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Überlebenswichtig: frühkindliche Reflexe

Augen schließen, Luft anhalten, nach der Mutterbrust suchen – das sind einige frühkindliche Reflexe, mit denen Neugeborene ausgestattet sind, sobald sie das Licht der Welt erblicken. Diese Bewegungsmuster schützen Ihr Baby und helfen bei der Nahrungssuche und -aufnahme. Erfahren Sie, welche Saugreflexe, Schreireflexe und mehr Ihr Baby ab Tag eins alles kann. 


Was sind frühkindliche Reflexe? 

Die Neugeborenen-Reflexe entwickeln sich bereits im Mutterleib und helfen Ihrem Säugling durch die ersten Lebensmonate. Es handelt sich um automatische Reaktionen des Körpers auf äußere Reize, die ohne aktives Zutun passieren. Nach und nach kommen im Säuglingsalter Reflexe hinzu und die frühkindlichen verschwinden. Für das Heranwachsen Ihres Säuglings sind diese körperlichen Reaktionen lebenswichtig. 
Dazu gehört, dass es den Kopf zur Seite dreht, wenn es mit dem Gesicht nach unten liegt. So kann es weiteratmen. Dank des Suchreflexes findet ein Säugling instinktiv die Brust der Mutter, wenn es hungrig ist und die Milchquelle in der Nähe spürt. Durch den Saug- und Schluckreflex saugt es Milch aus der Brust und schluckt sie herunter.


Die wichtigsten frühkindlichen Reflexe sind:

  • Suchreflex: Ihr Baby folgt dem Geruch der Brust, um Nahrung zu bekommen. Dieser Reflex hält etwa drei Monate an.
  • Schluck- und Saugreflex: Er sorgt dafür, dass Ihr Baby in der Lage ist, Nahrung aufzunehmen.
  • Greifreflex: Finger und Zehen schließen sich bei Berührung – funktioniert bei Händchen und Füßchen. 
  • Schreitreflex: Halten Sie Ihr Baby aufrecht und die Fußsohlen berühren den Boden, beginnt es instinktiv zu schreiten – ein Vorbote des Laufens.
  • Moro-Reflex: Zeigt, ob der Gleichgewichtssinn ausgeprägt ist. Fällt das Baby oder wird es nach hinten geneigt, reißt es die Ärmchen nach vorn und führt sie zur Brust, als wollte es etwas umklammern. Dieser Schutz-Reflex wird auch im Schlaf ausgelöst.
  • Asymmetrisch tonischer Nackenreflex (ATNR): Neigen Sie den Baby-Kopf zu einer Seite, werden die Gliedmaßen derselben Seite mitgestreckt. Nach einem halben Jahr sollte dieser Reflex verschwinden, sonst werden das Krabbeln- und Laufenlernen beeinträchtigt.
  • Atemschutzreflex: Automatisch stellt der Körper sicher, dass kein Wasser in die Lunge dringt. Vorsicht beim Babyschwimmen und Tauchen: Geschlucktes Wasser kann trotzdem in die Lunge geraten, Erstickungsgefahr!
  • Diese reflexartigen Bewegungsabläufe sollten innerhalb des ersten Lebensjahres von natürlichen Bewegungen abgelöst bzw. gehemmt/integriert werden, und die nachfolgenden Halte- und Stellreflexe bilden sich heraus. Üben Reste der frühkindlichen Reflexe weiterhin ihren Einfluss aus, bilden sie eine strukturelle Schwäche im zentralen Nervensystem. Dieses kann die Entwicklung der nachfolgenden Halte-und Stellreaktionen teilweise oder ganz verhindern.
  • Restreaktionen: Die Probleme der Kinder, bei denen Restreaktionen frühkindlicher Reflexe bestehen bleiben, werden oft nicht richtig eingeordnet, sie können subtil und diffus sein. Für die Kinder bedeutet das, dass sie viel Energie aufbringen müssen, um gegen diese Rest-Reflextätigkeiten anzukämpfen, ohne es einordnen zu können.

So funktionieren die Neugeborenen-Reflexe

In den Vorsorgeuntersuchungen wird Ihr Kinderarzt frühkindliche Reflexe überprüfen. Durch Berühren von Hand- oder Fußflächen testet er den Greifreflex, durch das vorsichtige Entlangfahren mit dem Fingernagel neben der Wirbelsäule den Rückgratreflex. Hier beugt sich die Wirbelsäule zum Reiz hin. Insgesamt kontrolliert der Arzt, ob alle Reflexe nach den richtigen Bewegungsmustern ablaufen und mit fortschreitenden Lebensmonaten wie vorgesehen verschwinden.

Die frühkindlichen Reflexe sind wichtige Bausteine zur Entwicklung von Muskulatur und Motorik. Unterstützen Sie Ihr Kind, indem Sie es spielerisch und altersgerecht zu Bewegungen animieren. Vielleicht haben Sie Lust, einen Kurs zur Entwicklungsförderung zu besuchen. Das Angebot reicht von Baby-Massage und Baby-Yoga über Baby-Sprachkurse bis hin zu Babyschwimmen und Krabbelgruppen. Hier werden gezielt die verschiedenen Bereiche des Körpers aktiviert. Jeder kleine Entwicklungsschritt Ihres Kindes wirkt sich auf das Gehirn aus. Neue Verknüpfungen werden gebildet, Fähigkeiten nach und nach ausgebaut, das Gelernte wird gespeichert.


So testen Sie Reflexe beim Baby

Viele Reflex-Tests ergeben sich im täglichen Umgang mit Ihrem Nachwuchs. Tippen Sie zum Beispiel mit der Fingerspitze auf die Lippen, formt es den Mund oder leckt sich die Lippen. Sie aktivieren den Suchreflex. Liegt Ihr Baby auf dem Bauch und winkelt die Beine an, üben Sie leichten Druck auf die Fußsohlen aus. Es wird versuchen, dem Druck zu entweichen und vorwärts kriechen. Das Selbsttesten ersetzt nicht die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Die erste Untersuchung findet direkt nach der Geburt statt („U1“) und erstreckt sich bis zur „U10“ im Alter von 13 Jahren.


Einige frühkindliche Reflexe müssen verschwinden, einige bleiben

Den Moro-Reflex gilt es im Blick zu behalten. Zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat wird er normalerweise durch den erwachsenen Schreckreflex ersetzt. Bleibt der Moro-Reflex bestehen, sind Kinder schreckhaft, unkontrollierte Bewegungen reißen sie aus dem Schlaf. Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen, Ängstlichkeit, Gleichgewichtsprobleme, Lichtempfindlichkeit oder Überempfindlichkeit bei Geräuschen können die Folgen sein. Sie helfen Ihrem Baby, indem Sie es fest in eine Decke oder eine Puckhilfe einwickeln. Diese Bewegungseinschränkung erinnert an die geborgene Zeit im Mutterleib und beruhigt.

Einige angeborene Reflexe begleiten uns von der Geburt bis zum Ende unseres Lebens: Husten nach dem Verschlucken, Niesen oder der Lidschluss zum Schutz vor Fremdkörpern in Nase und Augen oder das Ausstrecken der Arme, wenn wir fallen. Das Beispiel Moro-Reflex zeigt, dass einige frühkindliche Reflexe ein Ablaufdatum haben sollten.


Die frühkindlichen Reflexe sind überlebenswichtig

Frühkindliche Reflexe sind wichtig für die motorische und mentale Entwicklung Ihres Babys. Jeder Reflex hat seine Lebensphase, einzelne sollten sich im Laufe der ersten Lebensmonate verlieren. Sie werden den Asymmetrischen Tonischen Nackenreflex, den Moro-Reflex oder den Schreireflex kennenlernen. Ihr Kinderarzt unterstützt Sie durch die Vorsorgeuntersuchungen, diese Entwicklung regelmäßig zu überwachen und falls nötig durch Entwicklungsförderung aktiv gegenzusteuern.