Schwangerschaftsmythen
Mythos Nr. 1: Schwangere müssen für zwei essen
Schwangere müssen nicht doppelt so viel, sondern eher doppelt so gut essen! Denn wahr ist, dass in der Schwangerschaft ein erheblich höherer Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen besteht.
Mythos Nr. 2: Essiggurken & Co - Heißhunger und besondere Gelüste
Dass jede Schwangere wild auf Essiggurken ist, stimmt nicht. Aber dass werdende Mütter eine Vorliebe für „außergewöhnliche kulinarische Kreationen“ wie z. B. „Rollmops an Nutella“ haben, ist nicht zu verleugnen. Wissenschaftler konnten dieses Phänomen zwar nicht endgültig entschlüsseln, aber es besteht die Vermutung, dass die hormonelle Umstellung, sowie der steigende Gehalt des Schwangerschaftshormons HCG – vor allem in der Frühschwangerschaft – dafür verantwortlich sein könnten. Dass es manche Schwangere eher zu salzigen oder sauren Speisen „hinzieht“, kann aber auch an der erhöhten Östrogen-Konzentration liegen. Diese lässt den Speichel süßer schmecken. Dadurch kann das Verlangen nach Herzhaftem zusätzlich gesteigert werden.
Mythos Nr. 3: Jede Schwangere bekommt Schwangerschaftsstreifen
Stimmt nicht! Generell bekommt nur etwa die Hälfte aller Schwangeren Dehnungsstreifen. Jüngere Frauen, deren Gewebe straffer ist und somit schneller reißt, sind stärker betroffen als ältere. So oder so: Sind Schwangerschaftsstreifen erst einmal vorhanden, sind sie so gut wie nicht mehr wegzubekommen.
Tipp: Von Anfang an regelmäßig mit Massageölen oder Cremes vorbeugen.
Mythos Nr. 4: Jede Schwangerschaft kostet einen Zahn
Dass jede Schwangerschaft der werdenden Mutter einen Zahn kostet, ist nicht mehr als eine Legende. Wahr daran ist allerdings, dass in der Schwangerschaft ein erhöhter Bedarf an Calcium vorliegt. Wenn dieser nicht gedeckt wird, können die Zähne so stark geschädigt werden, dass sie ausfallen. Da Bakterien durch die Hormonumstellung generell leichteres Spiel haben können, sollte Mundhygiene während der Schwangerschaft umso ernster genommen werden. Also ran an Zahnbürste und Zahnseide.
Mythos Nr. 5: Haare färben in der Schwangerschaft ist ein Risiko.
Bisher gibt es keine ausreichenden Belege dafür, ob die Verwendung chemischer Haarfarbe während der Schwangerschaft ungefährlich ist oder nicht. Fälle, bei denen Geburtsschäden durch Chemikalien in Haarfärbemitteln ausgelöst wurden, sind jedoch bis heute beim Menschen nicht festgestellt worden. Klar ist: Die Chemikalien, die sich in Haarfarbe und Haartönung befinden, sind nicht hochgiftig. Immerhin sind diese Mittel ja nun schon eine Weile auf dem Markt, und keine Studie konnte bisher einen negativen Effekt auf Babys nachweisen. Viele Ärzte halten deshalb das Haare färben in der Schwangerschaft für relativ ungefährlich.
Tipp: Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, verzichten Sie auf das Haare färben in der Schwangerschaft oder steigen auf rein pflanzliche Haarfarbe wie Henna um. Es ist wichtig, dass Sie sich wohl fühlen in ihrer Haut. Denken Sie also darüber nach, ob das Haare färben in der Schwangerschaft Ihr Wohlbefinden steigert - oder ob Sie sich dadurch womöglich neun Monate lang unnötige Sorgen machen.

Mythos Nr. 6: Sex während der Schwangerschaft schadet dem Baby
Stimmt nicht! Dass man auf Sex während der Schwangerschaft verzichten muss, um vorzeitigen Wehen oder wo-möglich eine Verformung des Babys zu vermeiden, ist ein Trugschluss. Das Baby ist durch das Fruchtwasser und die Muskeln der Gebärmutter bestens geschützt. Auch Wehen werden normalerweise nicht ausgelöst. Vorsicht ist allerdings bei Risikoschwangerschaften geboten.
Mythos Nr. 7: Spitzbauch steht für Mädchen oder Junge. Stammhalter in Anmarsch
Falsch! Dass die Bauchform das Geschlecht des Kindes beschreibt, ist ein Ammenmärchen. Weder ein spitzer, nach vorn gewölbter Bauch lässt auf einen Jungen schließen noch ein runder Babybauch auf ein Mädchen. Die Bauchform wird durch die körperliche Anatomie der Mutter bestimmt und nicht dadurch, dass ein Mädchen oder Junge das Licht der Welt erblicken wird.
Mythos Nr. 8: . Das „Übel am Morgen“ Indiz für Mädchen oder Junge? Mädchen!
Wird es ein Mädchen, dann hat die Mutter verstärkt mit Übelkeit zu tun. Tatsächlich ist da was dran. Das behaupten jedenfalls Forscher des „Karolinska-Instituts“ in Stockholm. Die schwedische Studie an einer Million schwangerer Frauen zeigte: Schwangere, die über starke Morgenübelkeit klagten, brachten öfter Mädchen als Jungen zur Welt. Auch die Kollegen der „Universität Baltimore“ kamen zu diesem Ergebnis, wenn auch im kleineren Rahmen: Von 66 Schwangeren, die unter unstillbarem Erbrechen litten, gebaren 44 Frauen ein Mädchen.
Mythos Nr. 9: Die Sache mit der Vergesslichkeit …
Viele Frauen beklagen sich während und sogar noch nach ihrer Schwangerschaft über Gedächtnislücken. Ursächlich könnten auch hierfür wieder die Schwangerschaftshormone sein: Denn der erhöhte HCG beeinflusst die Gedächtnisleistung. Nicht wenige Experten vermuten allerdings, dass auch der Schlafmangel eine Rolle spielt.
Mythos Nr. 10: Keine PDA* möglich wegen Rückentattoos?!
Stimmt nicht! Sofern die Tätowierung professionell gestochen ist, sind die Farbpigmente fest in der Haut verankert und gelangen durch den Einstich der Anästhesienadel nicht in den Körper. Auch Tattoos über dem Steißbein, die sogenannten „Hirschgeweihe“, sind kein Hinderungsgrund, da die Narkose weiter oben angesetzt wird. Narkoseärzte suchen sich zudem meist eine Stelle, an der selbst bei einer großflächigen Tätowierung keine Farbe ist, wie etwa das Auge eines Drachen.
*(Periduralanästhesie= regionalbetäubende Narkosespritze in den unteren Teil des Rückens)

Expertentipp: Umgang mit Halbwahrheiten
Dr. med. Matthias Krick, Frauenarzt aus Moers
"Zu kaum einem anderen Thema finden Sie so viele Halbwahrheiten. Was ich hierzu schon alles gehört habe! Lassen Sie sich als Schwangere von den vermeintlichen „Experten“ nicht verunsichern. Hören Sie interessiert zu, lächeln Sie unverbindlich und fragen Sie dann die wirklichen Experten – Ihren Frauenarzt oder Ihre Hebamme."
Sie können Ihnen z. B. mit Sicherheit zeigen, ob ein Mädchen oder Junge in Ihrem Bauch heranwächst. Oder wenn Sie sich beim Thema Haare färben in der Schwangerschaft unsicher sind, können Sie Vorsichtsmaßnahmen treffen: benutzen Sie Handschuhe, lüften Sie den Raum gut und lassen Sie die Farbe nicht übertrieben lange einwirken. Da beim Strähnchen-Färben weniger Farbe auf Ihre Kopfhaut gelangt, über der die Chemikalien überhaupt erst in den Körper gelangen, wäre das Umsteigen auf Strähnchen auch eine Maßnahme.
Bildnachweis: Foto: © Cathy Yeulet - 123rf
Lesetipp
Schwangerschaftsmythen – Was Sie wirklich erwartet, wenn Sie ein Kind erwarten, Michael D. Benson, Heyne.
Weblinks
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- Hier gibt's Tipps zur Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit.
- Sport trotz Babybauch: Sport Für Schwangere

