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Dammriss

Dammriss: Vorbeugung, Heilung und Information

Verletzungen, die durch die Geburt eines Kindes bei der Mutter entstehen können, gehören noch immer zu den Tabu-Themen. Niemand möchte, dass Schwangere unnötig Angst vor Geburtsverletzungen bekommen. Am besten kann man solchen Ängsten begegnen, indem Sie sich gut informieren. Die wichtigsten Informationen zum Thema Dammriss, seiner Vorbeugung, Heilung und seinen möglichen Auswirkungen haben wir für Sie zusammengestellt:

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was ist ein dammriss?

Als Damm wird bei Frauen die aus Muskeln und Bindegewebe bestehende Region zwischen After und Scheide bezeichnet. Dieses Gewebe wird bei einer Geburt sehr beansprucht: Es muss sich stark dehnen, damit Kopf und Schultern des Babys hindurchpassen. In manchen Fällen wird es überdehnt, es kommt zu einem sogenannten Dammriss.

Geburtsverletzungen am Damm können unterschiedlich schwerwiegend sein. Durch die starke Dehnung können ganz kleine Risse in Muskulatur und Bindegewebe entstehen. Manche Frauen spüren dort daher nach der Entbindung eine Art „Muskelkater“. Bei anderen Frauen ist der Riss deutlich zu sehen und auch schmerzhaft zu spüren. Je nach Beschaffenheit des Bindegewebes, Größe des Kindes und konkretem Geburtsverlauf können starke Verletzungen entstehen.

​​​​​​​In manchen Fällen wird zur Verhinderung eines Dammrisses unter der Geburt ein Dammschnitt gesetzt, eine so genannte Episiotomie. Welche Variante – Dammschnitt oder -riss – das geringere Risiko für Mutter und Kind darstellt, muss vom Arzt individuell entschieden werden.

 

verletzungsgrade bei dammrissen: darin unterscheiden sich die schweregrade

Die Verletzungen des Damms werden nach ihrem Schweregrad unterschieden:
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  • Dammriss Grad 1: Haut und Unterhautgewebe sind verletzt, die Muskulatur nicht.
  • Dammriss Grad 2: Haut, Unterhautgewebe und Muskulatur sind gerissen, maximal bis an den äußeren Schließmuskel des Afters.
  • Dammriss Grad 3: Der Riss betrifft auch den äußeren Afterschließmuskel.
  • Dammriss Grad 4: Zusätzlich ist auch die Schleimhaut des Darms eingerissen.
Leichte Verletzungen ersten und zweiten Grades treten bei Vaginalgeburten allerdings bei fast jeder dritten Frau auf. Schwerere Geburtsverletzungen sind nur sehr selten und meist Folge eines medizinisch notwendigen Eingriffs.
Ob und wie ein Riss behandelt wird, muss im Einzelfall durch Ihren Arzt entschieden werden. Risse ersten Grades verheilen meist ohne Naht, bei höhergradigen Verletzungen wird das Gewebe schichtweise genäht.

 

dammriss vorbeugen: kann man einen dammriss verhindern?

Es gibt keine sichere Methode, um Geburtsverletzungen vollständig auszuschließen. Sie können versuchen, Ihren Damm auf die Entbindung vorzubereiten. Als hilfreich haben sich Damm-Massagen während der Schwangerschaft erwiesen, beispielsweise mit dem Weleda Mama Damm-Massageöl, etwa ab der 34. bis 36. Schwangerschaftswoche. Es macht die Haut geschmeidiger und erhöht ihre Elastizität. Das Gewebe wird durch die regelmäßige Damm-Massage besser durchblutet, gelockert und dehnungsfähiger. Auch warme Kompressen können helfen, die Durchblutung zu verbessern. Während der Geburt kann mit Geburtsgel die Reibung vermindert werden. Ihre Hebamme wird mit den richtigen Handgriffen für Dammschutz sorgen und Sie bei der Wahl einer geeigneten, dammentlastenden Geburtsposition beraten.

 

dammriss-heilung: wie lässt sich die regeneration des dammgewebes unterstützen?

Während der Geburt merken Frauen meist gar nicht, dass ihr Damm reißt – die Schmerzen werden erst später spürbar. Insbesondere beim Toilettengang machen sich die Verletzungen bemerkbar. Frauen mit Dammriss oder -schnitt bekommen meist Medikamente gegen die Schwellung, aber dennoch bleiben die Verletzungen oft schmerzhaft und unangenehm.

​​​​​​​Ein wenig Linderung versprechen folgende zusätzliche Maßnahmen:
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  • Kühlen, z. B. mit Kühlgels, Pads oder gekühlten Slipeinlagen
  • Regenerationssprays (Intimsprays)
  • Sitzbäder mit entzündungshemmenden Zusätzen aus der Apotheke. Sie enthalten Sitzbad-Zusätze z. B. mit Ringelblume, Frauenmantel oder Hamamelis. Sitzbäder sollten nicht zu häufig angewendet werden.
  • Der Heilung kommt zudem zugute, wenn die Frauen sich im Wochenbett schonen: Frauen mit Geburtsverletzungen sollten viel liegen. Sitzen und Gehen erschweren die Heilung von Dammverletzungen. 
  • Aus vielen Gründen sollten Mütter nach der Entbindung viel trinken. Es unterstützt nicht nur die Milchbildung, sondern auch die Regeneration und verdünnt den Urin, damit er an den verletzten Stellen des Damms weniger stark brennt.

dammriss und dammschnitt: bei der heilung ist geduld gefragt

An der Oberfläche sind die meisten Dammverletzungen nach fünf bis sieben Tagen wieder verheilt. Bis sich auch die tieferliegenden Schichten des Dammgewebes regeneriert haben, kann es – auch je nach Schwere der Verletzungen – deutlich länger dauern. Durchschnittlich sind etwa vier Wochen Heildauer realistisch.

Wenn eine Verletzung genäht werden musste, lösen sich die Fäden nach einiger Zeit auf. Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme beraten, ob störende Fäden und Knoten ggf. auch schon vorher entfernt werden können.

 

welche folgen und auswirkungen hat eine dammriss-geburt?

Ihr Körper braucht Zeit, um sich von den Anstrengungen der Geburt zu erholen. Verletzungen müssen verheilen, Bindegewebe und Muskulatur zu ihrer Ausgangslage zurückfinden. Der Damm ist Teil der Beckenbodenmuskulatur. Wurde er bei der Geburt verletzt, muss er nach der Heilungsphase wieder aktiviert werden. Fragen Sie Ihre Hebamme bei der Rückbildungsgymnastik nach Übungen, die für Sie geeignet sind.

Nach erfolgreicher Rückbildung und Heilung hat ein Dammriss in den meisten Fällen keine dauerhaften Folgen. Manche Frauen haben Beschwerden wegen der Narbenbildung. Wenn sie anhalten und den Geschlechtsverkehr stören, sprechen Sie darüber mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt. Wenn der Wochenfluss vorbei und der Dammriss vollständig verheilt ist, ist aus medizinischer Sicht auch wieder Geschlechtsverkehr möglich.

Es spricht nach einem Dammriss nichts dagegen, dass eine weitere vaginale Geburt möglich ist. Die Wahrscheinlichkeit für eine erneute starke Dammverletzung ist bei der zweiten Geburt geringer als bei der ersten.

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dammriss: kein ratgeber kann ein vertrauensvolles gespräch ersetzen

Wenn Sie Fragen oder Sorgen haben, was bei der Geburt Ihres Kindes auf Sie zukommen kann, sprechen Sie darüber mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt. Scheuen Sie sich auch bei anhaltenden Beschwerden nach der Geburt nicht, Themen wie den Dammriss anzusprechen, die Sie belasten. Kein Ratgeber kann ein gutes, vertrauensvolles Gespräch ersetzen. 
 

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