Schlafen

Babyschlaf – eine Frage der Zeit

Schlaf ist ein natürliches Bedürfnis. Jedes Baby schläft also – mehr oder weniger. Eltern hätten gern Einfluss auf die Schlafzeiten und verzweifeln oft, weil ihr Neugeborenes nicht dann zur Ruhe kommt, wenn sie es wollen oder wenn es mitten in der Nacht aufwacht und nicht gleich wieder von selbst einschläft. Ein für die Eltern anstrengendes Schlafverhalten. Wann ist mit Durchschlafen des Kindes zu rechnen, wie können Eltern den Schlafrhythmus beeinflussen und wie viel Schlafbedarf hat ein Baby im ersten Jahr? 


Einschlafrituale helfen Neugeborenen, einen Schlafrhythmus zu entwickeln

Ein Säugling hat noch keinen Tag-Nacht-Rhythmus, er begreift nicht, warum er abends allein im Bettchen liegen soll. Kein Wunder also, dass er wimmert und schreit. Was tun? Geduld haben und Geborgenheit geben. 
Neugeborene schlafen auf Tag und Nacht verteilt im Schnitt 16,5 Stunden. Die Schlafgewohnheiten vom Baby sind unterschiedlich. Je öfter das Kind beispielsweise tagsüber ruht, desto kürzer ist die Nachtschlafphase. Ist das Baby gegen Abend mal wieder müde, sollte es nach einhelliger Auffassung von Psychologen und Kinderärzten nicht bis zum endgültigen Einschlafen herumgetragen, sondern noch halbwegs wach ins Bett gelegt werden. Ein Schlaflied oder auch Händchenhalten sind schöne Einschlafrituale, um dem Kind zu zeigen, dass es nicht alleingelassen wird. Bis zum Alter von drei bis vier Monaten können Kinder noch nicht allein in den Schlaf finden und brauchen Einschlafhilfen. Babys schreien zu lassen, damit sie vermeintlich müde werden, ist daher aus Sicht von Kinderärzten und Entwicklungspsychologen nicht ratsam. Vor allem im ersten halben Jahr braucht das Baby die Gewissheit, dass es nicht allein ist, sondern jemanden in der Nähe hat, der sich kümmert, es streichelt. 
Das Pucken, also das feste Einwickeln, das gerade Neugeborenen ein Gefühl schützender Enge wie im Mutterleib geben soll, ist aktuellen Studien zufolge in der Praxis heute nicht mehr bewährt: So rät der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte von der Wickeltechnik ab, weil sie das Risiko für eine Hüftdysplasie und durch die Rückenlage eine Abflachung des Hinterkopfs begünstigen kann.


Durchschlafen: Ein strukturierter Tagesablauf ist hilfreich

Einen Schlafrhythmus mit längeren Durchschlafphasen haben zwei Drittel aller Kinder erst mit ungefähr drei Monaten. Bis dahin wird der Nachtschlaf unterbrochen von dem Bedürfnis nach ein oder zwei Milchmahlzeiten. Wacht das Baby am Anfang also noch alle drei bis vier Stunden auf, weil es Hunger hat, braucht es mit etwa sechs Monaten nachts in der Regel nichts mehr trinken. Die großen Mahlzeiten werden auf den Tag gelegt. Die Schlafentwicklung wird von Monat zu Monat also immer besser. Eltern können ihr Kind auch dabei unterstützen, schlafen zu lernen. Etwa, indem sie für einen strukturierten Tagesablauf sorgen. Für einen guten Schlafrhythmus raten Kinderärzte grundsätzlich zu einem strukturierten Tagesablauf, er sollte ausreichend Ruhepausen, aber auch körperliche Aktivitäten enthalten. Mit neun Monaten beträgt die durchschnittliche Schlafdauer etwa 14 Stunden. Das bedeutet, dass manche Kinder in der Nacht auch mit unter zehn Stunden auskommen. Eltern sollten die durchschnittliche Schlafdauer kennen, um das Kind nicht zu früh, aber auch nicht zu spät abends ins Bett zu bringen. Der beste Zeitpunkt, um ein Baby schlafen zu legen ist, wenn es erste Anzeichen von Müdigkeit zeigt, etwa indem es sich die Augen reibt. Den Schlaf können die Eltern beeinflussen, indem sie zum Beispiel versuchen, das Kind nicht so früh ins Bett zu legen, dass es in den frühen Morgenstunden schon wieder aufwacht, andererseits aber auch nicht den Mittagsschlaf so auszudehnen, dass es abends erst spät einschläft. Ein Nickerchen zwischendurch tut auch vielen Kindern gut.


Babys schlafen gerne im Elternbett

Hat das Kind nachts kürzere Schlafphasen und weint nach dem Aufwachen, will es sich in der Regel der Nähe seiner Eltern vergewissern. Sanftes Streicheln und ruhiges Zureden reicht dann manchmal schon. Im Zweifel muss dieses Ans-Bettchen-Treten und Beruhigen sich noch einige Male wiederholen, bis das Kind wieder fest schläft. Auch hier gilt: Es braucht Zeit. 
Das Kind mit ins Elternbett zu nehmen, ist aus Gründen der Evolution nichts Ungewöhnliches: Jahrhundertelang schliefen alle Mitglieder einer Familie im selben Raum, dicht beieinander. Forschungen haben ergeben, dass sowohl der Schlaf des Neugeborenen als auch der der Mutter tatsächlich eher erholsam als unruhig ist, wenn sie zusammen in einem Bett schlafen. Andere Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass auch keineswegs die Selbstständigkeit des Kindes beeinträchtigt wird, wenn es regelmäßig im Elternbett schläft. Allenfalls leidet darunter die Paarbeziehung zwischen Mutter und Vater. Das Bedürfnis, bei den Eltern zu liegen, nimmt bei den Kindern mit zunehmendem Alter übrigens ab: Vor allem mit etwa zwei Jahren, im sogenannten Trotzalter, wächst der Wunsch nach Eigenständigkeit – und damit der Wunsch, im eigenen Bett einzuschlafen und aufzuwachen.


Schlafumgebung: So ruht das Baby sicher

Es gilt inzwischen als sicher, dass Säuglinge nicht auf dem Bauch, sondern auf dem Rücken liegen sollten, um dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen. Über die Ursache dieses Phänomens streiten Mediziner bis heute. Die meisten Ärzte nehmen an, dass der Kindstod durch eine Atemstörung verursacht wird. Wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren zusammen. Umso wichtiger ist eine gesunde Schlafumgebung für Kinder. Die Atemwege des Babys müssen frei sein und es darf nicht überhitzen. Daher sind Lammfelle, große Kuscheltiere, gepolsterte Bettumrandungen und dicke Federkissen im Babybett tabu. Alles, was das Gesicht des Kindes bedecken oder sich um den Hals wickeln könnte, ist gefährlich. Eine feste Matratze ist ebenso empfehlenswert wie ein Schlafsack statt einer Decke. 


Der Babyschlaf und die verschiedenen Schlafphasen

Gesunder Schlaf ist wichtig für die Entwicklung des Babys. Er fördert Gesundheit, Lernfähigkeit und Wachstum. Eltern müssen vor allem in den ersten Monaten nach der Geburt geduldig sein. Das Kind braucht Zeit, um seinen Schlaf-Wach-Rhythmus zu finden. Ein strukturierter Tagesablauf hilft dabei. 
 

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