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Tai-Chi_Qi-Gong

Tai-Chi und Qi Gong: Wege zu mehr Gelassenheit

Entspannungs- und Fitnessübungen aus Fernost erfreuen sich auch hierzulande immer größerer Beliebtheit. Neben Yoga sind vor allem Tai-Chi und Qi Gong gefragt. Tai-Chi ist auch unter dem Begriff Schattenboxen bekannt. Doch handelt es sich dabei nicht um einen reinen Kampfsport; vielmehr dient Tai-Chi heute der Gesundheitsvorsorge und der Meditation. Qi Gong ist eine noch ruhigere Variante, um Körper und Geist in Einklang zu bringen. Erfahre bei Schön für mich, was die Unterschiede zwischen Tai-Chi und Qi Gong sind, für wen sich diese Techniken eignen und was sie für Vorteile bringen. 
 

tai-chi – was ist das?

Tai-Chi (gängige Kurzform für den Begriff Taijiquan) erweckt auf den ersten Blick den Eindruck, als handele es sich um einen Kampfsport.

Tatsächlich gehen die Ursprünge darauf zurück: Im 13. Jahrhundert soll ein Mönch diese Form der Selbstverteidigung erfunden haben, die sich dann aber immer mehr zu einer „inneren Kampfkunst“ entwickelte. In China ist Tai-Chi Volkssport. Charakteristisch für die Sportart sind ihre langsamen, fließenden und harmonischen Bewegungsformen, die an tänzerische Gymnastik erinnern. Dadurch soll das „Chi“, die Lebensenergie, gestärkt werden. Damit diese Lebensenergie ungehindert durch dich hindurchfließen kann, bewegt sich der Körper im Tai-Chi wie beim Schattenboxen – anders als bei europäischen Formen der Gymnastik – stets als Einheit. Das bedeutet, dass niemals nur Arme, Beine oder Kopf bewegt werden.

Diese auf Ganzheitlichkeit ausgerichteten Bewegungsabläufe sind streng geregelt und sollen nach Möglichkeit nicht abgeändert werden. Tai-Chi, oder Taijiquan, hat meditativen Charakter und erfordert viel Konzentration.

Genau die soll dir aber helfen, den Kopf freizubekommen: Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit in Bezug auf dein Ich sollen geschärft werden, damit du in erster Linie Angriffe auf deine psychische Gesundheit abwehren kannst. 
 

tai-chi oder taijiquan– wie geht das?

Tai-Chi funktioniert nicht einfach wie andere Sportarten, bei denen man nach bestimmten Regeln Techniken trainiert und ausübt. Den vollen Nutzen zieht man aus dem Tai-Chi daher nur, wenn man sich auch mit der Philosophie, die dahintersteht, auseinandersetzt. Dabei spielt das Prinzip von Yin und Yang – die Symbole für männlich und weiblich, Licht und Dunkel, Bewegung und Ruhe – eine entscheidende Rolle.

Tai-Chi will diese Gegensätze vereinen und folgt daher der „Lehre des Weges“, auch Daoismus (oder auch Taoismus) genannt, sowie Ansätzen aus dem Buddhismus.

Darüber hinaus gibt es im Tai-Chi zahlreiche unterschiedliche Stile und Übungen. Es gibt rund 1500 Übungsformen, bei denen Grundübungen immer wieder neu miteinander kombiniert werden.

Voraussetzung für alle Übungen ist die richtige Grundhaltung: Ein Schüler sollte wie ein Baum mit der Erde verwurzelt sein und dabei gleichzeitig über sich hinauswachsen. Atemtechniken und Gewichtsverlagerungen sollen dabei helfen, dass alles fließt. Doch das ist nicht ganz einfach zu erlernen. Um dich mit den Grundprinzipien und den wesentlichen Übungen im Tai-Chi vertraut zu machen, solltest du dir einen erfahrenen Lehrer suchen.
 

tai-chi: übungen

Auch wenn viele Übungen im Tai-Chi nicht schwierig aussehen, lassen sie sich doch ein Leben lang verbessern. Tai-Chi lebt daher von der Wiederholung von Bewegungen.

Folgende Beispielpositionen kannst du als Einsteiger zu Hause gut üben:
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  • Stehen mit erhobenen Armen: Die Füße stehen schulterbreit auseinander, deine Wirbelsäule und dein Kopf sind aufgerichtet, die Knie leicht gebeugt. Hebe nun beide Arme bis Schulterhöhe und Forme dabei die Hände, als wenn du einen großen Ball vor dem Körper hältst. Verharre so einige Minuten und versuche, nicht zu verkrampfen. Wenn du die Übung regelmäßig machst, wirst du merken, wie sie deine Muskeln entspannt. 
  • Der Fauststoß: Stell dich schulterbreit hin, beuge die Knie leicht und hebe den rechten Arm auf Schulterhöhe und strecke ihn von dir, dein Handrücken zeigt nach oben. Dann drehst du deine Handfläche nach unten und ziehst den Ellenbogen seitlich am Körper zurück; bilde dabei mit der Hand eine Faust. In Rippenhöhe angekommen drehst du die Faust so, dass der Handrücken nach außen zeigt, dann stößt du die Faust kraftvoll, aber ohne Schwung nach vorn und verharrst einige Minuten in dieser Position.
  • Wolkenhände: Die Bewegung der Hände ähnelt der von Wolken, die gemächlich am Horizont entlangziehen. Stehe schulterbreit mit leicht gebeugten Knien. Führe wahlweise die linke beziehungsweise die rechte Hand zunächst seitlich vom Körper und dann über die gegenüberliegende Schulter. Schaue dabei in die Handflächen. Dein Becken folgt der Bewegung, sodass eine leichte Rotation entsteht. Danach führst du die Hand auf demselben Weg zurück. Sobald die linke Hand über der rechten Schulter ist, setzt du mit der rechten Hand ein.

qi gong - was ist das?

Qi Gong kommt aus China und hat eine rund tausend Jahre alte Tradition. Wie beim Tai-Chi hat auch Qi Gong einen philosophischen Hintergrund, der auf Lehren aus dem Daoismus und Buddhismus basiert.

Wörtlich übersetzt bedeutet „Qi“ ‚Energie‘ oder ‚Atem‘. „Gong“ (Gung gesprochen) heißt Arbeit oder Können.

Die Bewegungskunst enthält Übungen zur Konzentration und Meditation sowie gymnastische Elemente. Ziel ist es, deine innere Mitte zu finden. Beim Qi Gong gibt es daher viele Übungen zur Balance.

Die Bewegungen werden im Zeitlupentempo ausgeführt, was auch dieser Methode einen meditativen Charakter verleiht: Das „Qi“ soll in Fluss geraten und in die richtigen Bahnen gelenkt werden – zum Wohle körperlicher und geistiger Gesundheit. Dabei steht die Konzentration auf den eigenen Körper im Mittelpunkt.

Viele Übungen kannst du im Sitzen praktizieren. Du brauchst nicht viel Platz und kannst Qi Gong auch mit Bewegungseinschränkungen ausüben. Denn es geht hier nicht darum, aus der Puste zu kommen oder besonders biegsam zu werden. Seelische Ausgeglichenheit und körperliche Vitalität stehen stattdessen im Vordergrund.

Kurse im Qi Gong führen häufig noch den Begriff Yangsheng im Titel. Letzteres steht für die „Pflege des Lebens“. Qi Gong Yangsheng bezeichnen Übungen zur „Pflege des Lebens“, die der chinesische Arzt Prof. Jiao Guorui (1923-1997) im vergangenen Jahrhundert entwickelt hat. Qi Gong gilt mit seinem Ansatz, einen gesunden Lebensstil zu pflegen, auch als Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin.
 

und für wen eignet sich qi gong?

Für jeden, der kurzfristig Energien aufbauen möchte. Gerade wenn Sie aus beruflichen Gründen nur wenig Zeit haben, können Sie während des Tages mit Qi Gong für aktive Erholungsphasen sorgen – sogar in der Mittagspause oder auf dem Weg zu einem Geschäftstermin.
 

qi gong: übungen

Die Übungen im Qi Gong sind sehr bildhaft. Allein die Namen suggerieren schon, wie eine Bewegung in etwa auszusehen hat. Wichtig ist dabei, sie ganz langsam und locker auszuführen.

Schön für mich hat drei Beispiele zusammengestellt, die dir als Einsteiger helfen, ein Gefühl für die Methode zu bekommen: 
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  • Den Ball prellen: Stehe hüftbreit mit leicht gebeugten Knien. Atme ein und verlagere deinen Schwerpunkt nach rechts, bis dein Gewicht auf dem rechten Bein liegt. Jetzt hebst du das linke Knie, bis der Oberschenkel in waagerechter Position ist, gleichzeitig führst du den rechten Arm leicht angewinkelt vor dem Körper bis auf Brusthöhe – so als wolltest du einen Ball prellen. Knie und Arme langsam wieder sinken lassen, während du ausatmest, dann: Seitenwechsel.
  • Die Füße heben, um tausend Mühsale abzustreifen: Stehe hüftbreit, lass die Arme locker herunterhängen, drehe die Handinnenflächen nach vorn und richte bei langgestreckter Wirbelsäule auch deinen Blick nach vorn. Verlagere nun deinen Schwerpunkt auf Ballen und Zehen. Hebe nun leicht die Fersen, ohne dabei in den Zehenstand zu kommen. Nun rollst du von den Fußspitzen zu den Fersen ab und drehst die Handinnenflächen dabei nach hinten. 
  • Himmel und Erde stützen: Stell dich hüftbreit hin, lass die Arme hängen, beuge die Knie leicht und führe den rechten Arm langsam auf Brusthöhe und strecke ihn dann nach oben. Drehe die Handfläche so, als wolltest tatsächlich du den Himmel stützen. Der linke Arm stützt die Erde. Er ist leicht angewinkelt und die Handfläche zeigt nach unten. Dann wechseln. Achte darauf, die Wirbelsäule aufrecht zu halten.

tai-chi und qi gong: für wen ist es geeignet?

Sowohl Tai-Chi als auch Qi Gong sind keine herkömmlichen Ausdauersportarten. Die Methoden dienen dem Stressabbau, dem sanften Muskeltraining und verbessern die Körperhaltung. Beide Bewegungsarten sind für alle Altersklassen geeignet.

Durch das Trainieren des Körpergleichgewichts können ältere Menschen mit den Übungen sogar Stürzen vorbeugen. Auch der Blutdruck kann stabilisiert und Rückenschmerzen können gelindert werden. Solltest du unter gesundheitlichen Beschwerden oder einer chronischen Krankheit leiden, ist es trotz der insgesamt gesundheitsfördernden Wirkung von Tai-Chi und Qi Gong besser, wenn du dich mit deinem zuständigen Arzt besprichst, inwiefern diese Methoden für dich infrage kommen. 
 

qi gong und tai-chi: was sind die unterschiede?

Die Gemeinsamkeiten von Qi Gong und Tai-Chi überwiegen: Beide Methoden dienen der Entschleunigung und haben ein harmonisches Miteinander von Körper und Seele zum Ziel.

Tai-Chi ist jedoch etwas dynamischer, hat es doch seine Wurzeln in der Kampfkunst. Innere Verteidigung, also die Abwehr psychischer Belastungen, steht im Vordergrund.

Bei Qi Gong dominiert noch mehr der Aspekt der individuellen gesundheitlichen Pflege von Körper und Geist. Qi Gong kommt daher auch mit weniger Bewegungsarbeit aus und lässt sich auch auf kleinstem Raum im Sitzen trainieren. Tai-Chi ist körperorientierter, Qi Gong hat mehr meditative Elemente. 
 

qi gong und tai-chi helfen dir, deine mitte zu finden

Ob du mehr das körperorientierte und dynamische Tai-Chi machen möchtest oder das ruhigere, mehr auf meditative Elemente ausgelegte Qi Gong – beide Methoden der chinesischen Heilgymnastik helfen dir dabei, Stress, Verspannungen und innere Unruhe zu reduzieren, deinen Gleichgewichtssinn und deine Fähigkeit zum Abschalten und die Konzentration auf deine körperliche und seelische Befindlichkeit zu stärken.

Für beide Disziplinen ist es ratsam, zum Einstieg einen Kurs oder eine Schule mit erfahrenen Trainern zu besuchen. Dann wird es dir auch leichter fallen, dich mit dem philosophischen Hintergrund vertraut zu machen. Das Verständnis hilft dir, den bestmöglichen Nutzen aus den Übungen zu ziehen.
 

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