Warum schläft dein Baby nicht einfach durch? Ganz einfach: Es folgt noch seinem ganz eigenen Schlafrythmus. Das weiß auch Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß. Erfahre, was dahintersteckt – und wie ihr entspannter durch die Nächte kommt.
Kein Wunder, dass sich das erst einspielen muss: Dein Baby kennt Tag und Nacht schlicht noch nicht. Im Bauch gab es diesen Unterschied nie – dort war es immer gleich warm, gleich dunkel, gleich geborgen. Jetzt muss es sich an Licht, Geräusche und einen ganz neuen Rhythmus gewöhnen.
Dazu kommt: Der kleine Magen ist noch winzig und meldet sich anfangs etwa alle vier Stunden. Hunger weckt Babys zuverlässig – und euch gleich mit, denn anders als Erwachsene können sie ihr hungriges Gehirn im Schlaf nicht einfach auf Schonbetrieb schalten.
Auch die Schlafphasen selbst sind anders: Sie dauern bei deinem Baby im Schnitt nur 45 Minuten, bei dir sind es rund 120. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist Schlaf enorm wichtig für die Entwicklung: Das Gehirn wächst, Nervenzellen verschalten sich, Wachstumshormone werden ausgeschüttet, Zellen erneuern sich, und das Immunsystem legt eine Extraschicht ein. Nebenbei verarbeitet dein Baby im Schlaf auch die vielen Eindrücke des Tages. Kein Wunder also, dass die Kleinen 14 bis 16 Stunden am Tag schlafen.
Damit dein Baby einschläft, müssen die Bedingungen stimmen: satt, müde, warm, geborgen. Der Instinkt, sich der Nähe seiner Bezugspersonen zu vergewissern, sitzt tief – gerade im Schlaf, wenn dein Kind die Kontrolle abgibt. Deshalb wacht es zwischen den Schlafphasen oft auf und sucht dich. Die gute Nachricht: Je öfter dein Baby dabei Geborgenheit erlebt, desto mehr Urvertrauen baut es auf. Rund um den vierten bis sechsten Monat verlagert sich die Hauptschlafenszeit meist auf die Nacht.

„Man sollte ein Kind nie schreien lassen und nachts in eine Angstsituation bringen. Das oberste Gebot: Kinder müssen die Gewissheit haben und spüren, dass ihre Eltern in ihrer Nähe sind – gerade in der Nacht.“
Dr. Hans-Günter Weeß, Schlafforscher, Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster
Die Forschung nennt es Ammen- oder Bereitschaftsdienstschlaf: Es ist wie ein unsichtbares, nächtliches Band zwischen Eltern und Kind – laute Umgebungsgeräusche wie ein heftiger Regenschauer werden vom schlafenden Gehirn einfach ausgeblendet, aber sobald das Baby leise unruhig wird, sind wir sofort da. Dieses intuitive Elternprogramm ist eine Superkraft, die Mütter und Väter gleichermaßen verbindet.
Es muss Tag und Nacht erst unterscheiden lernen und meldet sich alle paar Stunden wegen Hunger. Dazu kommt der Instinkt, sich immer wieder der Nähe seiner Bezugspersonen zu vergewissern. Das ist normal und kein Zeichen für falsches Verhalten deinerseits.
Schlaf ist ein Spiegelbild eures Alltags – ein Umzug, der Kitastart oder ein aufregender Tag wirken nachts nach, bei deinem Baby genau wie bei dir selbst. Es geht nicht um perfekte Nächte, sondern darum, gemeinsam eure eigene Routine zu finden. Und die gute Nachricht: Auch anstrengende Schlafphasen gehen wieder vorbei.
Redaktioneller Hinweis: Nach dem Originalartikel „Wenn alles schläft und einer wacht“ von Julia Feldhans, babywelt 12/2020. Für die App gekürzt und bearbeitet.