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      Gefühle bei Kinder

      Eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Kinder erlernen den Umgang mit ihren Emotionen

      Vom ersten Lächeln bis zum lautstarken Wutausbruch – die emotionale Entwicklung eines Kindes ist wie eine Achterbahnfahrt. Bereits im ersten Lebensjahr erleben Babys intensive Gefühle, doch das Verständnis und der Ausdruck dieser Emotionen entwickeln sich erst nach und nach. Wie genau sich die ersten Gefühle bei Kindern bemerkbar machen, wie du dein Kind unterstützen kannst und welche Bedeutung der Umgang mit Emotionen für die kindliche Entwicklung hat, erfährst du in diesem Ratgeber.

      Kinder emotional stärken – was du wissen solltest 

      Die Stimmungsuhr deines Nachwuchses tickt gerade innerhalb der ersten Lebensjahre etwas anders als unsere eigene und kann innerhalb weniger Sekunden von Freude auf Wut umschwenken. Für die emotionale Entwicklung deines Kindes ist deine Reaktion und deine Unterstützung als erste Bezugsperson besonders prägend. Die wichtigsten Fragen im Umgang mit den Gefühlen deines Kindes haben wir dir daher zusammengefasst und nochmal in Kürze beantwortet.

      Ab welchem Alter sollte man mit Kindern über Gefühle sprechen?

      Bereits im zweiten Lebensjahr beginnen Kinder, ein Grundverständnis für Emotionen zu entwickeln. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um einfache Gespräche über die Gefühle deines Kindes zu führen und das emotionale Vokabular deines Kindes zu erweitern.

      Wie drücken Kinder ihre Gefühle aus?

      Kinder zeigen Emotionen auf vielfältige Weise, abhängig von ihrem Alter und Entwicklungsstand. Sie können durch Mimik, Gestik oder auch durch Verhaltensweisen wie Weinen, Lachen oder sogar Wutanfälle ihre Gefühle ausdrücken.

      Wie lernen Kinder den kompetenten Umgang mit Gefühlen?

      Kinder lernen den Umgang mit ihren Gefühlen vor allem durch Beobachtung und Nachahmung. Bezugspersonen sollten daher als Vorbilder fungieren, ihre eigenen Empfindungen gesund ausdrücken und dem Kind Methoden zur Emotionsregulation wie tiefes Atmen oder das Zählen bis zehn vermitteln, um Emotionen zu regulieren.

      Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihr Kind unglücklich, wütend oder traurig ist?

      Es ist wichtig, respektvoll, liebevoll und einfühlsam zu sein. Eltern sollten ihre Kinder ernst nehmen und ihnen zeigen, dass ihre Gefühle wichtig sind, indem sie ihnen zuhören und sie unterstützen, ihre Empfindungen zu verstehen und auszudrücken, ohne sie abzuwerten.

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      Emotionen bei Kindern: aller Anfang ist schwer

      Emotionsregulation ist für Kinder eine echte Herausforderung. Ihre neurologischen Pfade – die für das Verarbeiten und Steuern von Emotionen zuständig sind – entwickeln sich erst im Laufe der Kindheit vollständig. Das erklärt, warum gerade die Kleinsten oft von ihren Gefühlen überwältigt werden, ohne recht zu wissen, wie sie damit umgehen sollen. Im Laufe des zweiten Lebensjahres beginnt dein Kind allmählich, ein Verständnis für verschiedene Emotionen zu entwickeln. Zu dieser Zeit kannst du bereits damit beginnen, über Emotionen zu sprechen, denn die eigenen Gefühle zu erkennen und benennen zu können, ist für Kinder sehr wichtig. Das stärkt zum einen ihre emotionale Intelligenz und hilft ihnen andererseits auch, Empathie für andere zu entwickeln.

      Das Beschreiben von Gefühlen darf schon früh gefördert werden, sobald dein Kind die sprachlichen Fähigkeiten dazu erlangt. Im Alter von etwa zwei bis drei Jahren beginnen die meisten Kinder, primäre Emotionen wie Glück, Trauer oder Wut zu benennen. Die Gefühlsäußerungen im Umgang mit Emotionen bei Kindern sind ein entscheidender Schritt auf dem Weg, ein gesundes emotionales Selbstbewusstsein zu entwickeln. Von dir als engste Bezugsperson wird auf diesem Weg viel Geduld und Einfühlungsvermögen gefordert. Unterstütze dein Kind aktiv dabei und sei ein empathisches Vorbild, damit es die Fähigkeiten entwickelt, seine Gefühlswelt zu verstehen und Emotionen besser einzuordnen.

      Gefühle bei Kindern

      Emotionale Entwicklung bei Kindern: Was und wie fühlen Kinder?

      Schon in den ersten Monaten nach der Geburt empfinden Babys Gefühle wie Freude oder Angst und beginnen Emotionen nachzuahmen, ohne sich der Bedeutung bewusst zu sein. Im zweiten Lebensjahr beginnen Kinder bereits diese primären Gefühle zu benennen und sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Sie lernen erste soziale Regeln und dass manche Verhaltensweisen wie Schlagen oder Treten unerwünscht sind. Zudem kommen Gefühle wie Neid oder Scham hinzu, die empfunden werden können. Im Laufe des dritten Lebensjahres entwickeln Kinder die Fähigkeit, Emotionen künstlich nachzustellen, um beispielsweise auf den Arm genommen zu werden und Empfindungen nicht nur zu benennen, sondern sie auch besser zu beschreiben und zu erklären.

      Im vierten und fünften Lebensjahr erweitern Kindergartenkinder ihren Wortschatz, um Gefühlsäußerungen zu präzisieren. Sie können eigene von fremden Empfindungen unterscheiden und widersprüchliche Emotionen wie Angst und Freude vor einem Ereignis wahrnehmen. Im Vorschulalter sind die meisten Kinder bereits in der Lage, facettenreiche Gefühle zu empfinden und zu benennen, zu erklären und zu regulieren. Dabei sind sie auch in der Lage, auf Emotionen anderer Lebewesen Rücksicht zu nehmen.


      Emotionale Entwicklung beim Kind: Tabellen als Übersicht

      Die emotionale Entwicklung von Kindern verläuft in verschiedenen Stadien, die eng mit ihrem Alter verknüpft sind. Kinder durchlaufen bedeutende Veränderungen in ihrem Emotionsausdruck und Emotionsverständnis sowie in ihrer Emotionsregulation, Empathie und sozialer Interaktion. Die folgenden Tabellen bieten dir eine detaillierte Übersicht über die wesentlichen Entwicklungsschritte in diesen Bereichen und verdeutlichen, wie sich Kinder im Laufe der Jahre emotional und sozial weiterentwickeln.

      Entwicklung von Emotionsausdruck, Emotionsverständnis & Emotionsregulation nach Lebensjahr

      AlterEmotionsausdruckEmotionsverständnisEmotionsregulation
      1. LebensjahrPrimäre Emotionen: Freude, Angst, Ärger, Traurigkeit, Interesse, ÜberraschungKind kann primäre Emotionen nachahmen und mitempfinden, jedoch ohne tiefes Verständnis.Aus sich selbst heraus: z.B. Daumenlutschen
      Von außen: durch Trost
      2. LebensjahrAusdruck durch erste Worte/Sätze + Entwicklung von sekundären Emotionen wie Stolz, Scham, Schuld, LeidKind erkennt Emotionen als innere Zustände, kann sie benennen und die Ursachen verstehen.Kind entwickelt neue Methoden wie Nuckeln und Schaukeln; lernt soziale Regeln für angemessene Emotionsregulation.
      3. LebensjahrFähigkeit, Gefühle zu verbergen oder vorzutäuschen.Kind kann Emotionen nicht nur erkennen, sondern auch detaillierter beschreiben und erklären.Kind nutzt Spielzeug und einfache Selbstberuhigungstechnicken.
      4. & 5. LebensjahrUnterscheidung zwischen eigenen und fremden Emotionen + Wahrnehmung widersprüchlicher GefühleWortschatz erweitert sich weiter, präziseres Benennen von Gefühlen + Bezugnahme auf andere Emotionen.Neue Methoden wie Selbstgespräche, Frustabbau durch Bewegung und Gespräche über Gefühle
      6. & 7. LebensjahrFacettenreiche Emotionen ausdrücken und erklären + Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer LebewesenBewusstes Rücksichtnehmen auf die Gefüle anderer + umfangreiches emotionales Wissen

      Fortgeschrittene Strategien wie reflektiertes Handeln und strategisches Denken zur Frustationsbewältigung

      Entwicklung von Empathie & sozialer Interaktion nach Lebensjahr

      AlterEmpathieSoziale Interaktion
      1. LebensjahrKind lässt sich von Gefühlen anderer anstecken und ahmt sie nach, ohne die Bedeutung zu verstehen.Kind reagiert auf einfache soziale Signale und sucht Trost bei vertrauten Personen.
      2. LebensjahrEgozentrische Empathie: Kind erkennt Ursachen von Emotionen und reagiert darauf, vermischt jedoch eigene und fremde Emotionen.Kind interagiert durch erste Worte und einfache Sätze; erkennt grundlegende soziale Normen.
      3. LebensjahrFähigkeit, Mitleid zu empfinden.Kind beginnt, soziale Spiele zu spielen und einfache Rollenspiele zu verstehen
      4. & 5. LebensjahrEmotionale Empathie: Unterscheidung zwischen eigenen und fremden Emotionen.Kind entwickelt Verständnis für komplexere soziale Regeln und beginnt, sich in Gruppen zu integrieren.
      6. & 7. LebensjahrKind kann Emotionen anderer begründen und diese auf deren Erlebnisse und Erfahrungen beziehen.Kind zeigt fortgeschrittene soziale Fähigkeiten wie das Verstehen von Freundschaften und sozialer Hierarchien.


      Verzweiflung und Wutausbrüche: Kinder in der Trotzphase

      Die berüchtigte Trotzphase tritt typischerweise zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr auf und ist gekennzeichnet durch häufige emotionale Ausbrüche und ein starkes Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Kontrolle. In dieser Phase testen Kinder Grenzen und zeigen deutlich, wenn etwas gegen ihren Willen läuft. Neben den typischen Wutausbrüchen kann diese Phase auch von Trennungsangst geprägt sein, die zu weiteren emotionalen Turbulenzen führen kann, besonders wenn Kinder sich unsicher fühlen oder Angst vor der Abwesenheit der Eltern haben.

      Wutausbrüche sind gerade bei Klein- und Kindergartenkindern keine Seltenheit. Es ist ganz normal, dass sie sich bei deinem Kind durch Schreien, Weinen, Treten oder sogar in der Weigerung, zu sprechen oder zu essen, äußern. Diese Ausbrüche sind nicht nur Ausdruck von Ärger, sondern häufig auch von Frustration, Überforderung und manchmal Hilflosigkeit. Besonders in den ersten Lebensjahren, wenn sich Areale im Gehirn entwickeln, die für die Impulskontrolle zuständig sind, fällt Kindern die Emotionsregulation sehr schwer. Neben Wut sind auch andere intensive Emotionen wie Traurigkeit oder Angst für Kinder oft schwer zu kontrollieren. Für die emotionale Entwicklung deines Kindes ist daher deine Unterstützung entscheidend.

      Emotionsregulation: Wie Kinder lernen, Gefühle zu verstehen und zu kontrollieren

      Um deinem Kind dabei zu helfen, seine Emotionen zu verstehen und zu regulieren, ist es wichtig, ihm zunächst zu erklären, was Gefühle eigentlich sind. Gefühle lassen sich als Reaktionen beschreiben, die uns zeigen, wie wir eine Situation oder ein Ereignis empfinden. Sie sind normal und jeder hat sie – sie machen uns zu dem, wer wir sind. Den Umgang mit Gefühlen lernen Kinder am besten durch Beobachtung und Nachahmung. Du bist also als Vorbild gefragt. Zeige offen emotionale Reaktionen und erkläre, warum du dich so fühlst. Dies hilft deinem Kind, einen Wortschatz für seine eigenen Gefühle zu entwickeln und zu verstehen, dass es viele unterschiedliche Emotionen gibt, die es erleben kann.

      Empfinde ich gerade Enttäuschung oder Traurigkeit? Um diese Gefühle zu differenzieren, braucht dein Kind viele Gelegenheiten, über seine Emotionen zu sprechen und Fragen zu stellen. Spielt gemeinsam interaktive Spiele, lest zusammen Geschichten, die Emotionen thematisieren und besprecht die Gefühle der Charaktere. So fällt es deinem Kind leichter, seine eigenen Gefühle in ähnlichen Situationen zu erkennen und zu benennen.

      Ein effektiver Weg, deinem Kind beizubringen, seine Gefühle zu kontrollieren, besteht darin, ihm einfache Techniken der Emotionsregulation beizubringen, wie tiefe Atemübungen oder das Zählen bis zehn, bevor es reagiert. Solche Strategien können deinem Kind helfen, einen Moment zu pausieren und seine Reaktionen zu überdenken und so Kontrolle zu entwickeln. Durch diese Strategien lernt dein Kind nicht nur, seine Gefühle zu verstehen und zu benennen, sondern auch, wie es auf angemessene und gesunde Weise darauf reagieren kann.

      Was sind Gefühle? Einfach erklärt für Kinder: Gefühle sind wie eine innere Uhr, die uns zeigt, wie wir uns gerade fühlen. Sie können sich anfühlen wie Wärme und Freude, wenn wir glücklich sind, oder wie ein schwerer Stein in unserem Bauch, wenn wir traurig sind. Jedes Gefühl hilft uns zu verstehen, was um uns herum passiert und wie es uns damit geht.
      Gefühle bei Kindern

      Lernen von Emotionen: Übungen für Kinder

      Es gibt viele kreative Möglichkeiten, wie dein Kind spielerisch die Bedeutung unterschiedlicher Emotionen kennenlernen kann. Einige Übungen möchten wir dir näher vorstellen:

      1. Gesichter aus Zeitung ausschneiden und zuordnen: Durchsucht gemeinsam Zeitungen oder Zeitschriften nach Gesichtern, die verschiedene Emotionen zeigen. Schneide sie aus und diskutiere mit deinem Kind, welche Gefühle diese Gesichter ausdrücken könnten. Dies fördert die Fähigkeit deines Kindes, Emotionen zu erkennen und zu benennen.
      2. Stimmungsuhr mit beweglichem Zeiger basteln: Bastelt zusammen eine Stimmungsuhr, auf der verschiedene Emotionen statt Stunden angezeigt werden. Dein Kind kann den Zeiger auf sein aktuelles Gefühl einstellen. Dies hilft ihm, sich seiner Emotionen bewusst zu werden und diese auszudrücken.
      3. Gefühlen eine Farbe geben: Lass dein Kind Farben mit bestimmten Gefühlen verbinden und diese auf ein Blatt Papier malen – z. B. rot für Wut. Dies ermöglicht es dem Kind, seine Emotionen visuell darzustellen und damit umzugehen.
      4. Gefühls-Memory: Erstellt ein Memory-Spiel mit Karten, auf denen verschiedene Emotionen abgebildet sind. Wird ein passendes Paar aufgedeckt, sprecht gemeinsam über die Gefühle, die die Bilder darstellen. Das stärkt die Fähigkeit, Emotionen zuzuordnen und zu verstehen.
      5. Emotionen regulieren: Erarbeite mit deinem Kind Methoden, wie es sich beruhigen kann, wenn es aufgeregt ist. Das kann Singen, Tanzen, Hüpfen oder tiefes Atmen sein. Solche Aktivitäten helfen, Spannungen abzubauen und Gefühle zu kontrollieren.

      Neben diesen Übungen kannst du auch beim Vorlesen die Gefühle der unterschiedlichen Charaktere aufgreifen und mit deinem Kind darüber sprechen. „Aus welchem Grund weint der Junge auf dem Bild?“, „Der Hase kann seine Mama nicht finden, wie fühlt er sich wohl?“ oder „Worüber ärgert sich das Mädchen in dem Bild?“.

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      Kinder emotional stärken: wie Eltern auf die Gefühle ihrer Kinder reagieren können

      Die Art und Weise, wie Eltern auf die Gefühlswelt ihrer Kinder reagieren, spielt eine entscheidende Rolle in deren emotionaler Entwicklung. Hier sind einige Ansätze, wie du als Elternteil deinem Kind zur Seite stehen kannst und es bestmöglich unterstützt:

      • Einfühlsam reagieren: Der einfühlsame Umgang mit den Gefühlen deines Kindes stärkt dessen Selbstwertgefühl und Vertrauen. Kinder, die fühlen, dass ihre Emotionen Wert und Raum haben, entwickeln oft ein gesünderes emotionales Gleichgewicht und besseres Sozialverhalten.
      • Verständnis und Aufmerksamkeit zeigen: Wenn dein Kind unglücklich, wütend oder traurig ist, ist es wichtig, präsent und verständnisvoll zu sein. Zeige ihm, dass du seine Gefühle ernst nimmst, ohne sie überzubewerten. Ein einfaches „Ich sehe, dass du sehr traurig bist, möchtest du darüber sprechen?“ oder „Kannst du mir sagen, wo es dir wehtut und wie groß der Schmerz ist?“ ist deutlich wirksamer als die Emotionen mit einem „ist doch gar nicht schlimm“ herunterzuspielen.
      • Dem Kind Zeit geben: Bei intensiven Gefühlsausbrüchen ist es wichtig, ruhig und gelassen zu bleiben. Gib deinem Kind Zeit, sich zu beruhigen und besprich die Situation später, wenn sich dein Kind beruhigt hat. Beim gemeinsamen Reflektieren lernt es, mit seinen Emotionen umzugehen, anstatt von ihnen überwältigt zu werden. Das wirkt sich auch früh positiv auf den Umgang mit Konflikten innerhalb von Kinderfreundschaften aus.
      • Offenheit für Gefühlsäußerungen: Es ist nicht notwendig, dass Kinder über jedes Gefühl sprechen, sie sollten aber wissen, dass sie die Möglichkeit haben, wenn sie es möchten. Ermutige dein Kind zu offenen Gefühlsäußerungen, ohne dabei Druck auszuüben. Das hilft Kindern langfristig dabei, ihre eigenen Emotionen besser zu verstehen, zu verarbeiten und ihr Selbstbewusstsein zu fördern.

      Welche Erziehungsmaßnahmen du auch ergreifst, in dieser für Eltern oft nervenzerreißenden Phase hilft eine Formel ganz besonders: warten, aushalten, begleiten und trösten. Dass dabei auch die eigenen Emotionen auf die Probe gestellt werden, erleben wohl die meisten Eltern. Doch je mehr positive Erfahrungen dein Kind im Umgang mit Gefühlen sammelt, umso widerstandsfähiger wird es im Erwachsenenalter.

      Nahaufnahme einer kleinen Kinderhand in einem rosa Pullover, die den Zeigefinger eines Erwachsenen fest umklammert.

      Tipps von unserer Expertin Dr. Martina Stotz

      Um dir noch mehr Sicherheit im Umgang mit der Gefühlswelt deines Kindes zu geben, haben wir eine Expertin befragt. Die promovierte Pädagogin Dr. Martina Stotz erklärt, wie du Gefühle erkennst, benennst und dein Kind dabei unterstützt, mit seinen Emotionen umzugehen. Hier findest du ihre Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Gefühle und emotionale Entwicklung bei Kindern.

      Dr. Martina Stotz
      Promovierte Pädagogin
      Fachliche Leitung bei Elternleben.de

      Was ist der Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen?

      Dr. Martina Stotz: Emotionen sind tiefe, meist unbewusste Reaktionen des Körpers. Sie umfassen auch die Körperempfindungen wie z. B. Anspannung, Enge, Herzklopfen. Sobald diese Emotion gedanklich bewertet wird, sprechen wir von konkreten angenehmen Gefühlen, wie Freude oder Begeisterung oder unangenehmen Gefühlen wie Angst oder Wut. In Gefühlen steckt also eine subjektive und persönliche Interpretation der Emotion.

      Ein Beispiel: Wenn du Angst vor einer Ratte hast, und dein Körper erstarrt und dein Herz rast, ist das eine Emotion. Sobald du darüber nachdenkst, kannst du von deinem Gefühl berichten. Du bist ängstlich und vielleicht ekelst du dich.

      Welche Gefühle gibt es für Kinder? 

      Dr. Martina Stotz: Es gibt sechs wichtige Gefühle, die eigentlich jeder Mensch kennt. Das sind Angst, Wut, Traurigkeit, Überraschung, Freude und Ekel. Diese Gefühle sind schon bei Neugeborenen vorhanden, aber Babys und Kleinkinder können sie natürlich noch nicht benennen. Und für dich als Elternteil ist es manchmal auch schwer zu erkennen, ob dein Baby nun traurig, wütend, zufrieden oder überrascht ist. Es braucht Zeit, um die Gefühle des Babys und seine Reaktionen darauf feinfühlig zu erkennen.

      Die Gefühlswelt von Kindern entwickelt sich ständig weiter. Die eigenen Erfahrungen verändern, wie dein Kind Gefühle empfindet. Vielleicht ekelt es sich ganz plötzlich vor Spinnen, weil es mitgekriegt hat, dass viele Menschen sich vor Spinnen ekeln. Oder es hat Angst vor Hunden, weil der bellende Nachbarshund es erschreckt hat. Schon von Beginn an ist es empfehlenswert, wenn Eltern ihre Gefühle selbst benennen und einen breiten Gefühlswortschatz nutzen. Wenn Kinder ca. 3-4 Jahre alt sind, hilft es ihnen mit Gefühlen umzugehen, wenn sie diese auch benennen können. Wenn ein Kind ein Gefühl kennt und benennen kann, kann es dieses auch leichter regulieren.

      Welche emotionalen Meilensteine durchläuft mein Kind?

      Dr. Martina Stotz: Dein Baby entdeckt in der ersten Lebenszeit erstmal alle Gefühle und probiert sich aus.

      Im Kleinkindalter – mit dem Beginn der Autonomiephase – nimmt es seine Gefühle schon viel bewusster wahr. Es erlebt plötzlich viel häufiger Frustration und Wut sehr intensiv, z. B. wenn es etwas nicht darf oder nicht versteht. In diesem Alter hat dein Kind auch Interesse an den Gefühlen von anderen und vielleicht zeigt es schon Mitgefühl. Die Regulation der eigenen Gefühle klappt in diesem Alter nur mit der Hilfe der Eltern. Hier bist du als Elternteil gefragt, um mit der sogenannten Co-Regulation zu begleiten. Deswegen schlagen oder beißen manche Kinder in diesem Alter. Sie sind mit ihren Gefühlen überfordert. Das machen sie nicht mit böser Absicht. Es ist so, als würde ein großer Gefühlselefant durch den Körper wüten, den das Kind alleine nicht bändigen kann. Das bedeutet, dass du für dein Kind da bist, während es wütend ist, du ruhig atmest und versuchst ein sicherer Hafen zu sein. Du brauchst gar nicht viel sagen. Da sein und aushalten reicht!

      Im Kindergarten- und Vorschulalter kommen oft noch eine starke Fantasie und Ängste dazu. Dann wird von der magischen Phase gesprochen. Vielleicht kennst du die Monster-Angst vor dem Schlafengehen oder die Trennungsangst an der Kindergartentür? Das verschwindet bei den meisten Kindern im Grundschulalter wieder.

      In der Grundschule kann dein Kind seine Gefühlswelt schon besser selbst verstehen. Hier geht es dann darum, die Gefühle als Signale für Bedürfnisse zu verstehen. Ein Gefühl sagt, dass etwas wichtig ist und dass vielleicht ein Bedürfnis unerfüllt ist.

      Wie drücken Kinder ihre Gefühle aus?

      Dr. Martina Stotz: Babys zeigen ihre Gefühle mit der Körpersprache, z. B. zappeln sie oder sie klammern sich an die Bezugsperson. Babys nutzen aber auch schon Laute, z. B. glucksen, weinen, schreien oder sie lachen. Kleinkinder benutzen die Körpersprache anders. Sie stampfen z. B. auf den Boden oder verschränken die Arme, wenn sie wütend sind, sie weinen, wenn sie traurig sind und sie lächeln, hüpfen, klatschen in die Hände oder lachen bei Freude.

      Im Vorschul- und Grundschulalter rückt die Körpersprache wieder etwas in den Hintergrund, denn Kinder können Gefühle nun immer besser benennen und auch über sie sprechen. Außerdem kommt das Gefühl Scham hinzu. Dadurch nehmen sie sich mit ihrem ausgelassenen Verhalten etwas zurück.

      Welche Bedeutung haben Gefühle bei Kindern?

      Dr. Martina Stotz: Gefühle zeigen Kindern, ob ihre Bedürfnisse erfüllt sind. Ein Kind ist zufrieden und ausgeglichen, wenn alle wichtigen Bedürfnisse erfüllt sind. Wenn ein Kind sich Sorgen macht oder Angst hat, ist das ein erstes Zeichen für ein unbefriedigtes Bedürfnis, z. B. das Bedürfnis nach Sicherheit oder nach Orientierung. Es lohnt sich also genau hinzusehen und die Gefühle ernst zu nehmen. So lernen Kinder ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen kennen. Gerne kannst du als Elternteil auch nicht nur die Gefühle deines Kindes, sondern auch die Bedürfnisse benennen.

      Wie erkläre ich meinem Kind Gefühle?

      Dr. Martina Stotz: Gefühle sind wichtig für unser ganzes Leben. Ohne Gefühle wäre der Alltag im Grunde bedeutungslos. Für Kinder sind kindgerechte Erklärungen wichtig.

      Frage zum Beispiel: „Kennst du das Gefühl im Körper, wenn du morgens im Kindergarten auf deine beste Freundin zum Spielen wartest? Das Gefühl fühlt sich schön an, oder? Das ist Freude.“

      Oder sage: „Angst ist wie ein Alarm, der angeht, wenn etwas gefährlich ist. Vielleicht schlägt dein Herz schneller oder du atmest ganz schnell, vielleicht möchtest du dich auch verstecken oder wegrennen. Angst ist ein wichtiger Helfer, z. B. in gefährlichen Situationen, weil sie dich davor schützen kann, etwas Gefährliches zu tun.

      Zeige deinem Kind, dass alle Gefühle wertvoll sind und nicht negativ bewertet werden:

      Ich liebe dich mit all deinen Gefühlen. Alle Gefühle zeigen dir etwas. Die Angst zeigt dir, dass du Sicherheit brauchst. Die Traurigkeit zeigt dir, dass du Nähe brauchst. Die Freude zeigt dir, dass du gerade glücklich bist.

      Ein Mann springt lachend am Sandstrand in die Luft, während sein kleines Kind mit langen Haaren und ausgebreiteten Armen vor ihm steht.

      Wie kann ich die emotionale Entwicklung meines Kindes fördern?

      Dr. Martina Stotz: Besonders wichtig ist, dass du mit deinem Kind über Gefühle sprichst und sie nicht bewertest. Es gibt keine guten und schlechten Gefühle, denn alle Gefühle sind in Ordnung und wichtig. Für dein Kind sind die Gefühle wie ein kleiner Kompass, der ihnen hilft, auch ihre Bedürfnisse zu entdecken. Wenn dein Kind beispielsweise wütend ist, steckt dahinter ein unerfülltes Bedürfnis. Das kann das Bedürfnis nach Autonomie oder das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit sein. Wenn dein Kind die Chance hat, jedes Gefühl zu erleben und auszuleben, dann kann es lernen, mit den Gefühlen und auch mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen. Es lernt sogenannte Emotionsregulationsfähigkeiten. Deswegen ist es auch so wichtig, dass dein Kind durch Gefühle begleitet wird und nicht verurteilt wird, wenn es einen Gefühlsausbruch hat.

      Wie schaffe ich ein Umfeld, damit Kinder lernen, ihre Gefühle offen auszudrücken?

      Dr. Martina Stotz: Du bist das Vorbild für dein Kind. Du kannst deinem Kind helfen, indem du offen über deine Gefühle sprichst. Beschreibe ihm, wie du dich fühlst, wenn du traurig, wütend oder froh bist. Ihr könnt auch Bilderbücher nutzen, um darüber ins Gespräch zu kommen.

      Wichtig ist auch, Gefühle nicht zu bewerten. Sage z. B. nicht: „Hör auf zu schreien, es gibt keine Süßigkeiten mehr.“ Sage besser: „Ich habe gesehen, dass du wütend bist. Du möchtest noch mehr Süßigkeiten. Mir ist wichtig, dass du gesund bleibst. Deshalb essen wir heute noch etwas Gesundes.“ Du kannst deinem Kind natürlich auch Nähe anbieten, wenn es sie akzeptiert oder ihm seinen Raum geben, wenn es dich wegschickt. Schau nur gerne nach wenigen Minuten wieder nach deinem Kind, ob es deine Nähe nicht doch braucht.

      Wie viele Emotionen dürfen Eltern vor ihren Kindern zeigen?

      Dr. Martina Stotz: Es ist wichtig, dass dein Kind auch deine Emotionen sehen kann. Es darf lernen, dass jeder Mensch Gefühle hat. Sprecht offen darüber, wenn ihr z. B. traurig, fröhlich, wütend oder überrascht seid. So lernt dein Kind, wie unterschiedlich sich Gefühle zeigen können.

      Wichtig ist allerdings auch, dass Eltern die Verantwortung für ihre Gefühle übernehmen und auf Sätze wie:

      „Wegen dir bin ich traurig!“

      „Du machst mich wütend!“

      verzichtet wird. Diese Sätze lösen Schuldgefühle beim Kind aus. Wenn du dich z. B. über das unaufgeräumte Zimmer ärgerst und wütend bist, dann war die Situation der Auslöser für dein Gefühl. Trotzdem bist du dafür zuständig, dein Gefühl auszuhalten. Dein Kind trägt hierfür keine Verantwortung.

      Wie gehe ich mit starken Gefühlen bei Kindern um?

      Dr. Martina Stotz: Zuallererst darfst du dich als Elternteil in Ruhe und Gelassenheit üben. Alle Eltern erleben diese herausfordernden Momente und es ist ok, wenn du dich damit manchmal überfordert fühlst. Wenn es dir schwerfällt, mit der Wut deines Kindes umzugehen, dann atme tief ein und aus und entspanne deinen Körper, indem du ihn z. B. durchschüttelst. Mache dir bewusst: Dein Kind handelt nicht gegen dich, sondern für sich. Es versucht auf seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Es will dich nicht provozieren.

      Biete deinem Kind Nähe an, wenn es möchte. Wenn es keine Nähe möchte, bleibe bei ihm und sage ruhig: „Ich bin hier bei dir, wenn du mich brauchst. Es ist ok, dass du wütend bist.“ Wenn dein Kind schlägt oder Dinge wirft, dann achte darauf, dass niemand verletzt wird. Halte es liebevoll fest und sage ihm z. B.: „Deine Hände bleiben bei dir.“ oder „Das Spielzeug bleibt am Boden.“ So lernt dein Kind langfristig, dass Wut in Ordnung ist, aber niemand und nichts verletzt werden darf.

      Wenn dein Kind traurig ist, sprecht offen darüber. Benennt die Gründe für Traurigkeit, biete deinem Kind Nähe an und lasse es weinen, wenn es das braucht. Wenn ihr Traurigkeit zulasst, kann sie besser verarbeitet werden.

      Wie können Eltern ihre Kinder in emotionalen Krisen unterstützen?

      Dr. Martina Stotz: Kinder brauchen Sicherheit – das ist ein wichtiges Bedürfnis. In emotionalen Krisen, z. B. bei Todesfällen, Trennung oder Umzug, kommt das Bedürfnis nach Sicherheit ins Wanken. Vielleicht hat dein Kind plötzlich Trennungsangst oder Sorge, dass es noch eine andere wichtige Person im Leben verliert. In solchen krisenhaften Phasen ist es wichtig, viel darüber zu sprechen und alle Fragen altersgerecht zu beantworten. Wenn du als Elternteil mal keine Antwort auf eine Frage hast, ist es völlig in Ordnung, wenn du das deinem Kind auch sagst, z. B. so: „Das weiß ich gerade nicht genau. Ich denke darüber nach und wir können später darüber sprechen.“

      Was kann ich tun, wenn mein Kind nicht über Gefühle spricht?

      Dr. Martina Stotz: Höre deinem Kind aufmerksam zu. Wenn du ein Gefühl in seinen Worten entdeckst, dann hilf ihm das zu verbalisieren, z. B.: „Oh, das hört sich so an, als wärst du ziemlich wütend gewesen, oder?“ Manchmal können Kinder Gefühle zwar wahrnehmen, aber es fällt ihnen schwer, sie zu benennen. Wenn du als Elternteil mithilfst, kann es mit der Zeit leichter werden.

      Bilderbücher können auch eine große Hilfe sein, weil dein Kind dann erstmal nicht über seine eigenen Gefühle, sondern über die der Bilderbuchhelden sprechen kann. Das macht es leichter, darüber ins Gespräch zu kommen.

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