u-untersuchungen

Die U-Untersuchungen - eine wichtige Form der Früherkennung

In keinem anderen Lebensabschnitt macht der Mensch so gewaltige Entwicklungsschritte wie in seinem ersten Lebensjahr. Ob die Entwicklung eines Kindes auch tatsächlich normal verläuft, kann nur der erfahrene Kinder- und Jugendarzt beurteilen. Deshalb findet in geregelten Abständen eine Untersuchung für Baby statt. U-Untersuchungen bei Kindern sind in Deutschland gesetzlich geregelt. Somit haben Kinder bis kurz nach Vollendung ihres fünften Lebensjahres einen rechtlichen Anspruch auf insgesamt neun Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten oder Entwicklungsstörungen.


das gelbe heft für u-untersuchungen

Wird das neugeborene Kind aus der Klinik entlassen, bekommen die Eltern ein gelbes Untersuchungsheft ausgehändigt. In diesem Heft werden die Ergebnisse aller Baby Untersuchungen eingetragen. Das Vorsorgeheft muss sorgfältig aufbewahrt und bei allen folgenden Baby Untersuchungen dem Kinder- und Jugendarzt vorgelegt werden. Die bei den Vorsorgeuntersuchungen entstehenden Kosten müssen von den Eltern nicht selbst getragen werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Einhaltung der Terminfristen. Nur dann werden die Leistungen von den Krankenkassen übernommen!

Lediglich die inzwischen eingeführte Ultraschalluntersuchung (Hüft-Sonographie) der Säuglingshüfte im Rahmen der U3, die erweiterte Neugeborenenstoffwechsel-Früherkennung sowie ein Dokumentationsbogen für die J1 wurden bis heute noch nicht in das gelbe Heft für U-Untersuchungen bei Kindern aufgenommen.


die u-untersuchungen im überblick

Im Jahr 1971 wurde in Deutschland erstmals ein Kindervorsorgeprogramm auf eine gesetzliche Grundlage gestellt – die U-Untersuchungen bei Kindern. Das Programm umfasste ursprünglich acht Untersuchungen bis zum vierten Lebensjahr. Später wurde die Baby Untersuchungen um die U9 im fünften Lebensjahr und 1996 um die J1 – die Jugendgesundheitsberatung – zwischen dem 12.–15. Lebensjahr ergänzt.

 
  • U1 – die erste Untersuchung für Baby findet direkt nach der Entbindung im Kreissaal statt
  • U2 – zweite Vorsorge bzw. Neugeborenen-Basisuntersuchung, zwischen dem 3. und 10. Lebenstag
  • U3 – die dritte Untersuchung für Baby zwischen der 4. und 5. Lebenswoche
  • U4 – vierte Vorsorge, zwischen dem 3. und 4. Lebensmonat
  • U5 – die fünfte Untersuchung für Baby sollte am besten zwischen dem 6. und 7. Lebensmonat stattfinden
  • U6 – im ersten Lebensjahr deine letzte Untersuchung Baby: Kurz bevor das Kind ein Jahr alt ist, erfolgt mit der U6 die so genannte „Einjahresuntersuchung“
  • U7 – siebte Vorsorge, am besten zwischen dem 21. und 24. Lebensmonat. Neu für die U-Untersuchungen bei Kindern: U7a, im Alter von 3 Jahren mit Beginn des Kindergartenalters
  • U8 – die achte Vorsorge, mit vier Jahren
  • U9 – die neunte Vorsorge, mit ca. fünf Jahren
  • J1 – wichtige Vorsorge für Jugendliche
 
NEU: U10 (7–8 Jahre), U11 (9–10 Jahre) und J2 (16–17 Jahre) gehören ebenfalls zu den U-Untersuchungen bei Kindern, sind aber keine Bestandteile der gesetzlichen Krankenversicherung und müssen deshalb privat bezahlt werden.


details zu den ersten drei u-untersuchungen


u1– deine erste untersuchung baby!

Die U1 findet direkt nach der Entbindung im Kreißsaal statt. Zunächst wird begutachtet, ob das Kind die Geburt ohne Verletzungen überstanden hat und in welchem Gesundheitszustand es sich befindet. Dabei werden Herz und Lunge abgehorcht, die Haut auf ihre Durchblutung untersucht sowie Muskelspannung und angeborene Reflexe sorgfältig überprüft.

Die erste Untersuchung für Baby wird auch als "AGPAR-Test" bezeichnet. Er wird nach Punkten beurteilt und entsprechend ausgewertet. Für jede einzelne Funktion werden null bis zwei Punkte vergeben. Bei einem "AGPAR-Wert" zwischen acht und zehn ist das Neugeborene gesund. Liegt der Wert zwischen fünf und sieben Punkten, ist der Gesundheitszustand des Kindes beeinträchtigt. Unter fünf Punkten ist eine sofortige medizinische Maßnahme notwendig. Der "AGPAR-Test" wird nach fünf und noch einmal nach zehn Minuten wiederholt.

Im Rahmen der U1 finden noch zwei weitere Baby Untersuchungen statt: Es wird etwas Blut aus der Nabelschnur entnommen und auf seinen Sauerstoffgehalt hin untersucht. Das verschluckte Fruchtwasser wird abgesaugt und dabei gleichzeitig überprüft, ob Nase und Speiseröhre frei durchgängig sind.

Bei dieser Vorsorgeuntersuchung erhält das Neugeborene ebenfalls Vitamin-K-Tropfen, um eine Unterversorgung, die eine Blutgerinnungsstörung verursachen kann, auszugleichen. Anschließend wird das Neugeborene von der Hebamme gewogen sowie Körperlänge und Kopfumfang gemessen.

u2 – die neugeborenen-basisuntersuchung

Die zweite Untersuchung für Baby findet normalerweise zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag, meist noch in der Entbindungsklinik, statt. Dabei werden nicht nur die Organe, die Verdauungstätigkeit, Geschlechtsteile, Haut und Knochen, sondern auch die Reflexe des Nervensystems überprüft. Zudem wird mit einem speziellen Haltegriff die Funktionstüchtigkeit des Hüftgelenks getestet. Mittlerweile werden in vielen Kliniken Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, um Entwicklungsstörungen im Hüftgelenk vorzeitig zu erkennen. Das Kind erhält erneut Vitamin-K-Tropfen zur Vorbeugung.

Durch eine Blutentnahme zwischen der 36. und 72. Lebensstunde – aus der Handrückenvene oder der Ferse – können Krankheiten wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), die Eiweiß-Stoffwechsel-Erkrankung (Phenylketonurie), bestimmte Fettstoffwechselstörungen oder die Zucker-Stoffwechselerkrankung (Galaktosämie) frühzeitig erkannt werden.

die u3 – das erste mal in der kinderarztpraxis

Zwischen der vierten und fünften Lebenswoche ist die dritte Untersuchung für Baby fällig. Da in den meisten Fällen die ersten beiden Baby Untersuchungen in der Klinik stattfinden, ist die U3 die erste Untersuchung für Baby in einer Kinder- und Jugendarztpraxis.

Der Kinder- und Jugendarzt kontrolliert, ob sich das Neugeborene in den vergangenen Wochen altersgerecht entwickelt hat. Gründlich überprüft er die Körperfunktionen, das Hörvermögen und die angeborenen Reflexe. Bei der dritten Untersuchung am Baby wird das Hüftgelenk mittels Ultraschall auf Entwicklungsstörungen oder Fehlbildungen hin untersucht.

 

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