalie ist die Initiatorin des Projekts „Blogger4Charity“.
 
Blogger4Charity
1. Du hast „Blogger4Charity“ initiiert, weil du selbst von Brustkrebs betroffen warst. Wie alt warst du?

Die Diagnose Brustkrebs habe ich mit 21 Jahren erhalten. Allerdings wurde ich bei meinen Routineuntersuchungen bis zu meiner ersten Diagnose nicht konkret auf das Thema angesprochen, was ich persönlich sehr schade fand.

2. Hast du Tipps, wie wir gute Frauenärzte erkennen?
Vor allem daran, dass sie sich Zeit für ihre Patientin nehmen. Geht man mit Schmerzen oder Symptomen hin, sollten die unbedingt ernst genommen und kleinste Veränderungen sorgfältig untersucht werden. Ein guter Frauenarzt würde nie sagen: „Sie sind noch zu jung für Krebs!“ Und ein guter Arzt erklärt seiner Patientin Diagnosen, z. B. wenn er eine Zyste entdeckt, warum er sich dessen so sicher ist und wo der Unterschied zum Tumor liegt.

3. Wer kann jungen Frauen die richtige Abtast-Technik beibringen? 
Meiner Meinung nach NUR ein Arzt! Ich habe viele Frauen kennengelernt, die sich seit Jahren falsch abgetastet haben, weil ihnen das kein Arzt gezeigt hat. Hat eine junge Patientin noch Scham davor, kann die Mutter sie problemlos zum Arzt begleiten. Dieser kann das richtige Abtasten an der Mutter zeigen. So frischt sie ihr Wissen auf und die Tochter lernt, wie sie ihre eigene Brust anschließend zu Hause abtasten kann. 
 

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