Ihr Browser verhindert die Nutzung von technisch notwendigen Cookies, dies beeinträchtigt Funktionen der Seite.
0
Hypnobirthing

Hypnobirthing: Garant für schmerzfreies Gebären?

Einfach die Augen schließen, tief durchatmen, alle Muskeln lockerlassen – und dann kommt das Kind mühelos auf die Welt. Eine entspannte, aber vor allem schmerzfreie Geburt wünschen sich wohl alle Mütter. Nur gibt es dafür leider kein Patentrezept. Manche setzen jedoch all ihre Hoffnung ins sogenannte HypnoBirthing, dem Gebären unter Hypnose.

Was ist genau damit gemeint? Beim HypnoBirthing sollen sich Gebärende in Selbsthypnose versetzen – mit Techniken der Visualisierung, die sie zuvor in einem Kurs erlernt haben. Das soll die Entbindung insgesamt entspannter machen und somit auch den Geburtsschmerz mildern. Hebammen und Mütter, die eine Fortbildung zur HypnoBirthing-Kursleiterin absolviert haben, bieten entsprechende Kurse an, die sich grundsätzlich für alle schwangeren Frauen eignen sollen. Die Kurse sind meist kürzer als herkömmliche Geburtsvorbereitungskurse, und man kann mit ihnen schon früher (etwa ab der 15. Schwangerschaftswoche) beginnen. Bei der Geburt selbst ist es von Vorteil, wenn die anwesende Hebamme mit HypnoBirthing vertraut ist. Doch was bringt die Methode wirklich? Erfahren Sie im Folgenden mehr über HypnoBirthing.

Selbsthypnose: Geburt ohne Schmerzen – geht das?

Die Grundidee der HypnoBirthing-Methode entstand eigentlich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Gynäkologen Dr. Grantly Dick-Read. Er entdeckte das sogenannte „Angst-Verkrampfungs-Schmerz-Syndrom“, dass nämlich Angst unter Geburt Verspannung auslöst und Verspannung zu Schmerzen führt. In den 1980er-Jahren entwickelte die US-Amerikanerin Marie F. Mongan daraus die Methode des HypnoBirthing. Bei einer extrem angespannten Schwangeren bleibt auch der Gebärmutterhals angespannt, und der Muttermund öffnet sich unter Schmerzen und benötigt häufig mehr Zeit.

Angst oder gar Panik bei der werdenden Mutter können den gesamten Geburtsverlauf negativ beeinflussen. HypnoBirthing setzt genau dort an. Allerdings, so sagen es viele Hebammen, könne Hypnobirthing nicht die mit einer Geburt verbundenen Schmerzen gänzlich verhindern. Ziel sei es vielmehr, mithilfe von erfahrenen Kursleitern Techniken zu erlernen, die helfen, mit diesen Schmerzen so umzugehen, dass Gebärende nicht unnötig verkrampfen. Der Geburtsschmerz soll also minimiert werden. Häufig wird HypnoBirthing in Kombination mit einer Wassergeburt gewählt.

Atemtechniken: Übungen zur Tiefenentspannung sollen helfen, die Angst zu nehmen

Die Haupttechniken beim HypnoBirthing sind meditative Elemente, gepaart mit Visualisierungen. Das unterscheidet die Methode von der herkömmlichen Geburtsvorbereitung, bei der es vornehmlich um Atem- und Entspannungstechniken geht. Diese sind auch Teil der HypnoBirthing-Methode, vor allem die Tiefenentspannung mit Bauchatmung oder progressiver Muskelentspannung. Doch wird beim HypnoBirthing viel mit Vorstellungskraft und Bildern im Kopf gearbeitet. Immer und immer wieder werden die Bilder der Geburt durchgespielt. Es werden etwa sieben unterschiedliche Wege vorgestellt, wie man in Hypnose gehen kann. Die Schwangere kann sich dann den für sie passenden aussuchen und selbständig üben.

Hier sind Beispiele für klassische Übungen, die laut der Deutschen Gesellschaft für Hypnose dazu beitragen sollen, Müttern Angst und Anspannung zu nehmen und so die Geburt zu erleichtern:

  • Regenbogen-Entspannung: Dabei ruft sich die werdende Mutter in der Meditation bestimmte Farben ins Bewusstsein und sucht sich in dieser Welt ihren persönlichen Wohlfühlort, der dann in der Geburtssituation abrufbar sein soll. 
  • Sich öffnende Blüte: Die Vorstellung von einer sich öffnenden Blüte soll visualisiert werden, wenn sich der Muttermund öffnet. 
  • Glaubenssätze: Auch die Sprache ist beim HypnoBirthing speziell und auf Glaubenssätze beziehungsweise ein Mantra ausgelegt. Wehen heißen beispielsweise Wellen. So soll die Assoziation mit Schmerz vermieden werden. 
  • Trance: Trainiert wird auch, sich durch Tiefenentspannung in eine Art Trancezustand zu versetzen; das bedeutet, ganz bei sich zu sein. Dabei versinkt die werdende Mutter nicht etwa in Schlaf, sondern vielmehr wird ihr Bewusstsein für den Geburtsvorgang geschärft. Sie soll sich ganz und gar auf ihren Körper und das Kind konzentrieren. 

HypnoBirthing-Kurs: Krankenkassen tragen nur teilweise die Kosten

Ein speziell auf das Erlernen der Techniken von HypnoBirthing ausgerichteter Kurs wird von den Krankenkassen entweder gar nicht oder nur teilweise bezahlt. Und dann auch nur, wenn der Kurs von einer Hebamme geleitet wird und Sie als Schwangere keinen anderen Geburtsvorbereitungskurs besuchen. Am besten informieren Sie sich im Vorfeld bei Ihrer Kasse, ob sie die Kosten übernimmt.

Hypnobirthing: Geburt in Kliniken?

Viele Hebammen vertreten die Ansicht, dass die Mutter im Kreißsaal die Chefin ist. Sie soll selbstbestimmt entscheiden können, wie sie ihr Kind zur Welt bringt – sich im Kreißsaal bewegend oder mittels Wassergeburt oder eben mit der HypnoBirthing-Methode. Von Vorteil ist es, wenn die bei der Entbindung diensthabende Hebamme sich mit dieser Methode auskennt. Sie sollten außerdem die Besichtigungstermine für den Kreißsaal nutzen und dabei schon danach fragen, wie in der entsprechenden Klinik mit HypnoBirthing umgegangen wird. Nicht alle Krankenhäuser stehen dieser Methode aufgeschlossen gegenüber.

Erfahrungen von Müttern und Klinikpersonal

Die positive Wirkkraft von HypnoBirthing ist noch nicht hinreichend wissenschaftlich belegt. Doch es gibt einzelne Studien, die Hinweise auf eine entspanntere Geburt geben. So hat eine Untersuchung der Universität Tübingen und des Westfälischen Instituts für Hypnose und Hypnosetherapie ergeben, dass der Geburtsvorgang bei erstgebärenden Frauen, die sich mit Hypnose auf die Entbindung vorbereitet hatten, kürzer dauerte als bei werdenden Müttern in einer Vergleichsgruppe. Auch das Schmerzempfinden war in den Hypnosefällen weniger hoch.

Andererseits gibt es Geburtsberichte von Hebammen und Ärzten, nach denen Frauen, die mit einer durch die HypnoBirthing-Methode fest geformten Vorstellung in den Kreißsaal kommen, zum Teil wenig flexibel auf den tatsächlichen Verlauf, also auch auf unvorhergesehene Ereignisse während der Entbindung, reagieren und sich auch nicht besonders zugänglich für Ratschläge vom Klinikpersonal zeigen. Das wiederum kann den Geburtsvorgang verkomplizieren.

Hypnobirthing online

Kurse im HypnoBirthing werden auch online angeboten. Hier können Sie sich einige typische Übungen anschauen. Gerade wenn Sie Erstgebärende sind, kann es jedoch sinnvoll sein, einen Kurs bei einer Hebamme zu besuchen, wo Sie auch auf andere Mütter treffen und sich austauschen können. Hier können Sie auch ganz offen über Ängste und Zweifel sprechen.

Mentale Geburtsvorbereitung: Experteninterview

Eine Alternative zum klassischen HypnoBirthing stellt die Methode der „Friedlichen Geburt“ von Mentaltrainerin und Mutter Kristin Graf dar. Die Schwachstellen des klassischen HypnoBirthing hat sie bei ihrer Methode berücksichtigt und optimiert. So gibt es bei der „Friedlichen Geburt“ nur einen einzigen Weg in die Hypnose, der immer und immer wieder mit Hilfe von Audioaufnahmen geübt werden kann und so leichter abrufbar ist unter der Geburt. Kristin Grafs Augenmerk ist auf die gute Zusammenarbeit mit Hebammen und Ärzten gerichtet, so dass eine positive Atmosphäre die Geburt unterstützt und die Gebärenden sich in guten Händen fühlen und sich dadurch auch leichter für die Geburt öffnen können. Mehr zur „Friedlichen Geburt“ erfahren Sie im Interview.

Welche Erfahrung haben Sie selbst mit Hypnobirthing gesammelt?

Kristin Graf: Ich selbst habe zwei sehr schmerzhafte erste Geburten erlebt. Dabei war es für mich erstaunlich, dass die zweite Geburt sogar noch schmerzhafter verlief als die erste. Ich erlebte den sogenannten „Angst-Verkrampfungs-Schmerz-Kreislauf“ am eigenen Leibe und ging während meiner dritten Schwangerschaft auf die Suche nach einer Möglichkeit, eine andere Geburtserfahrung machen zu können.


Da ich bereits seit dreizehn Jahren als Mentaltrainerin gearbeitet habe und den Zustand der tiefen Hypnose in wenigen Sekunden abrufen konnte, war ich verblüfft, als ich auf HypnoBirthing stieß. Die Methode selbst erschien mir als zu kompliziert, weil ich von der Wucht und Kraft einer Geburt wusste, so habe ich mich entschlossen, meine eigene Methode zu entwickeln. Während meiner dritten Geburt hatte ich daraufhin trotz eines sehr schweren Babys von knapp 4500g eine tatsächlich schmerzfreie Geburt.

Wie unterscheidet sich die Vorbereitungsmethode „Die friedliche Geburt“ von HypnoBirthing?

Kristin Graf: Beim HypnoBirthing hat die Frau die Wahl zwischen verschiedenen Entspannungsübungen, Traumreisen und Techniken, um in eine Trance zu kommen. Bei der Methode „Die friedliche Geburt“ zeige ich hingegen nur einen, aber sicheren Weg in die Trance und helfe Schwangeren, diesen Zustand in jeder Situation zu halten oder im Fall einer Störung schnell wieder zurückzufinden.

Was ist das Besondere an der „Friedlichen Geburt“?

Kristin Graf: Alle Übungen, Techniken und Hypnosen sind wissenschaftlich fundiert und lassen sich leicht erlernen. Ich bin davon überzeugt, dass Frauen bei intensiver mentaler Vorbereitung die Geburt deutlich schmerzreduzierter erleben und in guter Erinnerung behalten können. Natürlich kann das keine Garantie sein, dafür ist eine Geburt zu komplex, aber die Chance auf eine schöne Geburtserfahrung steigt meiner Erfahrung nach enorm. Nur an eine schöne Geburt zu glauben, reicht leider nicht aus.

Wie und wo können Frauen die Methode lernen?

Kristin Graf: Ich biete auf meiner Website Online- und Wochenendkurse an. Zudem ermöglicht eine kostenlose App, sich u. a. mit Podcast und Audio-Hypnosen auf die Geburt vorzubereiten. Außerdem bin ich für die Frauen bei Fragen immer erreichbar. Der Podcast ist natürlich auch auf allen gängigen Podcast-Portalen frei verfügbar. Außerdem habe ich einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem ich Frauen zu den Themen Geburt und Hypnose informiere.

Mit Entspannungsmethoden den Geburtsverlauf positiv beeinflussen

Wenn Sie als werdende Mutter alternativen Entbindungsmethoden gegenüber aufgeschlossen sind, sind Hypnosemethoden möglicherweise eine Methode, mit der Sie sich wohlfühlen werden. Allerdings sollten Sie einen Kurs bei einer erfahrenen Hebamme, Hypnosetherapeutin oder Mentaltrainerin besuchen und sich nicht allein mit Internetvideos vorbereiten. Hypnosetechniken lassen sich am besten unter fachmännischer Anleitung erlernen. Fragen Sie idealerweise im Vorfeld bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Kosten oder zumindest einen Teil davon übernimmt. Informieren Sie sich auch in der von Ihnen favorisierten Geburtsklinik oder einem Geburtshaus, ob man dort einer solchen Methode gegenüber aufgeschlossen ist.

weitere ratgeber zum thema schwangerschaft