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Böse Bakterien – Listerien in der Schwangerschaft 

Was kann ich eigentlich noch essen? Das ist eine Frage, die viele Schwangere vor allem zu Beginn ihrer werdenden Mutterschaft umtreibt. Denn ihr Gynäkologe hat sie bei der ersten Untersuchung nicht nur durchgecheckt, sondern auch auf eine besondere Ernährung hingewiesen. Und zwar nicht nur auf gesunde Kost, sondern auch auf die Gefahren durch den Verzehr bestimmter Produkte. Doch es ist leicht, sich gut vorzubereiten und vorzubeugen. Zum Beispiel gegen Listeriose beziehungsweise Listerien in der Schwangerschaft.


Was sind Listerien – und was ist eine Listeriose?

Listerien sind Bakterien, die weltweit verbreitet sind. Genau heißt der Keim Listeria monocytogenes. Er kommt auf Pflanzen und im Schlamm vor, in rohen tierischen ebenso wie in pflanzlichen Lebensmitteln. Tiere wie Geflügel, Schafe, Rinder und Ziegen können davon infiziert werden, zum Beispiel über ihr Futter, vor allem bei Silage. 
Beim Melken oder Schlachten kann der Erreger dann auch auf aus den Tieren gewonnene Lebensmittel übergehen. Verunreinigungen können auch bei der Verarbeitung und Produktion von Lebensmitteln geschehen. Die Infektion mit Listerien heißt Listeriose. Mit der Infektionskrankheit können sich also auch Menschen anstecken. 


Listeriose ist eine Lebensmittelinfektion – in Produkten wie etwa Rohmilch können Listerien stecken 

Und das passiert vor allem dadurch, dass wir Lebensmittel essen, die die Keime enthalten – wobei es vor allem dann zu einer Infektion kommt, wenn die Zahl der Bakterien in dem Lebensmittel besonders hoch ist. Vor allem in folgenden Produkten kommen Listerien vor: 

• rohes Fleisch und Rohwurst wie Beef tartare, Hackfleisch, Wurst- oder Salamierzeugnisse 
• roher Fisch und Meeresfrüchte 
• Räucherfisch 
• Rohmilchprodukte wie Rohmilchkäse

Doch befallen sein können genauso auch Salate und Gemüse, denn die Listerien sind Bakterien, die in der Umwelt vorkommen. Auch in fertig geschnittenen Pflücksalaten sind die Erreger gefunden worden. 


Symptome einer Listeriose

Eine Listeriose ist für einen gesunden Menschen in der Regel harmlos. Meist zeigen sich Symptome, die ähnlich einem grippalen Infekt sind – und es kommt auch darauf an, wie hoch die Keimzahl ist. 
Diese Symptome können auftreten:

• Fieber 
• Gliederschmerzen 
• Durchfall 
• Erbrechen 


Für diese Menschen ist eine Listeriose gefährlich – es kann bis zur Blutvergiftung gehen 

Gefährlich können die Erreger jedoch Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr werden, also Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen, aber auch Diabetikern und Menschen mit HIV oder Krebs. Bei ihnen kann eine Listeriose zu Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung führen. Es gibt auch Todesfälle. Die Inkubationszeit für Listeriose liegt im Durchschnitt bei ungefähr drei Wochen.
Allerdings ist Listeriose eine Infektion, die im Vergleich zu anderen Lebensmittelinfektionen eher selten auftritt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt für das Jahr 2017 rund 770 Listeriose-Fälle in Deutschland an.


Listerien in der Schwangerschaft

Dennoch: Sind Sie schwanger oder wollen Sie schwanger werden, seien Sie auf der Hut. Listerien sind für Sie selbst zwar nicht gefährlich – für Ihr Ungeborenes hingegen sehr. Über die Plazenta infiziert die Mutter das Kind. Eine Fehlgeburt beziehungsweise eine Totgeburt kann die Folge sein, oder das Kind kann geschädigt werden. Überdies kann das Kind bei der Geburt, auf dem Weg durch den Geburtskanal, infiziert werden. Eine angeborene Listeriose wird auch Neugeborenenlisteriose genannt. Symptome sind eine Blutvergiftung, Lungenentzündung oder eine Hirnhautentzündung.


Vorsicht bei diesen Beschwerden

Können Sie als werdende Mutter etwas tun, um das zu verhindern? Ja! Wenn Sie folgende Symptome bei sich bemerken, nehmen Sie sie nicht auf die leichte Schulter: 

• grippeähnliche Beschwerden 
• Fieber 
• Rückenschmerzen 
• Muskelschmerzen 
• Erbrechen, Übelkeit 

Auch wenn sich diese Symptome nur leicht zeigen – gehen Sie sofort zu Ihrem Gynäkologen und lassen Sie sich auf eine Listerieninfektion untersuchen. Für Sie ist diese nicht gefährlich, aber für Ihr Baby. 


Untersuchung und Behandlung von Listeriose

Der Arzt wird eine mikrobiologische Untersuchung vornehmen. Eine Listeriose kann über das Blut festgestellt werden und auch über Plazenta, Fruchtwasser oder Rückenmarksflüssigkeit. Eine Neugeborenen-Listeriose wird über Abstriche am Fötus, am Neugeborenen und im ersten Stuhlgang des Babys untersucht.
Die gute Nachricht: Listeriose kann behandelt werden, auch in der Schwangerschaft. Die werdende Mutter muss hochdosiert ein Antibiotikum einnehmen. Das kann Penicillin sein, wenn Sie dagegen allergisch sind, werden meist Rifampicin und Vancomycin gegeben. Außer Penicillin können auch Ampicillin und Amoxicillin verordnet werden. Die Therapie mit dem Antibiotikum kann drei bis vier Wochen dauern. 


So beugen Sie einer Listerieninfektion vor

Damit es gar nicht erst so weit kommt, können Sie einiges tun. Vorbeugen ist nicht schwierig. Essen Sie in der Schwangerschaft keine Lebensmittel, die Listerien enthalten könnten. Folgende Produkte sind für Sie tabu:

• Rohmilch und Rohmilchprodukte – also Milch und Milchprodukte, die nicht pasteurisiert sind
• Schmier- und Weichkäse: Brie, Camembert
• in Folie abgepackte Wurst
• rohes Fleisch und Rohfleischerzeugnisse (z. B. Salami, Mett, Teewurst)
• kalt geräucherter oder fermentierter Fisch (z. B. Graved Lachs)
• roher Fisch und rohe Meeresfrüchte (z. B. Sushi, Austern)
• abgepackter, vorgeschnittener Salat

Garen Sie Fleisch und Fisch stets gut durch – Kochen und Braten tötet die Bakterien ab. Und dann beachten Sie auch, dass Sie alle Lebensmittel nach dem Einkauf möglichst rasch aufessen. Lagern Sie sie nicht lange. 


Den Kühlschrank regelmäßig putzen, um einer Listerieninfektion vorzubeugen

Apropos lagern: Ihr Kühlschrank braucht Ihre Aufmerksamkeit. Ihn sollten Sie jede Woche gründlich putzen. Denn Listerien sind hartnäckig, sie können sich sogar bei 4 Grad Celsius noch vermehren. Wenn Sie rohe Lebensmittel im Kühlschrank aufbewahren, halten Sie diese strikt getrennt von Produkten, die verzehrfertig sind. 

Waschen Sie Obst, Gemüse und Salat sehr gründlich. Reinigen Sie alles, was Sie zur Zubereitung von Speisen verwendet haben, gut mit Spülmittel und heißem Wasser – also Arbeitsfläche, Messer, Besteck, Schneidebretter, Küchengeräte. Und achten Sie darauf, dass Sie beim Schnippeln und Kochen nicht zwischendurch abschmecken oder die Finger unbewusst in Richtung Gesicht wandern. 

Waschen Sie sich vor der Zubereitung und auch hinterher gut die Hände. Das sollte auch Ihr Ritual werden vor dem Essen. Und wenn es eigentlich auch selbstverständlich sein sollte, sich die Hände zu waschen, wenn man auf der Toilette war – in der Schwangerschaft gilt das umso mehr. 


Das Mindesthaltbarkeitsdatum gilt, um eine Listerieninfektion zu vermeiden

Wenn auch sonst dazu geraten wird, dass man Lebensmittel auch noch essen kann, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, sofern alles noch gut riecht und schmeckt – das gilt für Risikogruppen, für die Listerien gefährlich werden können, nicht. Werfen Sie die Lebensmittel weg. 

Und dann sind da noch Spülschwämme und -bürsten. Tauschen Sie diese öfter aus. Und gönnen Sie Ihren Küchenlappen und Geschirrhandtüchern öfter mal einen ordentlichen Waschgang und geben Sie sie bei 60 Grad Celsius in die Waschmaschine. 


Listerien in der Schwangerschaft – Sie sind gewappnet

Schwirrt Ihnen nun der Kopf? Anfangs ist es sicherlich ungewohnt, auf all diese Dinge zu achten. Doch Schwangere gehören zur Risikogruppe für eine Listerieninfektion, und für Ihr Kind kann eine Ansteckung im Mutterleib oder bei der Geburt lebensbedrohlich werden. Sie können es schützen, indem Sie darauf achten, was Sie essen und wie Sie sich fühlen. Sie werden mit der Zeit geübt darin sein, worauf Sie zu achten haben – und sich in Ruhe auf Ihr Kind freuen.