Landliebe: Familie Strothlüke lebt mit drei Kindern auf dem Bauernhof
„Unsere Kinder wachsen mit der Natur und Tieren auf – etwas Schöneres gibt es doch gar nicht. Sie sind bei Wind und Wetter draußen, eigentlich jeden Tag“, bestätigt Andrea Strothlüke. Dabei hat jede Jahreszeit ihre Reize. Im Frühling beginnt die Feldarbeit mit Gras schneiden, häckseln, Mais säen und dem Weideauftrieb. Im Sommer ernten die Landwirte das erste Getreide, im Herbst dann den Mais. „Und falls im Winter Schnee liegt, hängen wir Schlitten hinter den Trecker und ziehen die Kinder übers Feld – ein großer Spaß!“, berichtet die 36-Jährige.
Andrea Strothlüke ist selbst auf dem Hof groß geworden, auf dem jetzt ihre drei Kinder herumtoben. Seit 300 Jahren ist der Betrieb in Familienbesitz. Eines Tages fragte Hermann Strothlüke seine vier Töchter, wer den Hof übernehmen möchte. Die älteste von ihnen und ihr Mann überlegten nicht lange. Der gelernte Elektroinstallateur Dennis Strothlüke kündigte und orientierte sich beruflich ganz neu, ging sogar studieren. Als staatlich geprüfter Agrar-Betriebswirt hat er sich das nötige Fachwissen angeeignet, um den Milchviehbetrieb zunächst noch gemeinsam mit seinem Schwiegervater zu führen. „Traditionell hat auch Dennis, wie mein Opa und auch Uropa, den Namen der Frau angenommen, um den Hofnamen nicht aussterben zu lassen. In unserer Familie war das weibliche Geschlecht bisher immer stärker vertreten“, sagt Andrea Strothlüke, die als lebensmitteltechnische Assistentin (in Elternzeit) in einer Molkerei arbeitet.
Das Berufsbild des Landwirtes und damit auch das Familienleben auf dem Hof hat sich in den letzten 200 Jahren enorm verändert. Vom wirtschaftlich unabhängigen Selbstversorgerbetrieb für die Großfamilie bis zum modernen spezialisierten und hochtechnisierten Wirtschaftsunternehmen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Größe landwirtschaftlicher Betriebe lag um 1800 bei vier Hektar. Die Strothlükes bewirtschaften heute das 17-fache. „Wenn ich das Landleben heute mit meiner Kindheit vergleiche, fällt natürlich auf, dass unser Hof viel größer ist: Wir haben mittlerweile doppelt so viele Kühe und auch mehr Fläche zu bewirtschaften als in der vorherigen Generation. Doch der Unterschied ist nicht so gravierend wie damals bei meinen Großeltern. Sie haben noch fast alles mit der Hand geerntet auf dem Hof musste alle – auch die Kinder – richtig mitanpacken“, sagt Andrea Strothlüke. „Unsere Eltern waren den ganzen Tag zu Hause, auch wenn sie natürlich immer viel zu tun hatten, ist uns das aber nie wirklich aufgefallen. Immer wenn wir wollten, konnten wir bei ihnen sein“, erinnert sich die dreifache Mutter. „Ich denke, dass es unseren Kindern heute genauso geht.“
Henri und Lotte helfen gerne: Kälber füttern, Kühe melken oder Trecker fahren – Hauptsache sie sind draußen. Was die Strothlükes außerdem an ihrem Hofleben schätzen, ist die Möglichkeit, alle Mahlzeiten zusammen am großen Familientisch zu sich zu nehmen. Nachfrage bei den Geschwistern: Möchtet ihr nicht lieber in der großen Stadt leben? Die beiden schütteln mit dem Kopf. Und natürlich steht für den ältesten Sohn auch schon fest, was er einmal werden will. Den Eltern gehts genauso: Wer wie Andrea Strothlüke selbst auf einem Hof aufgewachsen ist und hier nun drei glückliche, temperamentvolle Landkinder großzieht, kann sich einen Umzug in die Stadt nicht vorstellen: „Uns würde der Freiraum fehlen.“
"Wir würden uns immer wieder so entscheiden!"